Vialle siegt im Chaos von Frauenfeld
Tom Vialle konnte in Frauenfeld zum erhofften Grand Prix Sieg fahren
Der MXGP der Schweiz in Frauenfeld lieferte genau das, was man von dieser Strecke erwarten konnte: Chaos, Fehler – und Fahrer, die genau davon profitierten. Am Ende war es Tom Vialle, der sich durchsetzte und seinen ersten MXGP-Gesamtsieg einfuhr.
Ein Ergebnis, das am Samstag noch alles andere als absehbar war.
Vom Problemfall zum Sieger
Denn Vialles Wochenende begann alles andere als optimal. Ein ungewöhnlicher Zwischenfall sorgte bereits am Samstag für Probleme, als sein Fuß zwischen Kette und Ritzel geriet und ihn zum Anhalten zwang. „Ich musste mitten auf der Strecke stoppen und meinen Fuß erstmal wieder frei bekommen“, erklärte er. Die Folge: schlechte Ausgangsposition, Rückschläge – und ein Samstag, der eher zum Vergessen war.
Doch genau daraus entwickelte sich die Geschichte dieses Grand Prix.
Im ersten Lauf erwischte Vialle einen starken Start und nutzte die schwierigen Bedingungen konsequent aus. „Ich war vom ersten bis zum letzten Umlauf in Führung und habe mich richtig gut gefühlt“, sagte er. Gerade auf einer Strecke wie Frauenfeld, die durch Regen und Spurrillen extrem anspruchsvoll war, wurde die saubere Linie zum Schlüssel.
Bedingungen als Vorteil
Dass es geregnet hatte, spielte ihm dabei sogar in die Karten. „Ich hatte Glück mit dem Start, weil die Strecke tief aufgerissen war. Im Trockenen hätte ich das so vielleicht nicht geschafft.“ Vorne zu fahren war an diesem Wochenende Gold wert. Freie Sicht, weniger Risiko – und die Möglichkeit, das eigene Rennen zu kontrollieren. Genau das setzte Vialle konsequent um.
Der zweite Lauf hingegen lief deutlich schwieriger. Schlechter Start, viele Überholmanöver, ein Sturz – und am Ende Platz sechs. Doch genau diese Kombination reichte für den Gesamtsieg. „Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, dass ich gewonnen habe“, gab er zu. „Ich dachte eher, ich bin vielleicht auf dem Podium.“
Renaux meldet sich zurück
Hinter Vialle zeigte Maxime Renaux eines seiner stärksten Wochenenden der noch jungen Saison. Platz zwei im Gesamtklassement bedeutete gleichzeitig sein erstes Podium des Jahres.
Dabei war auch bei ihm nicht alles sauber. Vor allem im zweiten Lauf kostete ein Sturz Rhythmus und Selbstvertrauen. „Ich war danach ziemlich angespannt unterwegs“, erklärte Renaux. „Ich hatte ein bisschen die Erfahrungen vom letzten Jahr im Kopf.“
Was auffällt: Renaux fährt aktuell mit angezogener Handbremse – bewusst. Nach schwierigen Jahren mit Verletzungen setzt er stärker auf Kontrolle statt Risiko. „Ich versuche, mich etwas zurückzunehmen. In der Vergangenheit hat mich zu viel Risiko oft zurückgeworfen.“
Ein Ansatz, der sich auszahlt. Auch wenn er selbst noch nicht am Limit sieht: „Das Gefühl ist noch nicht perfekt, aber wir machen Fortschritte.“
Gajser liefert ab – trotz Fehlern
Auch Tim Gajser gehörte zu den prägenden Figuren des Wochenendes. Platz drei im Gesamtklassement zeigt einmal mehr, wie konstant der Slowene aktuell unterwegs ist.
Dabei begann sein Sonntag alles andere als optimal. Im ersten Lauf musste er nach zwei Stürzen mit Rang neun Vorlieb nehmen – ein Ergebnis, das ihn sichtbar unzufrieden zurückließ. „Ich war damit nicht glücklich“, gab Gajser offen zu.
Doch im zweiten Lauf folgte die Reaktion. Starke Linienwahl, gute Überholmanöver und am Ende Platz zwei – genau die Antwort, die man von einem Titelkandidaten erwartet. „Ich habe mich neu gesammelt und wusste, dass es ein neues Rennen ist“, erklärte er. „Ich habe gute Linien gefunden und konnte Plätze gutmachen.“
Coenen: Schnell – aber mit Fragezeichen
Komplett anders verlief das Wochenende für Lucas Coenen. Der Belgier zeigte zwar erneut seine Geschwindigkeit, nahm aber auch die wohl umstrittenste Szene des Wochenendes mit.
Nach seinem Kettenproblem im ersten Lauf und der anschließenden Disqualifikation kämpfte er sich dennoch bis auf Rang elf nach vorne – ohne zu wissen, dass sein Ergebnis keine Wertung haben würde. „Ich habe versucht, das Problem selbst zu lösen, aber dann haben die Streckenposten eingegriffen“, erklärte Coenen. „Ich wusste nicht, dass ich disqualifiziert bin.“
Besonders kritisch sieht er den Umgang mit der Situation: „Warum zeigt man mir keine schwarze Flagge? Dann gehe ich dieses Risiko nicht ein.“ Im zweiten Lauf zeigte er dann, was möglich gewesen wäre. Holeshot, kontrolliertes Rennen – und ein klarer Beleg für seine Pace.
Ein Wochenende mit klarer Botschaft
Frauenfeld hat einmal mehr gezeigt, wie wenig es im Motocross braucht, um ein komplettes Wochenende zu drehen. Ein Fehler, ein Defekt, eine Entscheidung – und alles verschiebt sich. Vialle nutzte genau das. Renaux und Gajser bestätigten ihre Konstanz. Und Coenen? Der steht nach diesem Wochenende vor allem mit offenen Fragen da.
Und genau das macht diesen Grand Prix so typisch für diese Saison: Geschwindigkeit allein reicht nicht mehr.
