KTM – Deutliche Erholung nach schwierigen Monaten
KTM geht mit positiven Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 hervor. / Foto: Rob Gray (Polarity Photo)
Nach Monaten voller Unsicherheit sendet KTM wieder spürbar positive Signale. Die Muttergesellschaft Bajaj Mobility AG – früher unter dem Namen PIERER Mobility bekannt – hat im ersten Quartal 2026 deutlich bessere Zahlen präsentiert. Mehr Motorräder verkauft, deutlich mehr Umsatz und operativ erstmals wieder schwarze Zahlen. Nach Insolvenz, Produktionsstopps und massivem Sparkurs wirkt es, als würde sich der Konzern langsam stabilisieren.
Doch ganz so einfach ist die Lage weiterhin nicht.
Absatz und Umsatz legen kräftig zu
Im ersten Quartal 2026 setzte Bajaj Mobility weltweit 40.332 Motorräder der Marken KTM, Husqvarna und GASGAS ab. Das entspricht einem Plus von über 125 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark entwickelte sich dabei das eigentliche Motorradgeschäft, dessen Umsatz um mehr als 150 Prozent auf rund 272 Millionen Euro anstieg.
Auch insgesamt legte der Konzernumsatz kräftig zu und stieg auf 331 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – das sogenannte EBITDA – war mit 5,5 Millionen Euro erstmals wieder positiv. Im Vorjahreszeitraum lag dieser Wert noch tief im Minus.
Für KTM ist das ein wichtiges Signal. Denn noch vor wenigen Monaten stand das Unternehmen massiv unter Druck. Produktionsunterbrechungen, überfüllte Lager, sinkendes Händlervertrauen und finanzielle Probleme hatten die Marke schwer getroffen.
KTM baut den Konzern radikal um
Die neuen Zahlen zeigen nun zumindest, dass wieder Bewegung in den Konzern kommt. Auffällig ist dabei vor allem, wie konsequent Bajaj Mobility aktuell umbaut.
Die Verantwortlichen haben zahlreiche Bereiche reduziert oder komplett abgestoßen. Das Fahrradgeschäft wurde beendet, ebenso Projekte wie der X-Bow oder Beteiligungen rund um CFMOTO und MV Agusta. Gleichzeitig wurden interne Strukturen verschlankt und Kosten deutlich gesenkt.
Ein zentrales Thema bleibt außerdem der Lagerabbau. Genau dieser galt zuvor als einer der Hauptgründe für die wirtschaftlichen Probleme. Weltweit standen zu viele Motorräder bei Händlern und Importeuren, was die gesamte Preisstruktur belastete. Laut Unternehmen konnten diese Bestände inzwischen massiv reduziert werden. Ende des ersten Quartals 2026 lagen die Händlerbestände fast 49.000 Motorräder unter dem Niveau des Vorjahres.
Neue Modelle und Motorsport als Hoffnungsträger
Parallel dazu versucht KTM wieder stärker über neue Modelle und Motorsportpräsenz zu funktionieren. Bereits im ersten Quartal wurden acht neue Modelle vorgestellt, darunter die neue 990 RC R Track sowie weitere Varianten der Duke- und Adventure-Baureihen.
Auch im Motorsport spricht der Konzern von einem „erfolgreichen Start“ in die Saison 2026 – ein Bereich, der für die Außenwirkung der Marke weiterhin enorm wichtig bleibt.
Die finanzielle Lage bleibt angespannt
Trotz aller positiven Entwicklungen bleibt die finanzielle Situation allerdings schwierig. Unter dem Strich schrieb Bajaj Mobility im ersten Quartal weiterhin einen Verlust von 35 Millionen Euro. Zwar ist das deutlich weniger als im Vorjahr, doch von echter Profitabilität kann noch keine Rede sein. Gleichzeitig bleiben die Schulden hoch. Die Nettoverschuldung liegt inzwischen bei rund 837 Millionen Euro. Auch die Eigenkapitalquote ging weiter zurück und beträgt aktuell nur noch 22,2 Prozent.
Immerhin konnte sich KTM Anfang 2026 durch eine Refinanzierung über 550 Millionen Euro neuen finanziellen Spielraum sichern. Damit wurde unter anderem ein Restrukturierungskredit zurückgezahlt. Die Finanzierung gilt intern als wichtiger Schritt, um wieder Stabilität in den Konzern zu bringen.
Stellenabbau läuft weiter
Der Sparkurs läuft dennoch weiter. Bis zum dritten Quartal 2026 sollen insgesamt rund 500 weitere Stellen abgebaut werden. Bereits jetzt sank die Mitarbeiterzahl erneut. Bajaj Mobility begründet diesen Schritt mit einer notwendigen Straffung der gesamten Unternehmensstruktur.
Der Turnaround läuft – abgeschlossen ist er nicht
Die aktuelle Entwicklung zeigt deshalb zwei Seiten gleichzeitig. Auf der einen Seite scheint KTM operativ tatsächlich wieder Tritt zu fassen. Die Nachfrage zieht an, neue Modelle kommen auf den Markt und die Händler bestellen wieder Motorräder. Auch die Lagerprobleme wirken deutlich kontrollierter als noch vor einem Jahr.
Auf der anderen Seite bleibt der Konzern finanziell unter Druck. Hohe Schulden, weiterer Stellenabbau und weiterhin rote Zahlen zeigen, dass der Neustart noch längst nicht abgeschlossen ist.
2026 dürfte deshalb zum entscheidenden Jahr für KTM werden. Der Konzern hat den freien Fall offenbar gestoppt. Jetzt muss sich zeigen, ob daraus wirklich wieder ein dauerhaft stabiles Geschäft entstehen kann.
