Cooper Webb zu Team Tedder: Kleineres Team, größere Freiheiten?
Cooper Webb wechselt zum Tedder Team Husqvarna. / Foto: Husqvarna Media
Cooper Webb wechselt für 2027 zu Team Tedder und Husqvarna. Auf den ersten Blick ist das ein ungewöhnlicher Schritt für einen dreifachen 450SX-Champion. Webb verlässt ein etabliertes Umfeld und schließt sich einer bislang eher als Independent-Team bekannten Mannschaft an. Schaut man auf die Details des Deals, wirkt die Entscheidung allerdings deutlich weniger überraschend.
Rocky Mountain ATV/MC kommt als Titelsponsor, Monster Energy bleibt an Bord und Husqvarna unterstützt die Mannschaft offiziell. Neben Justin Hill bekommt Team Tedder mit Webb einen Fahrer, dessen Anspruch kaum darin bestehen dürfte, gelegentlich an den Top Fünf zu kratzen.
Matt Tedder spricht entsprechend von Rennsiegen und Meisterschaften.
Noch interessanter ist allerdings, wie Webb selbst seinen Wechsel beschreibt. Team Tedder gebe ihm die Möglichkeit, „zu meinen eigenen Bedingungen“ Rennen zu fahren.
Das dürfte ziemlich genau der Punkt sein.
Webb sucht offenbar nicht mehr das klassische Werksfahrer-Leben
Mit 30 Jahren und drei 450SX-Titeln muss Webb niemandem mehr beweisen, dass er eine komplette AMA-Saison durchziehen kann. Sein neuer Vertrag konzentriert sich zunächst auf Supercross und die anschließenden SMX-Playoffs. Eine vollständige Pro-Motocross-Saison ist nicht vorgesehen.
Weniger Rennen, dafür volle Konzentration auf den Bereich, in dem Webb seine größten Erfolge gefeiert hat.
Dazu kommt ein Team, das ihm offenbar deutlich mehr Freiraum geben kann als eine klassische Werksstruktur. Wie weit diese Freiheiten technisch oder organisatorisch tatsächlich gehen, verraten die Beteiligten nicht. Webbs Formulierung fällt trotzdem auf.
Er selbst glaubt, damit die richtige Mischung gefunden zu haben. „Ich denke, es wird die perfekte Balance zwischen einem familiären Umfeld und der nötigen Konkurrenzfähigkeit sein, um zu gewinnen.“
Das ist natürlich auch ein Satz aus einer offiziellen Bekanntgabe. Aber Webb kennt beide Seiten. Er ist für große Werksteams gefahren und weiß, was er dort bekommt – und was damit verbunden ist.
Jetzt entscheidet er sich bewusst für eine andere Konstruktion.
Zurück zu Husqvarna heißt auch zurück zu alten Bekannten
Technisch ist der Wechsel ebenfalls weniger exotisch, als das neue Team zunächst vermuten lässt.
Webb kehrt mit Husqvarna zur österreichischen Herstellergruppe zurück. Auf KTM gewann er 2019 und 2021 seine ersten beiden 450SX-Titel. Ende 2023 war diese Zusammenarbeit beendet.
Dass Webb nun wieder mit Leuten wie Roger De Coster zusammenarbeitet, zeigt auch, dass von den damaligen Spannungen offensichtlich nicht genug übrig geblieben ist, um eine erneute Zusammenarbeit zu verhindern.
Webb selbst geht sogar ausdrücklich darauf ein. „Zu Beginn meiner Karriere haben Roger und die gesamte Mannschaft dabei geholfen, meine 450er-Karriere zu drehen. Deshalb ist es etwas Besonderes, dass sie mich jetzt in der späteren Phase meiner Karriere wieder unterstützen.“
Die Geschichte hat damit durchaus ihren Reiz. Webb kehrt nicht zu Red Bull KTM zurück, bekommt aber wieder Unterstützung aus demselben technischen Umfeld, in dem er zweimal Supercross-Champion wurde.
Husqvarna wiederum braucht nach dem Ende des bisherigen eigenen Werksteams Mannschaften, mit denen die Marke weiterhin auf hohem Niveau präsent bleibt.
Team Tedder bekommt dadurch eine ganz andere Bedeutung.
Wie viel Werk steckt künftig in Team Tedder?
Genau das wird 2027 interessant. Ein Independent-Team mit Werksunterstützung kann vieles bedeuten. Entscheidend wird sein, welches Material Webb tatsächlich bekommt und wie eng Husqvarna technisch mit Team Tedder zusammenarbeitet.
Roger De Coster spricht jedenfalls nicht so, als würde Webb mit einem leicht verbesserten Serienmotorrad nach Anaheim geschickt. „Mit einem starken Team um ihn herum kann Cooper sich vollständig auf seine Rennen konzentrieren. Er hat die Möglichkeit, noch einmal ein anderes Niveau zu erreichen und möglicherweise an seine früheren Erfolge anzuknüpfen.“
Für Team Tedder ist das gleichzeitig eine ziemlich große Messlatte.
Mit einem Fahrer wie Webb verändern sich Erwartungen. Ein zehnter Platz kann für ein Independent-Team ein ordentliches Ergebnis sein. Für einen dreifachen 450SX-Champion ist er das normalerweise nicht.
Webb wurde 2026 Dritter der 450SX-Meisterschaft. Er wechselt also nicht zu Team Tedder, weil er sportlich keine anderen Möglichkeiten mehr hätte. Er entscheidet sich für eine Mannschaft, von der er glaubt, dass sie ihm noch einmal ein Bike und ein Umfeld für den Titelkampf geben kann.
Ob Team Tedder diesen Schritt tatsächlich schafft, ist eine der spannenderen Fragen für Anaheim 2027.
Der erste Test kommt schon in Ernée
Bis Januar müssen wir darauf allerdings nicht warten. Webb steigt bereits beim Motocross of Nations in Ernée auf die Husqvarna FC 450 Factory Edition. Es ist sein vierter Start für Team USA – und gleichzeitig sein erstes Rennen auf dem neuen Motorrad.
Viel Eingewöhnungszeit gibt es nicht.
Gerade deshalb dürfte der Auftritt interessant werden. Niemand sollte nach einem MXoN-Wochenende beurteilen, ob Webb mit der Husqvarna 2027 Supercross-Champion werden kann. Ernée kann aber einen ersten Eindruck davon liefern, wie schnell er sich auf dem Motorrad wohlfühlt.
Webb selbst klingt jedenfalls nicht wie jemand, der seinen Wechsel als langsamen Übergang in Richtung Karriereende versteht.
„Ich habe noch eine Menge Kampfgeist in mir und bin motiviert, wieder ganz nach oben zu kommen.“
Das passt eigentlich ganz gut zu diesem Wechsel. Team Tedder bekommt den erfolgreichsten Fahrer seiner bisherigen Geschichte. Webb bekommt dafür offenbar mehr Freiheiten und gleichzeitig Unterstützung von einem Hersteller, mit dessen technischer Basis er zwei seiner drei Supercross-Titel gewonnen hat.
Wie gut diese ungewöhnliche Kombination funktioniert, sehen wir zum ersten Mal bereits an diesem Wochenende in Ernée.
