Aaron Plessinger zu Triumph: Mehr als nur der nächste Fahrerwechsel

Aaron Plessinger wechselt nach fünf Jahren KTM nun zu Triumph und pilotiert die TF 450 X bereits im November beim Supercross Paris

Aaron Plessinger wechselt nach fünf Jahren KTM nun zu Triumph und pilotiert die TF 450 X bereits im November beim Supercross Paris

Aaron Plessinger verlässt nach fünf Jahren Red Bull KTM Factory Racing und unterschreibt für zwei Jahre bei Triumph. Auf dem Papier ist das zunächst ein klassischer Herstellerwechsel. Schaut man genauer hin, bekommt Triumph mit dem 30-Jährigen aber genau das, was der noch jungen TF 450-X fehlen kann: einen Fahrer, der weiß, wie sich ein siegfähiges 450er-Bike im AMA Supercross und Pro Motocross anfühlen muss.

Dass Plessinger KTM verlassen würde, ist mit der offiziellen Verabschiedung nun bestätigt. 24 Podien hat er während seiner fünf Jahre in Orange gesammelt, elf davon im 450SX und 13 im 450MX. Dazu kommen seine beiden Supercross-Siege in San Diego 2024 und Foxborough 2025.

Seine letzte KTM-Saison verlief dagegen alles andere als störungsfrei. Mehrere Verletzungen warfen ihn 2026 zurück, am vergangenen Wochenende endete die gemeinsame Zeit beim SMX-Finale in Ridgedale.

Jetzt folgt Triumph.

Plessinger hat bei 5.11 Triumph Factory Racing einen Vertrag über zwei Jahre unterschrieben und wird sowohl AMA Supercross als auch Pro Motocross bestreiten. Und lange müssen wir nicht warten, bis wir ihn auf der TF 450-X sehen. Sein erster Renneinsatz ist bereits für das Paris Supercross im November geplant.

Fünf Jahre KTM hinterlassen einen ziemlich guten Vergleichswert

Für Triumph ist nicht allein entscheidend, dass Plessinger Rennen gewinnen kann. Mindestens genauso interessant dürfte sein, wo er die vergangenen fünf Jahre verbracht hat.

Seit 2022 fuhr er die KTM 450 SX-F FACTORY EDITION. Schon bei seinem zweiten Supercross für KTM wurde er in Oakland Zweiter. 2023 folgten weitere Podien und Rang drei in der 450MX-Meisterschaft.

2024 gelang dann in San Diego der erste 450SX-Sieg seiner Karriere. Plessinger übernahm das Red Plate und stand beim folgenden Rennen in Anaheim erneut auf dem Podium, bevor eine Verletzung seine SX-Saison vorzeitig beendete.

Outdoor wurde er mit sechs Podien erneut Dritter der Meisterschaft. 2025 folgte in Foxborough sein zweiter 450SX-Sieg.

Plessinger weiß also ziemlich genau, was er von einem 450er-Factory-Bike erwartet. Und er kommt direkt von einem Hersteller, der im amerikanischen Rennsport seit Jahren auf höchstem Niveau unterwegs ist.

Für Triumph kann genau das wertvoll werden.

Triumph braucht nicht nur einen schnellen Fahrer

Die TF 450-X ist im Vergleich zu den etablierten Motorrädern von KTM, Yamaha, Honda oder Kawasaki noch jung. Entsprechend geht es für Triumph nicht nur darum, jemanden auf das Motorrad zu setzen, der am Samstagabend schnell fahren kann.

Plessinger soll ausdrücklich bei der weiteren Entwicklung der 450er helfen. Das ist eine andere Aufgabe.

Ein erfahrener Fahrer kann schließlich nicht nur sagen, ob ihm ein Setup gefällt. Er bringt Vergleichswerte mit. Wie reagiert die Front beim Einlenken? Wie verhält sich das Bike in aufeinanderfolgenden Whoops? Wie viel Kraft kostet es, wenn die Strecke kaputter wird? Wie gut lässt sich die Leistung auf den Boden bringen?

Gerade auf einer 450er können solche Dinge wichtiger sein als ein paar zusätzliche PS auf dem Prüfstand.

Plessinger hat fünf Jahre Erfahrung mit der KTM im Rücken. Diesen Erfahrungsschatz nimmt er jetzt mit zu Triumph.

Mit Jeremy Coker trifft er einen alten Bekannten

Ganz fremd wird die neue Umgebung für Plessinger ebenfalls nicht sein. Bei Triumph trifft er auf Jeremy Coker, heute General Manager von Triumph Racing America. Beide haben bereits zusammengearbeitet – und zwar erfolgreich.

