Todd Kellett schreibt Geschichte beim Enduropale du Touquet

Todd Kellett gewinnt 50. Enduropale Le Touquet

Todd Kellett gewinnt 50. Enduropale Le Touquet. / Foto: Frederik Herregods

Regen, Wind, aufgewühlter Sand – die Jubiläumsausgabe der Enduropale begann unter widrigsten Bedingungen. Und doch endete sie mit einem Bild, das inzwischen fast schon vertraut wirkt: Todd Kellett ganz oben.

Der 28-jährige Brite gewann das legendäre Strandrennen zum vierten Mal in Folge – eine Serie, die ihn endgültig in die Geschichtsbücher katapultiert. Vier Siege am Stück bei diesem Monument des Sandrennsports sind mehr als Statistik. Es ist Dominanz.

Startchaos – und sofort bei der Musik

Die erste lange Gerade entschied einmal mehr über Sieg oder Niederlage. Vorne mischten sich zunächst Martens, Hauquier und Bal ins Rampenlicht. Doch die entscheidende Frage lautete: Würde Kellett an der Spitze auftauchen?

Die Antwort kam schnell. Während Milko Potisek bereits früh Positionen verlor und Cyril Genot – wie schon im Vorjahr – einen miserablen Start erwischte (er kam nur um Platz 30 aus der ersten Runde zurück!), war Kellett sofort präsent. Schnell, präzise, kompromisslos.

Genot startete seine beeindruckende Aufholjagd, fuhr starke Rundenzeiten und kam zurück bis auf Rang zwei. Doch wie schon 2025 blieb am Ende die gleiche Erkenntnis: stark zurückgekämpft – aber geschlagen. Mehr als 1.300 Fahrer versuchten, Kellett zu bezwingen. Keiner schaffte es.

Die Maschine Kellett

Was folgte, war ein Lehrstück. Der Leader des Dragon’Tek-Teams setzte sich bereits in Runde 2 ab und kontrollierte das Rennen mit einer Mischung aus Erfahrung, perfektem Material und außergewöhnlicher Physis. Die Yamaha lief wie ein Uhrwerk. Keine Schwäche, kein Einbruch, kein Fehler.

Kellett wirkte, als würde er über den Sand schweben. Während Potisek sichtbar kämpfen musste und Runde für Runde an Rhythmus verlor, hielt der Brite das Tempo konstant hoch. Nur Genot konnte ihm auf die Distanz gesehen in Sachen Rundenzeiten Paroli bieten – allerdings aus viel zu großem Rückstand.

Im Ziel war Kellett emotionaler als beim Start. „Das ist erst der Anfang!“, ließ er durchblicken – angetrieben vom vierten Sieg in Serie und dem Wissen, gerade ein weiteres historisches Kapitel geschrieben zu haben.

Mit diesem Triumph sicherte er sich gleichzeitig den Weltmeistertitel in der FIM Sand Races World Championship – die perfekte Krönung einer Saison, die von Konstanz und Kontrolle geprägt war.

Podium, Comebacks und besondere Geschichten

Genot musste sich erneut mit Platz zwei begnügen – stark gefahren, aber erneut zu weit zurück nach dem Start. Für Honda bleibt die wiederkehrende Startschwäche ein bitterer Punkt. Potisek rettete Rang drei. Ein Podium mit Kampfgeist, jedoch ohne echte Siegchance. Dahinter glänzte Lars Van Berkel auf Fantic mit Rang vier nach Aufholjagd. Hakon Fredriksen folgte knapp dahinter.

Beeindruckend auch Camille Chapelière, der eine Suzuki RM-Z 450 auf Platz sieben abstellte – vielleicht ein Signal für mehr Werks-Engagement der „Gelben“ in Zukunft. Ein besonderes Highlight: Adrien Van Beveren sprang kurzfristig auf die Honda CRF 450 und fuhr auf Rang acht ins Ziel, obwohl ursprünglich ein Vintage-Start mit der 500 CR geplant war.

Jeremy Hauquier spielte in den ersten beiden Runden sogar auf Augenhöhe mit Kellett und profitierte von enormer Topspeed auf der Startgeraden. Doch ein Kühlerleck zwang ihn zu einem langen Boxenstopp – das Podium war dahin.

Und dann war da noch Antoine Méo. Elf Jahre nach seinem letzten Touquet-Auftritt kämpfte sich der fünffache Enduro-Weltmeister mit der Ducati 450 Desmo von ganz hinten auf Platz 21 nach vorne. Motorwechsel am Vortag, technische Probleme 15 Sekunden vor dem Start – und trotzdem Rundenzeiten auf Top-10-Niveau. Ein starkes Ausrufezeichen.

Ein historischer Meilenstein

Vier Siege in Folge bedeuten: Kellett überholt zahlreiche große Namen der Historie und liegt nun nur noch einen Triumph hinter Kees Van Der Ven. Mit 28 Jahren steht er im besten Rennfahrer-Alter. Die Frage ist nicht mehr, ob er erneut gewinnen kann – sondern wie lange diese Serie noch weitergeht.

2027 wartet die 51. Ausgabe der Enduropale. Und eines scheint sicher: Todd Kellett wird wieder der Mann sein, den es zu schlagen gilt.