Deegan vs. Kitchen: Dieses Ding hatte alles.

Das Duell des Seattle Supercross 2026: Deegan (#1) vs. Kitchen (#47).

Das Duell des Seattle Supercross 2026: Deegan (#1) vs. Kitchen (#47). / Foto: Feld Entertainment

Seattle hat geliefert. Und zwar richtig. Was da zwischen Haiden Deegan und Levi Kitchen über 15 Minuten plus eine Runde passiert ist, war kein normales Supercross-Rennen. Das war ein Schlagabtausch auf Augenhöhe – taktisch, intensiv, emotional.

Und vor allem: gewollt. Denn beide Fahrer sagten danach im Grunde dasselbe – sie wollten genau so ein Rennen.

Deegan: „So ein Kampf macht uns besser.“

Haiden Deegan machte nach dem Rennen keinen Hehl daraus, dass ihm genau so etwas gefehlt hatte. Klar, Siege sind schön. Aber er sagte offen, dass es „natürlich gut ist zu gewinnen, aber so ein richtiger Kampf macht uns als Fahrer besser“.

Er habe in dieser Saison kaum echte Duelle gehabt und wollte endlich wieder dieses Hin und Her spüren. „Ich habe die ganze Saison eigentlich mit niemandem wirklich gekämpft“, erklärte er ehrlich. Und genau deshalb habe ihm dieses Rennen so viel gegeben.

Als er in der Red-Cross-Sektion kurz zögerte und Zeit verlor, war Levi Kitchen sofort da. Statt in Panik zu geraten, blieb Deegan ruhig. Er habe das Rennen „Runde für Runde gespielt und es klug angegangen“. Mit seinem deutlichen Punktevorsprung im Hinterkopf war klar: Kein unnötiges Risiko.

Aber verlieren? Keine Option. „Ich will meine Siegesserie am Leben halten. Ich gebe so ein Rennen nicht einfach her.“

Man merkte ihm an, dass es ihm nicht nur um Punkte ging. Nach dem Ziel sagte er sogar, er sei „schon lange nicht mehr so begeistert nach einem Rennen gewesen“. Und genau das war spürbar.

Kitchen: „Offensiv fahren ist leichter als verteidigen.“

Levi Kitchen sah das Ganze ähnlich – auch wenn er am Ende knapp den Kürzeren zog. Er sprach davon, wie schwierig es sei, zwischen Angriff und Verteidigung umzuschalten. „Der Unterschied zwischen offensivem und defensivem Fahren ist hart“, erklärte er.

Solange man jagt, fährt man frei. Sobald man führt, beginnt das Rechnen. Linien absichern, Lapper managen, Fehler vermeiden. Genau dort wurde es für ihn kompliziert.

Ein Schlüsselpunkt war das „Three-On“ nach den Whoops. Kitchen wusste, dass dort Zeit lag. Aber er wusste auch, wie riskant es ist. „Ich hätte es einfach jede Runde durchziehen müssen“, gab er selbstkritisch zu. Dieses Zögern kostete ihn entscheidende Zehntel.

Und dann war es dieses Katz-und-Maus-Spiel. „Wir sind nicht wirklich nach vorne gefahren, sondern haben dieses Cat-and-Mouse-Ding gespielt“, sagte er mit einem Grinsen. Trotzdem betonte er: „Ich hatte richtig Spaß heute Abend.“

Eng, hart – aber fair.

Was bei aller Intensität auffiel: Es blieb respektvoll. Beide machten deutlich, dass es nie wirklich aus dem Ruder lief. Kitchen meinte, es sei „nichts wirklich Schlimmes passiert“, und Deegan bestätigte, dass es „nie wirklich zu wild wurde“.

Nach dem Ziel dann der Handschlag. Kein böses Wort. Kein Drama.

Kitchen stellte klar, dass für ihn Sportsmanship über allem steht. Und Deegan sagte über das Duell, dass es eines dieser Rennen sei, „die definitiv in Erinnerung bleiben werden“.

Mehr als nur ein Sieg.

Für Deegan war es der Beweis, dass er nicht nur kontrollieren kann, sondern auch den direkten Zweikampf sucht – und genießt. Für Kitchen war es ein Zeichen, dass er absolut auf Augenhöhe ist. Und für alle, die zugeschaut haben?

Ein Rennen, das man in ein paar Jahren noch einmal anschaut und weiß: Genau so fühlt sich echter Supercross an.

Ergebnis Seattle Supercross 2026

Race_Result_6530032