Goodbye Frauenfeld – Das leise Ende eines Grand Prix?

2025 hatte man beim MXGP der Schweiz in Frauenfeld mit Jeremy Seewer als Lokalmatador auf dem Podium noch grund zum jubeln

2025 hatte man beim MXGP der Schweiz in Frauenfeld mit Jeremy Seewer als Lokalmatador auf dem Podium noch grund zum jubeln. / Foto: Ray Archer

Noch ist nichts offiziell bestätigt, doch vieles deutet darauf hin, dass sich der MXGP of Switzerland in Frauenfeld seinem Ende nähert. Nach vier Jahren auf dem neu geschaffenen Kurs steht das Event offenbar vor dem Aus – zumindest an diesem Standort. Was sich lange nur zwischen den Zeilen abzeichnete, bekam bereits bei der Pre-Press-Konferenz eine erste, spürbare Richtung.

Willy Läderach ließ schon vor Beginn der Veranstaltung durchblicken, dass die Vorverkäufe deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. Keine dramatischen Worte, kein Alarmismus – aber genug, um zu verstehen, dass die wirtschaftliche Basis dieses Grand Prix ins Wanken geraten ist.

Wenn das Publikum fehlt

Motocross lebt vom Zuschauer. Von Nähe, Atmosphäre, Dreck, Emotion. Doch genau dieser Faktor scheint in Frauenfeld zunehmend zu bröckeln. Läderach sprach das Thema in nicht nur in der Pre-Press-Conference offen an: Man rechne nicht mit den Besucherzahlen, die es für ein Event dieser Größenordnung eigentlich braucht.

Das war vor dem ersten Renntag mehr als nur ein Randaspekt. Es ist ein strukturelles Problem. Denn ohne ausreichende Einnahmen wird selbst ein gut organisiertes Rennen schnell zum finanziellen Risiko. Und genau danach sieht es aktuell aus.

Auch am zweiten Renntag stimmte er das Publikum auf die unsichere Zukunft in seiner Ansprache ein. Hier betonte er die finanziellen Hürden die es zu meistern gilt – gern auch durch ein Crowdfunding.

Ein Event am Limit

Parallel dazu wächst der Druck auf organisatorischer Seite. Der Aufbau eines Grand Prix unter schwierigen Wetterbedingungen ist ohnehin kein Selbstläufer. In Frauenfeld kommt jedoch eine Kombination hinzu, die das Ganze noch komplizierter macht.

Das Fahrerlager ist räumlich von der Strecke getrennt – ein logistischer Mehraufwand, der Kosten treibt und Abläufe erschwert. Hinzu kommen steigende Auflagen, die jedes Jahr mehr Ressourcen binden. Faktoren, die sich nicht sofort auf den Zuschauer sichtbar auswirken, im Hintergrund aber massiv ins Gewicht fallen.

Läderach selbst beschrieb den Aufwand hinter den Kulissen als enorm. Und genau hier liegt ein entscheidender Punkt: Wenn Organisation zur Dauerbelastung wird, stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Zukunft.

Terminverschiebung und die Wirkung

Traditionell wurde der MXGP in Frauenfeld am Osterwochenende ausgetragen – mit Rennen am Samstag und am Ostermontag. Ein Konzept, das über Jahre hinweg funktionierte und fest im Kalender verankert war. 2026 wich man davon ab und zog das Event vor. Die Hoffnung: neue Impulse, mehr Zuschauer, vielleicht eine bessere Einbindung in den internationalen Kalender. Doch der Effekt blieb aus.

Im Gegenteil. Die Veränderung scheint keinen positiven Einfluss gehabt zu haben – eher das Gegenteil. Das Rennen verlor ein Stück seiner Identität, ohne dafür neue Dynamik zu gewinnen, auch wenn die offiziellen Zuschauerzahlen nicht ganz so drastisch klingen. Hier gab Infront 23.500 Besucher über das Wochenende an – jedoch wäre das ein Einbruch um fast 50%, denn 2025 sollen es noch ca. 40.000 gewesen sein.

Zu viele Faktoren, die gegen Frauenfeld sprechen

Wenn man die Situation zusammennimmt, ergibt sich ein klares Bild. Es ist nicht der eine Grund, der Frauenfeld ins Wanken bringt. Es ist die Summe vieler Faktoren.

Zu hohe Kosten, steigende Anforderungen, logistische Herausforderungen und ein Zuschauerinteresse, das weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Dazu ein Termin, der nicht den gewünschten Effekt bringt. All das addiert sich zu einer Ausgangslage, die für Veranstalter schwer tragbar wird.

Ein Standort mit kurzer, intensiver Geschichte

Dabei war der Neustart in Frauenfeld durchaus ambitioniert. Eine neue Strecke, moderne Infrastruktur, der Versuch, den Grand Prix in der Schweiz wieder langfristig zu etablieren. Vier Jahre später bleibt das Gefühl, dass das Potenzial nie vollständig ausgeschöpft werden konnte.

Nicht, weil der Wille fehlte. Sondern weil die Rahmenbedingungen nie wirklich stabil waren.

Was bleibt

Ob Frauenfeld tatsächlich aus dem Kalender verschwindet, wird sich zeigen. Doch die Signale sind eindeutig. Der MXGP of Switzerland steht vor einer Zäsur.

Und vielleicht ist genau das die ehrlichste Erkenntnis: Nicht jedes Projekt, das auf dem Papier funktioniert, hält auch der Realität stand. In Frauenfeld wirkt es aktuell so, als hätte man diesen Punkt erreicht.