ADAC MX Masters startet in Grevenbroich – sportlich stark, wirtschaftlich mit Fragezeichen

Luca Nierychlo möchte im ADAC MX Junior Cup 85 nach der Krone greifen

Luca Nierychlo möchte im ADAC MX Junior Cup 85 nach der Krone greifen. / Foto: ADAC

Das ADAC MX Masters meldet sich zurück – und das mit einem Klassiker zum Auftakt. Am Osterwochenende fällt in Grevenbroich der Startschuss zur 22. Saison. Die Sandstrecke auf der „Königshovener Höhe“ gehört seit Jahren zu den festen Größen im Kalender, bekommt 2026 aber einen frischen Anstrich: Eine neue Streckenführung soll zusätzliche Würze ins erste Kräftemessen bringen.

Gerade auf Sand, wo Linienwahl, Rhythmus und Fitness entscheiden, kann so eine Anpassung schnell zum entscheidenden Faktor werden. Eingespielte Abläufe zählen weniger, Anpassungsfähigkeit mehr.

Titelkampf mit vertrauten Namen – und offenem Ausgang

Sportlich ist die Ausgangslage so dicht wie lange nicht.

Titelverteidiger Roan van de Moosdijk trifft erneut auf Max Nagl – und allein dieses Duell trägt genug Spannung für einen Saisonstart. Nagl hatte den Titel im vergangenen Jahr lange im Griff, ehe er ihn erst ganz zum Schluss aus der Hand geben musste.

Dahinter drängt eine neue Generation nach vorne. Fahrer wie Maximilian Spies und Noah Ludwig haben längst gezeigt, dass sie nicht nur mitfahren wollen, sondern ernsthaft in Richtung Spitze schielen.

Mit Jordi Tixier steht zudem ein ehemaliger MX2-Weltmeister am Gatter, der genau weiß, wie man Meisterschaften gewinnt. Erfahrung gegen Jugend – ein Muster, das sich durch das gesamte Feld zieht.

Breite Starterfelder und internationale Mischung

Auch abseits der Topklasse liefert der Saisonauftakt ein starkes Bild.

Über 25 Nationen sind in den vier Klassen vertreten – vom ADAC MX Masters über den Youngster Cup bis hin zu den beiden Junior-Kategorien. Drei Wertungsläufe für Masters und Youngster, zwei für die Junior-Klassen – das Format sorgt früh in der Saison für klare Tendenzen.

Dass die Serie weiterhin international funktioniert, ist ein wichtiges Signal. Gerade im europäischen Kontext behauptet sich das ADAC MX Masters damit weiterhin als eine der relevanten Plattformen zwischen nationalem Sport und WM-Niveau.

Nachwuchsarbeit als fester Bestandteil

Parallel zum Rennbetrieb bleibt auch die Basisarbeit sichtbar.

Mit der ADAC MX Academy „on tour“ wird der Einstieg in den Sport direkt vor Ort greifbar gemacht. Kinder ab sechs Jahren können erste Erfahrungen sammeln – ein Ansatz, der seit Jahren zum Konzept gehört und der Serie langfristig Stabilität geben soll.

Volles Programm – vor Ort und im Stream

Für Fans wird das Wochenende klassisch zweigleisig aufgezogen. Wer vor Ort ist, bekommt das volle Rennfeeling inklusive Autogrammstunde mit Topfahrern. Parallel dazu läuft ein Livetiming und ein kostenloser Livestream, ergänzt durch Interviews und Hintergrundberichte.

Ein Format, das inzwischen Standard ist – und gleichzeitig notwendig, um Reichweite zu sichern.

Sportlich stark – aber mit kritischem Unterton

So überzeugend der sportliche Rahmen auch ist, ein Thema wirft einen Schatten auf den Saisonstart: die Prämienstruktur. Zwar wurden die Laufprämien punktuell angepasst, doch unterm Strich bleibt ein deutliches Minus. Die Kürzungen bei den Jahreswertungen schlagen stärker zu Buche, als es die Anpassungen im Tagesgeschäft auffangen können.

Vor allem in den Schlüsselklassen wird das deutlich: Im ADAC MX Junior Cup, der Nachwuchsklasse, fehlen 1.000 Euro in der Gesamtwertung, in der Masters-Klasse sogar 4.000 Euro. Beträge, die sich nicht einfach über einzelne Rennwochenenden kompensieren lassen.

Gerade für Nachwuchsfahrer bedeutet das weniger finanzielle Unterstützung auf dem Weg nach oben. Und für die Topklasse stellt sich die Frage, wie attraktiv die Serie langfristig für internationale Spitzenfahrer bleibt.

Zwischen Aufbruch und Realität

Der Saisonauftakt in Grevenbroich liefert vieles, was man sich wünscht: volle Gatter, bekannte Namen, junge Herausforderer und eine Strecke, die neue Impulse setzt.

Doch gleichzeitig zeigt sich auch eine andere Seite.

Sportlich entwickelt sich die Serie weiter – strukturell steht sie vor Herausforderungen. Oder anders gesagt: Auf der Strecke stimmt die Richtung. Neben der Strecke bleibt sie zumindest diskussionswürdig.

Zeitplan des ADAC MX Masters Grevenbroich 2026

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