Coker erinnert bei der Bekanntgabe ausdrücklich an diese Zeit: „Mit Aaron Meisterschaften zu gewinnen, war für mich ganz ehrlich eine der schönsten und erfüllendsten Zeiten im Rennsport. Ich weiß, wozu Aaron fähig ist, und ich weiß, welche Entschlossenheit und Persönlichkeit er in ein Team mitbringt.“

Damit bekommt die Verpflichtung noch einen anderen Hintergrund. Triumph holt nicht einfach einen bekannten Namen, sondern einen Fahrer, dessen Arbeitsweise einer der entscheidenden Leute im Team bereits kennt.

Das kann gerade während der ersten Testmonate einiges vereinfachen.

Denn Plessinger muss zwar nicht bei null anfangen. Mit der TF 450-X aber sehr wohl.

Plessinger glaubt an die TF 450-X

Der Amerikaner selbst sagt, dass er die Entwicklung von Triumph schon länger beobachtet habe. „Ich habe verfolgt, was das Team in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, und ich glaube wirklich an das Potenzial der Mannschaft und der TF 450-X“, erklärt Plessinger. „Wir wollen alle dasselbe: Rennen gewinnen und um Meisterschaften kämpfen.“

Natürlich gehört ein Satz wie dieser zu einer Fahrerbekanntgabe dazu. Niemand unterschreibt einen neuen Vertrag und erklärt anschließend, dass er erst einmal auf Platz zehn hofft.

Interessanter ist deshalb, was Plessinger danach sagt. Er spricht ausdrücklich vom Testen und davon, nach seinem ersten Rennen in Paris richtig mit der Vorbereitung auf 2027 loszulegen. Und genau dort dürfte für Triumph der größere Wert seiner Verpflichtung liegen.

Erst Thailand, dann beginnt die eigentliche Arbeit

Bevor Plessinger auf der Triumph sitzt, wartet allerdings ein eher ungewöhnlicher erster Arbeitstermin. Vom 6. bis 9. Oktober reist er zur Global Dealer Conference des Herstellers nach Thailand. Dort soll er vor rund 1.200 Triumph-Händlern offiziell in der Mannschaft begrüßt werden.

Danach geht es zurück nach Georgia. Am Teamstandort nahe Atlanta beginnt die Arbeit auf der TF 450-X. Zunächst sollen Grundeinstellungen gefunden werden, anschließend folgt das umfangreichere Testprogramm.

Viel Zeit zum gemütlichen Kennenlernen bleibt nicht. Bereits im November startet Plessinger beim Paris Supercross. Damit bekommt Triumph früh einen ersten Eindruck davon, wie Fahrer und Motorrad unter Rennbedingungen miteinander klarkommen.

Für uns wird genau das ebenfalls interessant.

Wie viel kann Plessinger Triumph tatsächlich bringen?

Die Verpflichtung eines zweifachen 450SX-Siegers macht aus der TF 450-X nicht automatisch ein Siegermotorrad.

Aber Triumph bekommt einen Fahrer, der ziemlich gute Vergleichsmöglichkeiten besitzt. Plessinger kennt die Anforderungen eines Supercross-Main-Events genauso wie ein langes Outdoor-Moto und hat während seiner KTM-Zeit mehrfach gezeigt, dass er auf der 450er vorne fahren kann.

Dazu kommt seine Verbindung zu Coker. Der weiß aus eigener Erfahrung, wie Plessinger arbeitet und was er braucht.

Auf der anderen Seite wartet ein Motorrad, das im amerikanischen 450er-Rennsport noch deutlich weniger Erfahrung gesammelt hat als die Maschinen der etablierten Konkurrenz.

Genau diese Kombination macht den Wechsel interessant.

Triumph bekommt von Plessinger nicht nur die Rückmeldung, ob sich die TF 450-X gut oder schlecht anfühlt. Der Hersteller bekommt einen Fahrer, der sie unmittelbar mit einem Motorrad vergleichen kann, mit dem er Supercross-Rennen gewonnen hat.

Und Plessinger bekommt mit 30 Jahren noch einmal die Gelegenheit, bei der Entwicklung eines vergleichsweise jungen 450ers erheblichen Einfluss zu nehmen.

Ob daraus tatsächlich die von beiden Seiten angesprochenen Siege und Meisterschaftskämpfe werden, muss sich erst zeigen.

Einen ersten Anhaltspunkt gibt es schon im November. Dann steht Aaron Plessinger beim Paris Supercross erstmals mit der TF 450-X am Start.