Längenfelder siegt in Frauenfeld – kühler Kopf bringt zweiten Gesamtsieg

Simon Längenfelder holt sich beim MXGP der Schweiz das Red Plate zurück

Simon Längenfelder holt sich beim MXGP der Schweiz das Red Plate zurück. / Foto: Ray Archer

Der MXGP der Schweiz in Frauenfeld war kein Rennen für große Gesten. Es war ein Wochenende für Übersicht, Geduld – und die Fähigkeit, Fehler zu vermeiden. Genau hier setzte Simon Längenfelder an.

Der Deutsche blieb ruhig, während um ihn herum das Chaos lauerte. „Es war kein schlechtes Wochenende“, sagte er im Anschluss – eine fast schon nüchterne Einordnung für einen Auftritt, der ihm seinen zweiten Gesamtsieg der Saison in der FIM Motocross World Championship einbrachte.

Rennen lesen statt erzwingen

Gerade im ersten Lauf zeigte sich, wie dieses Rennen funktioniert. Längenfelder hielt sich aus Problemen heraus und nutzte die Situationen, die sich ihm boten. Eine entscheidende Szene entstand im Verkehr, als ein Überrundeter in den Kampf um die Spitze eingriff.

„Die Überrundeten waren wirklich schwierig dieses Wochenende“, erklärte Längenfelder. „Ich war oft neben der Strecke, das hat es nicht einfach gemacht.“ Was nach Ausrede klingt, ist in Wahrheit der Schlüssel zu seinem Erfolg. Während andere Fahrer in diesen Situationen Zeit verloren oder Fehler machten, blieb Längenfelder kontrolliert – und vor allem auf dem Bike.

Überleben als Erfolgsstrategie

Die Strecke in Frauenfeld entwickelte sich schnell zu einem echten Material- und Nerven-Test. Mehrere Fahrer verloren ihre Ketten – ein ungewöhnliches, aber klares Zeichen dafür, wie aggressiv die Bedingungen waren. Auch Längenfelder registrierte das früh. „Wir hatten eine Spurrille, wo bei einigen Fahrern die Kette absprang“, sagte er. „Ich bin da jede Runde bewusst tief reingefahren, um genau das zu vermeiden.“

Ein Detail, das viel über seinen Ansatz verrät. Es ging nicht darum, jede Runde am Limit zu fahren – sondern die entscheidenden Risiken zu erkennen und gezielt zu umgehen.

Fehler vermeiden, Rennen gewinnen

In Frauenfeld galt eine einfache Regel: Wer auf dem Bike bleibt, hat eine Chance. Wer Fehler macht, ist raus.

Längenfelder formulierte es selbst treffend: „Es war extrem wichtig, einfach auf dem Bike zu bleiben.“ Eine Aussage, die fast banal wirkt – aber genau den Kern dieses Rennens trifft. Während andere Fahrer patzten oder durch Defekte zurückgeworfen wurden, blieb er konstant. Keine spektakulären Manöver, keine unnötigen Risiken – sondern ein Rennen, das von Anfang bis Ende durchdacht war.

Red Plate zurück – aber keine Euphorie

Mit dem Sieg sichert sich Längenfelder nicht nur den Tagessieg, sondern auch wieder die Führung in der Meisterschaft. Die rote Platte ist zurück – ein sichtbares Zeichen seiner aktuellen Form. Doch auch hier bleibt er geerdet: „Es ist schön, das Red Plate zu haben. Die Nummer eins sieht gut aus damit.“ Viel mehr Pathos gibt es nicht. Stattdessen richtet sich der Blick direkt nach vorne.

Reife als entscheidender Faktor

Was diesen Sieg besonders macht, ist nicht nur das Ergebnis – sondern die Art und Weise, wie er zustande kam. Längenfelder wirkt reifer. Überlegter. Er fährt Rennen nicht mehr nur mit Geschwindigkeit, sondern mit Verständnis. Gerade auf einer Strecke wie in Frauenfeld, die Fehler provoziert, macht genau das den Unterschied.

Mehr als nur ein weiterer Sieg

Der zweite Gesamtsieg der Saison ist kein Zufall. Er ist das Resultat eines Fahrers, der verstanden hat, wie man schwierige Rennwochenenden für sich nutzt. Oder, um es mit seinen eigenen Worten zu sagen: „Manchmal musst du einfach ruhig bleiben und dein Rennen fahren.“

Genau das hat Simon Längenfelder in Frauenfeld getan. Und genau deshalb steht er ganz oben.