Hans Corvers & Stefan Everts ordnen die neue MXGP-Saison ein
Hans Corvers & Stefan Everts waren sich vor dem Saisonstart einig, dass die MXGP Klasse derzeit ungewöhnlich breit aufgestellt ist. / Foto: Ray Archer
Eine Woche nach dem Saisonstart der Motocross-Weltmeisterschaft lässt sich bereits erkennen, warum viele Experten im Vorfeld von einer außergewöhnlich offenen Saison gesprochen haben. Zwei Stimmen, die diese Einschätzung besonders deutlich vertreten hatten, sind Stefan Everts und Yamaha-Teamchef Hans Corvers. Beide hatten in der Vergangenheit ausführlich über ihre Erwartungen an die Saison gesprochen – und viele ihrer Beobachtungen wirken nach dem ersten Grand Prix bereits erstaunlich aktuell.
Stefan Everts: Transfers könnten die Saison prägen
Für Stefan Everts lag der Schlüssel zur neuen Saison vor allem in den großen Fahrerwechseln. Besonders zwei Transfers könnten den Verlauf der Meisterschaft entscheidend beeinflussen: der Wechsel von Jeffrey Herlings zu Honda sowie der Wechsel von Tim Gajser zu Yamaha.
Everts machte dabei schon vor dem Saisonstart deutlich, dass solche Veränderungen immer schwer einzuschätzen sind. Nach vielen Jahren in derselben Struktur müsse sich ein Fahrer nicht nur an ein neues Motorrad, sondern auch an ein komplett anderes Umfeld gewöhnen. Gerade bei Herlings sei das eine besondere Situation, weil der Niederländer nach 17 Jahren bei KTM plötzlich ein völlig anderes Paket fahre.
Aus Everts’ Sicht wird sich erst im Laufe der Saison zeigen, wie schnell solche Umstellungen wirklich greifen. Die ersten Rennen könnten Hinweise geben, doch eine echte Bewertung sei meist erst nach mehreren Grand Prix möglich.
Corvers über Gajser: Motivation durch einen Neuanfang
Während Everts stärker auf die sportliche Seite blickt, erklärte Hans Corvers vor allem die Hintergründe des Wechsels von Tim Gajser. Der Yamaha-Teamchef machte deutlich, dass dieser Transfer nicht nur eine sportliche Entscheidung gewesen sei.
Corvers schilderte, dass sich Gajser am Ende seiner Zeit bei Honda nicht mehr vollständig wertgeschätzt gefühlt habe. Für ihn spiele Anerkennung im Team eine große Rolle – nicht nur Siege, sondern auch Podiumsplätze und die gemeinsame Arbeit im Hintergrund. Genau diese Wertschätzung sei für Gajser wichtig, um sich voll entfalten zu können.
Aus Corvers’ Sicht könnte der Wechsel deshalb eine zusätzliche Motivation freisetzen. Ein Fahrer, der sich nach einem solchen Kapitel neu beweisen möchte, bringe oft eine besondere Energie mit.
Ein breiter Titelkampf bleibt möglich
Sowohl Everts als auch Corvers waren sich vor dem Saisonstart einig, dass die MXGP-Klasse derzeit ungewöhnlich breit aufgestellt ist. Neben Herlings und Gajser gehören aus ihrer Sicht auch Fahrer wie Romain Febvre, Lucas Coenen oder Maxime Renaux zum erweiterten Kreis der Titelkandidaten.
Corvers verglich die Situation sogar mit früheren Epochen des Sports, in denen mehrere absolute Topfahrer gleichzeitig um Siege kämpfen konnten. Genau diese Dichte könnte die Saison besonders spannend machen – vorausgesetzt, die wichtigsten Namen bleiben über längere Zeit verletzungsfrei.
Ein Feld mit vielen offenen Fragen
Eine Woche nach dem Saisonauftakt bleibt deshalb vieles offen. Die ersten Ergebnisse liefern zwar erste Hinweise, doch die langfristige Entwicklung der Saison wird sich erst über mehrere Grand Prix zeigen.
Gerade die Transfers, auf die Stefan Everts besonders hingewiesen hatte, könnten dabei eine zentrale Rolle spielen. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, ob sich die Prognose von Hans Corvers bestätigt, dass ein motivierter Tim Gajser mit neuem Umfeld noch einmal zusätzlichen Schwung entwickeln kann.
Fest steht: Wenn die wichtigsten Fahrer gesund bleiben und sich die Kräfteverhältnisse weiter so eng präsentieren, könnte sich die Einschätzung von Everts und Corvers bestätigen – dass die MXGP-Saison 2026 zu den spannendsten der letzten Jahre gehört.
