Deutschland – Sponsorensuche neu gedacht
Das Bike von Logan Karnow mit Hauptsponsor Onlyfans. / Foto: Karnow - Instagram
Auch für deutsche Motocross- und Supercross-Fahrer stellt sich Jahr für Jahr dieselbe Frage: Woher kommt das Budget für die nächste Saison? Die klassischen Sponsoren sind rar, viele Marken seit Jahren fest vergeben, das Paddock wirkt leergefegt. Wer heute als Privatfahrer oder Semi-Pro unterwegs ist, merkt schnell: Mit den üblichen Anfragen bei Helm-, Auspuff- oder Energy-Drink-Herstellern kommt man oft nicht mehr weiter.
Genau hier lohnt sich der Blick über den Tellerrand – und damit auf das Beispiel Logan Karnow.
Der US-Amerikaner stand vor der Saison 2023 vor exakt derselben Situation wie viele Fahrer in Deutschland: ambitioniert, konkurrenzfähig, aber ohne gesicherte Finanzierung. Statt weiter auf die üblichen Verdächtigen zu setzen, entschied sich Karnow bewusst für einen anderen Weg. Er kontaktierte OnlyFans direkt – ohne Beziehung, ohne Branche-Bezug, ohne große Erwartungen. Eine einfache Anfrage, mehr nicht.
Was folgte, war eine Entwicklung, die auch hierzulande aufhorchen lassen sollte. OnlyFans sichtete Karnows Social-Media-Auftritt, erkannte sein Potenzial und stieg als Titelsponsor für seine komplette Supercross-Saison ein. Nicht punktuell, nicht projektbezogen – sondern über ein ganzes Jahr hinweg. Ein Deal, der weniger auf klassischen Motorsport-Kennzahlen beruhte, sondern auf Reichweite, Persönlichkeit und Eigeninitiative.
Was bedeutet das für deutsche Fahrer?
Auch hierzulande wird oft vorschnell angenommen, dass Sponsoren wie OnlyFans grundsätzlich nicht möglich seien. Ein Blick zum Beispiel ins ADAC MX Masters Reglement zeigt jedoch ein differenzierteres Bild.
Grundsätzlich gilt: Der Teilnehmer verzichtet auf Werbung mit Marken und Konkurrenzprodukten zum ADAC, seinen Partnern, Sponsoren und direkten Werbeträgern der jeweiligen Veranstaltung – sofern diese Werbeelemente nicht Bestandteil des Fahrzeugs oder der Bekleidung des Teilnehmers sind. Im Übrigen gilt stets das jeweils aktuelle ADAC MX Masters Reglement.
Zugleich erlaubt das Regelwerk ausdrücklich die Bewerbung von Marken und Produkten, die nicht in Konkurrenz zum ADAC, seinen Partnern, Sponsoren oder direkten Werbeträgern stehen. Einschränkungen bestehen allerdings bei bestimmten Inhalten: Politik, Tabak, Alkohol, Gewalt, Wett- und Glücksspielanbieter, Religion sowie Pornografie sind ausgeschlossen. Entscheidend ist dabei auch die korrekte Umsetzung – insbesondere die exakte Einhaltung der ADAC-Werbe- und Anbringungsvorschriften.
Für einen Sponsor wie OnlyFans, bei dem teilweise auch – sagen wir es so – freizügiger Content gezeigt wird, bedeutet das in der Praxis: Eine Zusammenarbeit ist nicht pauschal ausgeschlossen, solange ausschließlich für die Plattform als Marke geworben wird – also für die Webseite und den Dienst an sich – und nicht für einzelne Creator oder deren Inhalte, wie man uns seitens des ADAC versicherte.
Genau diese Differenzierung ist entscheidend, um Konflikte mit Veranstaltern, Partnern oder dem Umfeld der Serie zu vermeiden.
Raus aus der Motorsport-Blase
Karnows Beispiel zeigt vor allem eines: Sponsoren müssen heute nicht zwingend aus der Motocross-Industrie kommen. Im Gegenteil – außerhalb der Szene liegen oft die ungenutzten Chancen. Unternehmen aus Medien, Lifestyle, Tech oder digitalen Plattformen suchen Sichtbarkeit, Authentizität und Geschichten. Dinge, die Motorsport liefern kann, wenn man sie richtig erzählt.
Wichtig dabei: Es braucht kein Millionenbudget. Karnows Deal, der 2026 in sein viertes Jahr geht, war kein finanzieller Quantensprung, aber er brachte Planungssicherheit, Struktur und die Möglichkeit, professionell aufzutreten. Für viele deutsche Fahrer wäre genau das bereits ein riesiger Schritt nach vorne.
Die wichtigste Lehre aus dieser Geschichte bleibt daher simpel: Warten bringt nichts. Karnow wurde nicht entdeckt – er hat selbst den ersten Schritt gemacht. Eine Mail, eine Direktnachricht, ein Pitch außerhalb der Komfortzone. „Worst case sagen sie nein“, sagte er selbst.
Gerade in Deutschland, wo Budgets kleiner und Wege oft konservativer sind, könnte genau dieser Ansatz entscheidend sein. Wer Sponsorensuche ausschließlich innerhalb des Sports denkt, begrenzt sich selbst. Logan Karnow hat gezeigt, dass es auch anders geht – und dass Mut, Kreativität und Eigeninitiative im modernen Motorsport längst genauso wichtig sind wie schnelle Rundenzeiten.
