US-Supercross 2027: Sacha Coenen – zuerst SMX Next?

Sacha Coenen zeigt stolz seine US Startnummer

Sacha Coenen zeigt stolz seine US Startnummer

Soll Sacha Coenen schon beim Auftakt der 250SX-Profis am Gatter stehen? Im Kickstart Podcast von Donn „Swap“ Maeda wurde ein anderer Einstieg diskutiert. Der Belgier könnte zunächst SMX Next fahren und erst danach in die 250SX-East wechseln. KTM hatte vor wenigen Wochen Sacha für sein 250er-Werksteam bestätigt. Welche Division er fährt und ob er vorher in der Nachwuchsklasse antritt, ließen die Österreicher damals offen.

Southwick zeigte Sachas Tempo und das Risiko

Bei seinen diesjährigen US-Gaststarts hat Sacha gezeigt, wie schnell er auf einer neuen Motocross-Strecke sein kann. In Thunder Valley gewann er den zweiten Lauf, in Southwick beide Motos. Dort nahm er dem Zweitplatzierten im ersten Lauf mehr als 33 Sekunden ab. Im zweiten stürzte er kurz vor Schluss, brach sich das rechte Schlüsselbein und gewann trotzdem. Sechs Tage nach der Operation wurde er beim MX2-Grand-Prix in Foxhill Achter.

Doch Supercross ist ein anderes Pflaster. Selbst ein MX2-WM-Spitzenfahrer muss sich erst an die engen Anfahrten und die Sprungfolgen im Stadion gewöhnen. Angesichts der Stürze, die Sacha bereits hinter sich hat, ist die Sorge vor einer Verletzung beim Einstieg berechtigt. Seine Outdoor-Ergebnisse zeigen, wie viel Tempo er mitbringt. Wie sicher er dieses Tempo im Stadion abrufen kann, wird sich erst unter anderen Bedingungen zeigen.

Was sich im Pulk ändert

Im Training kann Sacha eine Rhythmussektion bei freier Strecke anfahren und sich den Punkt aussuchen, an dem er beschleunigt. Im Rennen reicht es, dass der Fahrer vor ihm die Linie wechselt oder vor dem Absprung kurz zögert. Dann muss Sacha im Anlauf entscheiden, ob er die geplante Kombination noch springt. Nimmt er den ersten Sprung einzeln, kommt er mit anderem Tempo am nächsten Hindernis an und muss den Rest der Passage neu einteilen.

Für KTM kann deshalb eine Runde mitten im Feld aufschlussreicher sein als die schnellste Runde des Abends. Wie reagiert Sacha, wenn ihm nach dem Start die bevorzugte Linie fehlt? Wie schnell findet er nach einer verpassten Kombination wieder in seinen Rhythmus? Genau dafür kann ein Rennen in SMX Next wertvoll sein. Doch bevor Sacha solche Situationen im Pulk lösen kann, muss er die Sprungfolgen schon im Training sicher beherrschen. Wie viel dabei bereits vor dem ersten Rennstart auf dem Spiel stehen kann, zeigte der Unfall von Brian Moreau.

Brian Moreau stürzte schon im freien Training

Der Franzose war EMX125-Europameister und bereits in der MX2-WM gefahren, als er 2020 in Tampa sein US-Supercross-Debüt geben sollte. Der Franzose stürzte im freien Training in einer Rhythmussektion. Er erlitt eine schwere Rückenmarksverletzung, die zu einer Querschnittslähmung führte.

Für Sacha stellt sich die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt damit schon vor einem möglichen Start bei SMX Next. Entscheidend ist, ob er im Training auch dann eine saubere Alternative findet, wenn der Anlauf für die geplante Kombination plötzlich fehlt. Ein Einsatz in der Nachwuchsklasse könnte anschließend zeigen, wie gut ihm das unter Rennbedingungen gelingt.

Darf ein MX2-Werksfahrer in der SMX Next starten?

SMX Next soll Fahrer aus dem Amateurbereich an die US-Profi-Meisterschaften heranführen. Für 2027 sind pro Lauf 25 Startplätze vorgesehen. Bis zu 20 davon werden über Ergebnisse bei US-Amateurrennen vergeben, mindestens fünf per Einladung. Das Zusatzreglement sieht ab 2027 ein Mindestalter von 16 Jahren und die AMA-Einstufung A am Veranstaltungstag vor. Ausgeschlossen sind lizenzierte Supercross-Fahrer, die sich in den vergangenen drei Saisons bei einem AMA-Supercross-Lauf fürs Abendprogramm qualifiziert haben.

Sachas MX2-Starts allein stehen einer Teilnahme an SMX Next im Supercross nicht im Weg. Die Regel, die Fahrer mit jüngeren Starts im 40er-Feld eines MXGP- oder MX2-Grands-Prix ausschließt, gilt für das Moto Combine im Motocross. Für Sacha wäre im Supercross eine Einladung der naheliegende Weg. Ob er die erforderliche AMA-Einstufung und einen Startplatz erhält, ist offen.

Sportlich wäre seine Teilnahme ein Sonderfall. Sacha steht im US-Supercross am Anfang, kommt aber als MX2-WM-Dritter, KTM-Werksfahrer und Sieger eines US-Nationals. Für ihn wäre SMX Next eine Gelegenheit, Rennerfahrung im Stadion zu sammeln. Für die anderen Fahrer geht es um Punkte in einer Serie, die ihnen den Weg zu den Profis öffnen soll. Mit Sacha stünde ein Fahrer am Gatter, der diesen Schritt im Motocross längst gemacht hat.

Vor dem East-Auftakt bleibt nur Anaheim

SMX Next beginnt am 22. und 23. Januar in Anaheim. Der zweite Termin folgt am 5. und 6. Februar in Tampa, wo am Samstag bereits die 250SX East startet. Laut Zusatzreglement kann Sacha bei derselben Veranstaltung nur für eine der beiden Klassen melden. Will KTM ihn beim East-Auftakt einsetzen, bleibt vorher also genau ein SMX-Next-Wochenende. Fährt er auch in Tampa in der Nachwuchsklasse, verschiebt sich sein East-Debüt auf einen späteren Lauf. Dafür braucht er die entsprechende AMA-Supercross-Lizenz.

Zwischen Anaheim und Tampa liegen zwei Wochen. Falls Sacha in Anaheim einen Startplatz bekommt, könnte KTM diese Zeit nutzen, um gezielt an den Situationen zu arbeiten, die ihm beim ersten Einsatz Schwierigkeiten bereitet haben. Ein zweites Rennen in SMX Next würde zeigen, was sich seit Anaheim verbessert hat. Bei einem direkten Wechsel in die East müsste er das bereits im Profifeld zeigen. Wie viel Anlauf er tatsächlich braucht, lässt sich nach Anaheim besser beurteilen als heute anhand des Kalenders.