Supercross Dortmund: Deutsche SX2-Hoffnungen, Triple-Crown und ein neuer Local Hero

Das Supercross Dortmund hatte mit der heutigen Pressekonferenz seinen ersten offiziellen Punkt des langen Racing Wochenendes

Das Supercross Dortmund hatte mit der heutigen Pressekonferenz seinen ersten offiziellen Punkt des langen Racing Wochenendes. / Foto: ADAC

Donnerstag vor dem Event, erste Runden in der Westfalenhalle – und damit auch die ersten klaren Eindrücke: Supercross Dortmund 2026 geht in seine 41. Ausgabe und die traditionelle Pressekonferenz lieferte gleich mehrere spannende Themen. Während sich die Fahrer beim ersten „Einschießen“ an den tiefen, griffigen Hallenboden gewöhnten, wird vor allem eines deutlich: Das Wochenende wird sportlich anspruchsvoll – und für die deutsche Fraktion besonders wichtig.

SX2 bleibt die „Wundertüte“ – mit deutscher Doppelspitze

Im Mittelpunkt der ersten Gesprächsrunde standen zwei deutsche Fahrer, die in der SX2-Kategorie für Aufmerksamkeit sorgen sollen: Noah Ludwig und Paul Bloy.

Ludwig, im Sommer vor allem aus dem ADAC MX Masters bekannt, kehrt nach langer Pause zurück ins Supercross-Geschehen. Sein letztes SX-Kapitel liegt weit zurück – 2017 endete es nach einer frühen Verletzung in Chemnitz. Seitdem hatte er Supercross „beiseite gelegt“. Für Dortmund 2026 ist die Motivation aber zurück: „Ich hatte wieder Bock“, sagt Ludwig – und feiert damit gleich eine Premiere, denn in Dortmund ist er erstmals als Fahrer dabei. Sein erster Eindruck: Die Strecke ist „sehr weich“, dazu ein „sehr langes Waschbrett“ – trotzdem macht es Spaß, und die Vorfreude auf den Rennstart ist spürbar.

Auch Paul Bloy kennt Dortmund „in- und auswendig“. Nach seinem starken Auftritt beim Heim-Supercross in Stuttgart will er in der Westfalenhalle erneut abliefern. Für Bloy ist Dortmund ein Fixpunkt: „Wir haben leider nur zwei Rennen in Deutschland, darum ist Dortmund ein mega Event.“ Die Fans seien ein großer Faktor – gerade weil deutsche Fahrer im Feld nicht übermäßig vertreten sind, spüre er den Support besonders.

Sportlich setzen beide ihre Ziele bewusst: Finals erreichen ist für Bloy jedes Jahr der Maßstab – und wenn „ein bisschen was reinläuft“, sei auch Podium drin. Ludwig formuliert es direkter: Er ist „auf jeden Fall hier, um aufs Podium zu fahren“.

Neuer Modus: SX2 fährt am Sonntag Triple Crown

Eine der zentralen Neuigkeiten betrifft den Sonntag: SX2 bekommt den Triple-Crown-Modus – also drei Finalläufe an einem Tag. Damit steigt der Druck spürbar, denn am Ende können nur die besten zwölf wirklich „mitspielen“. Für deutsche Piloten wird das bei einem international starken Feld zur echten Hürde – gleichzeitig aber auch zur Bühne, auf der man sich sichtbar machen kann.

SX1 mit internationalem Flair – und viel Reisestress

In der SX1-Runde wurde schnell klar: Dortmund bleibt ein Magnet für internationale Supercross-Routiniers. Matt Moss, der seit vielen Jahren regelmäßig nach Dortmund kommt, sprach offen über seine besondere Beziehung zu diesem Event. Er sei „noch nie Overall-Sieger“ gewesen, habe aber Einzelerfolge gefeiert – und „lande hier manchmal auf dem Kopf“. Mit 38 Jahren nimmt er das Wochenende bewusst als Genussmoment mit, weil das Karriereende näher rückt. Die Atmosphäre in Dortmund beeindruckt ihn nach wie vor: „Ich bekomme jedes Mal Gänsehaut.“

Spannend auch der Blick auf die Reisestrapazen: Moss berichtete von seiner Zeit in Indien (inklusive hartem Wochenende und gesundheitlichen Problemen), und auch Nico Koch bestätigte den „Kulturschock“ – sportlich lobte er jedoch die Entwicklung der Strecke dort von Rennen zu Rennen. Für Koch geht es nach Dortmund direkt weiter: Am Montag zurück in die USA, um bei der zweiten Runde der AMA Supercross Meisterschaft zu starten.

Mit Michael Hicks fand zudem ein US-Fahrer den Weg in die Pressekonferenz, der in Dortmund bereits gezeigt hat, dass er hier um große Dinge kämpfen kann. Er kam nach einem Ausflug auf der Stark-Varg wieder „zurück zur Yamaha“ – und hob vor allem die besonderen Bedingungen in der Westfalenhalle hervor: der Boden sei extrem griffig, am Anfang sehr weich und werde über das Wochenende besser.

Neuer Programmpunkt: SX Next – und ein „Local Matador“ aus Werl

Ein Highlight abseits der etablierten Klassen ist die neue Kategorie SX Next. Sie soll deutschen Nachwuchsfahrern eine Plattform geben, die es bei der starken internationalen Ausrichtung sonst schwer haben, ins Programm zu rutschen.

Genau hier kommt Oskar Romberg ins Spiel: ein Fahrer aus Werl, also quasi „um die Ecke“, der nun erstmals in Dortmund an den Start geht – mit nur wenigen Tagen spezifischer Supercross-Vorbereitung. Sein Eindruck nach den ersten Runden: nicht vergleichbar mit Outdoor, vor allem wegen der tiefen, griffigen Bedingungen. Und: Er macht sich selbst keinen Kopf über fehlende Stuttgart-Rennpraxis.

Auch aus ADAC-Sicht ist das ein wichtiges Signal: Nachwuchs fördern, deutsche Fahrer sichtbar machen – und im besten Fall langfristig neue Gesichter aufbauen, die später auch sportlich ganz vorne auftauchen.