Justin Barcia und Ducati trennen sich nach nur einer Saison

Justin Barcia beendet seine Zeit bei Ducati

Justin Barcia beendet seine Zeit bei Ducati

Justin Barcias Zeit bei Ducati endet nach nur einem Jahr. Was als wichtiger Teil des neuen US-Werksprojekts begann, wurde durch den schweren Crash beim Supercross-Auftakt früh ausgebremst. Nun gehen Barcia und Troy Lee Designs Red Bull Ducati getrennte Wege – und für 2027 führt eine ziemlich interessante Spur zurück zu Suzuki.

Barcia gehörte zu den Fahrern, mit denen Ducati 2026 seine erste komplette Saison im amerikanischen Supercross und Pro Motocross in Angriff nahm. Erfahrung, Speed und ein Fahrer, der genügend Jahre auf einer 450er verbracht hat, um bei der Entwicklung eines neuen Motorrads klare Rückmeldungen geben zu können – auf dem Papier passte das.

Wie viel daraus sportlich hätte werden können, ließ sich allerdings kaum beurteilen. Bereits beim Saisonauftakt in Anaheim änderte sich die Geschichte.

Barcia war bei Anaheim 1 in eine heftige Kollision in der Luft verwickelt und fiel anschließend für einen Großteil der Supercross-Saison aus. Erst bei den letzten beiden Runden kehrte er zurück. In Denver war der Speed sofort wieder da, doch nach einer derart langen Pause wieder mitten in eine laufende 450SX-Saison einzusteigen, ist eine ziemlich undankbare Aufgabe. 

Barcia musste aufholen – Ducati ebenfalls

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Einschätzung von Teammanager Josh Wisenor. Denn er schiebt das schwierige Jahr keineswegs ausschließlich auf Barcias Verletzung.

„Nach Anaheim musste Justin körperlich aufholen, während wir gleichzeitig versucht haben, mit dem Motorrad aufzuholen. Von diesem Zeitpunkt an war es für den Rest der Saison ein Kampf bergauf.“

Damit beschreibt Wisenor ziemlich offen, was das erste gemeinsame Jahr schwierig machte. Während Barcia wochenlang nicht fahren konnte, befand sich die Desmo450 MX in den USA selbst noch mitten in ihrer Entwicklung. Fahrer und Motorrad mussten also gleichzeitig Boden gutmachen. 

Gerade für ein komplett neues Programm ist das keine ideale Kombination. Testarbeit unter der Woche ist eine Sache. Ein Motorrad unter Rennbedingungen gegen die etablierten 450er weiterzuentwickeln, eine andere.

Mit Dylan Ferrandis hatte Ducati zwar einen zweiten erfahrenen Fahrer im Team, Barcia fehlte als zusätzliche Referenz aber über weite Teile der Supercross-Saison.

Als er zurückkam, war die Konkurrenz bereits 15 Runden weiter.

Im Motocross wurde die Saison etwas normaler

Mit Beginn der Pro-Motocross-Saison bekam Barcia wieder mehr Rennzeit. Er arbeitete sich zurück und beendete die 450MX-Meisterschaft innerhalb der Top 10. Sein bestes Gesamtergebnis erzielte er in Spring Creek mit Platz fünf. 

Das sind nicht die Resultate, mit denen Barcia oder Ducati vor der Saison vermutlich Schlagzeilen machen wollten. Sie erzählen aber auch nur einen Teil der Geschichte.

Ducati befand sich im ersten Jahr eines komplett neuen US-Programms, während Barcia nach seiner langen Verletzungspause erst wieder Rennhärte aufbauen musste. Dazu kam die Entwicklungsarbeit am Motorrad.

Wisenor erinnert dabei auch an Anaheim 1. Vor dem Unfall hatte das Team nach eigener Aussage ein gutes Testprogramm absolviert und glaubte, mit dem Bike in die richtige Richtung zu gehen. Barcias Leistung im Heat Race habe gezeigt, was zu diesem Zeitpunkt möglich war. 

