KOVE: MXGP-Einstieg für 2027 abgesagt
Das Kove Factory Racing MXGP Team steht wohl vor dem aus
Was ist aus den großen MXGP-Plänen von KOVE geworden? Noch Ende August kündigte der chinesische Motorradhersteller an, 2027 mit einem eigenen, werksunterstützten Team in die Motocross-Weltmeisterschaft einzusteigen. Zwei Monate später ist davon offenbar nicht mehr viel übrig. Wie uns Tom Steensels, der die KOVE Factory Racing MXGP-Struktur leiten sollte, bestätigte, wird der geplante Einstieg im kommenden Jahr nicht stattfinden.
Dabei hatte die Geschichte schon vor der offiziellen Ankündigung einige Wendungen genommen. Als erstmals Gerüchte über ein MXGP-Engagement von KOVE aufkamen, reagierte der Hersteller auf seinem Instagram-Kanal mit einer Klarstellung. Das von Steensels angekündigte Team sei kein reines Factory Team, hieß es damals.
Zu diesem Zeitpunkt war ursprünglich noch ein Einstieg über die EMX250 im Gespräch. Ein durchaus nachvollziehbarer Weg für einen Hersteller, der sich zunächst im europäischen Motocross etablieren möchte, bevor er den Schritt in die höchste WM-Klasse wagt.
Doch dann änderte sich die Richtung. Nur wenige Monate nach der Klarstellung auf Instagram verkündete KOVE selbst, 2027 mit einer werksnahen Mannschaft in der MXGP antreten zu wollen. Die Leitung sollte weiterhin bei Steensels liegen, das Projekt unter dem Namen KOVE Factory Racing laufen.
Aus einem zunächst nicht als reines Werksteam eingeordneten Vorhaben war plötzlich ein offiziell angekündigtes MXGP-Engagement geworden.
Was ist in diesen zwei Monaten passiert?
Ende August klang es noch nach einem ambitionierten Schritt in den internationalen Motocross-Sport. Ende Oktober steht nun fest, dass KOVE zumindest 2027 nicht wie geplant in der MXGP antreten wird.
Die Frage ist, was innerhalb dieser kurzen Zeit passiert ist. Schließlich dürfte jedem Beteiligten bereits bei der Ankündigung bewusst gewesen sein, welchen Aufwand ein Einstieg in die Königsklasse mit sich bringt. Ein konkurrenzfähiges Motorrad, ausreichend Testkilometer, Fahrer, Personal und die notwendige Infrastruktur entstehen nicht innerhalb weniger Wochen.
Ob technische Schwierigkeiten, wirtschaftliche Überlegungen oder eine Änderung der Unternehmensstrategie den Ausschlag gegeben haben, wissen wir derzeit nicht. Darüber zu spekulieren, wäre wenig hilfreich.
Wir haben deshalb KOVE direkt kontaktiert und um eine Stellungnahme zur aktuellen Situation gebeten. Dabei wollten wir unter anderem wissen, ob der WM-Einstieg lediglich verschoben wurde oder das Unternehmen seine MXGP-Pläne vollständig aufgegeben hat. Eine Antwort auf unsere Anfrage steht bislang aus.
War der direkte Sprung in die MXGP zu ambitioniert?
Ursprünglich war mit der EMX250 ein deutlich kleinerer Einstieg vorgesehen. Später sollte es direkt die MXGP werden. Dass zwischen beiden Programmen erhebliche Unterschiede hinsichtlich Budget, Materialentwicklung und sportlichen Anforderungen bestehen, liegt auf der Hand.
Ob dieser Strategiewechsel letztlich eine Rolle bei der jetzigen Entscheidung gespielt hat, lässt sich ohne eine Erklärung von KOVE nicht beurteilen. Die zeitliche Abfolge macht die Frage allerdings berechtigt.
Für den chinesischen Hersteller wäre die MXGP eine Gelegenheit gewesen, seine Offroad-Motorräder auf internationaler Bühne zu präsentieren und sich mit etablierten Marken wie KTM, Honda, Yamaha oder Kawasaki zu messen.
Stattdessen ist das angekündigte Projekt vorerst gestoppt, bevor überhaupt das erste WM-Rennen bestritten wurde.
Besonders bemerkenswert bleibt dabei, wie schnell sich die öffentliche Kommunikation verändert hat. Erst stellte KOVE klar, dass die geplante Mannschaft kein reines Werksteam sei. Wenige Monate später folgte die Ankündigung eines werksnahen MXGP-Engagements. Und nun wird daraus zumindest für 2027 nichts.
Ob KOVE irgendwann einen neuen Anlauf unternimmt, bleibt offen. Eine Erklärung des Herstellers wäre jedenfalls hilfreich. Nicht zuletzt, um zu verstehen, weshalb ein erst vor zwei Monaten angekündigtes WM-Projekt so schnell wieder von der Bildfläche verschwindet.
