Verpasst Camden Mc Lellan den Titel im ADAC MX Youngster Cup wegen Regelwahnsinn? 

Camden Mc Lellan verpasst ADAC MX Youngster Titelkampf

Camden Mc Lellan verpasst ADAC MX Youngster Titelkampf / Foto: SevenOnePictures

Als Tabellenzweiter reiste Camden Mc Lellan zur fünften Runde des ADAC MX Youngster Cup auf die legendäre Wacht nach Gaildorf. Bereits am Samstagmorgen erlebte der Südafrikaner ein wahres Fiasko, in dem eine alte Regel den einstigen Junior Cup Champ aus dem Titelkampf riss.

Seit der Short Season werden im Youngster das Freie Training und die Qualifikation direkt hintereinander abgehalten, ähnlich wie in der Europameisterschaft. Hat ein Fahrer im freien Training ein Defekt oder stürzt er, kann somit auch die Qualifikation futsch sein. 

Was war passiert?

Ähnlich lief es für Mc Lellan: „Ich fuhr eine Runde im Freien Training, als mein Bike sich plötzlich gebremst anfühlte. Mein Mechaniker sagte mir, dass etwas am Motor nicht stimmt und wir auf mein zweites Bike wechseln müssen. Also wechselte ich das Motorrad.“

Soweit noch kein Fiasko, allerdings riss dem ehemaligen 85er Europameister nach nur zwei Runden im Zeittraining die Kette und er musste vorzeitig zurück ins Paddock: „Wir haben uns dann für das Last-Chance-Rennen fertig gemacht, jedoch durfte ich da nicht starten!“

Der Grund dafür war folgende Regel: „Um zu den Wertungsläufen zugelassen zu werden, muss jeder Fahrer mindestens insgesamt 3 durch die Zeitnahme registrierte Runden in den Trainingsabschnitten absolviert haben,“ heißt es im DMSB Handbuch. Aber sagte Mc Lellan nicht zuvor, dass er eine Runde im Freien und zwei im Zeittraining gefahren sei? Das mag sich für den KTM-Piloten auch so angefühlt haben, allerdings wurde die erste Runde im Freien Training nicht von der Zeitnahme erfasst, da die Fahrer erst knapp eine Runde um den Track fahren, bevor sie über die Zeitschleife im Ziel springen. Mc Lellan fuhr danach direkt in die Box und hatte eben nur zwei gemessenen Runden in der Qualifikation gefahren. 

Wie reagiert die Rennleitung?

Laut Regelwerk wurde also alles richtig gemacht, aber ist das nicht zu streng? Wurde damit nicht die Meisterschaft geschwächt? Wem hilft diese Regel? Laut den Verantwortlichen ist diese Regel sicherheitsrelevant und man musste so handeln. (Anm. d. Red.: Hätte die Rennleitung so nicht gehandelt, hätte die Konkurrenz vermutlich Einspruch eingelegt) Allerdings zieht man in Betracht in Zukunft eine Regeländerung vorzunehmen und in so einem Falle den Fahrer im Last-Chance-Rennen starten zu lassen. 

Zu spät für Mc Lellan, den wir dieses Jahr wohl nicht mehr im Youngster Cup sehen werden: „Die Meisterschaft ist für mich vorbei, daher würde es Sinn machen in den USA noch ein paar Rennen zu fahren. Ich werde ohnehin in Red Bud beim MXoN am Start sein!“

Früher war alles anders…

Side Story: Etwas kreativer war man bei einem ähnlichen Problem in den 90ern. Damals hatte die britische SX-Legende Warren Edwards die Party am Samstagabend des Supercross Dortmund etwas intensiver erlebt als geplant. Der Brite war unauffindbar und verpasste am Sonntagmorgen das Warm-up. 

Auch damals gab es so eine Regel schon und der Star der Veranstaltung hätte bei den Rennen des dritten Tages nicht starten dürfen. Der Veranstalter war allerdings kreativ und täuschte der Rennleitung einen Video-Dreh für den WDR vor. Edwards musste für den Dreh genau drei Runden fahren, um die nötigen Aufnahmen zu produzieren. Zufällig genau diese drei Runden, die er für den Start an den drei Rennen brauchte.

Text: Martin Anderson

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