Ob daraus im weiteren Saisonverlauf entsprechende Ergebnisse entstanden wären, lässt sich nach dem Crash nicht mehr beantworten.

Das letzte Ducati-Rennen war bereits in Los Angeles

Nun steht fest, dass es keine zweite gemeinsame Saison geben wird.

Barcia bestätigte, dass das SMX-Rennen in Los Angeles sein letzter Start für Troy Lee Designs Red Bull Ducati war. Besonders glücklich fällt der Abschied allerdings nicht aus. Dort verdrehte er sich im ersten Moto den Knöchel. Einen weiteren Fahrversuch unter der Woche musste er abbrechen.

„Leider muss ich sagen, dass das vergangene Wochenende in Los Angeles mein letztes Rennen für das TLD Red Bull Ducati Factory Racing Team war. Im ersten Moto habe ich mir den Knöchel verdreht. Ich habe diese Woche versucht zu fahren, aber es geht einfach nicht.“

Dass seine Ducati-Zeit auf diese Weise endet, ärgert ihn.

„Es ist schade, dass es so zu Ende geht, aber insgesamt war es eine verdammt intensive Reise. Ich möchte dem gesamten Team danken, das in diesem Jahr auf diesem brandneuen Motorrad hinter mir gestanden hat. Jeder hat hart gearbeitet und ich denke, am Ende haben wir einen ziemlich guten Job gemacht.“ 

Von verbrannter Erde kann bei dieser Trennung keine Rede sein.

Wisenor hebt ausdrücklich hervor, welchen Anteil Barcia und seine Familie an der Atmosphäre innerhalb der Mannschaft hatten. Persönlichkeit, Humor und sein Umgang mit der Crew hätten ihn zu einem wichtigen Bestandteil dieses ersten Ducati-Jahres gemacht. Das Team wünsche ihm für seinen weiteren Weg ausdrücklich Erfolg. 

Führt Barcias Weg zurück zu Suzuki?

Damit wird die Frage nach 2027 interessant. Denn Barcia wird seit Wochen mit der Pipes Motorsports Group in Verbindung gebracht. Sollte daraus tatsächlich ein Deal werden, könnte der 34-Jährige kommende Saison wieder auf einer Suzuki RM-Z450 sitzen.

Ganz aus der Luft gegriffen ist diese Verbindung nicht. Berichte über einen möglichen Wechsel halten sich bereits länger, und Barcia soll die Suzuki im Sommer auch getestet haben. Bestätigt ist ein Vertrag bislang allerdings nicht.

Für Barcia wäre Suzuki zudem keine neue Marke. Bereits 2017 fuhr er für JGR Suzuki. Knapp zehn Jahre später könnte es damit zu einer Rückkehr kommen.

Das wäre durchaus eine interessante Kombination. Barcia bringt reichlich Erfahrung aus verschiedenen Factory-Programmen mit und hat gerade eine Saison hinter sich, in der die Entwicklung eines neuen Motorrads ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit war. Bei Pipes Motorsports würde ihn mit der RM-Z450 dagegen ein Bike erwarten, dessen technische Basis schon deutlich länger bekannt ist.

Ob daraus tatsächlich sein nächstes Kapitel wird, muss sich noch zeigen. Die Verbindung zu Pipes Motorsports hält sich aber hartnäckig, und mit dem nun bestätigten Abschied von Ducati ist zumindest der Weg dafür frei.

Für Ducati beginnt gleichzeitig die Suche nach einer neuen Fahrerpaarung. Dylan Ferrandis hat nach dem SMX-Finale seine aktive Karriere beendet, Barcia verlässt das Team ebenfalls. Damit steht das US-Projekt bereits nach seiner ersten Saison vor einem größeren personellen Umbau.

Barcias Ducati-Kapitel ist nach einem schwierigen Jahr jedenfalls beendet. Dass sein nächstes Motorrad wieder gelb sein könnte, ist derzeit noch nicht bestätigt – überraschend wäre es inzwischen aber nicht mehr.