Ken Roczen und Cole Davies lassen in Auckland nichts anbrennen

Ken Roczen gewinnt in Auckland die zweite Runde der Australischen Supercross Meisterschaft 2026

Ken Roczen gewinnt in Auckland die zweite Runde der Australischen Supercross Meisterschaft 2026. / Foto: AUSX

Drei Starts, drei Siege. Ken Roczen hat beim zweiten Lauf der australischen Supercross-Meisterschaft in Auckland keinen einzigen SX1-Finallauf verloren. Was auf dem Ergebniszettel nach einem ziemlich entspannten Abend aussieht, war für den Deutschen allerdings alles andere als ein Spaziergang. Die Strecke im North Harbour Stadium verlangte den Fahrern einiges ab, und Roczen hatte nach dem Rennen einiges darüber zu erzählen.

Auch Cole Davies erwischte in der SX2 einen perfekten Abend. Der Neuseeländer gewann vor heimischem Publikum ebenfalls alle drei Finals und ließ selbst nach einem misslungenen Start keinen Zweifel daran, dass er an diesem Abend nur schwer zu schlagen war.

Roczen: „Man muss langsamer fahren, um schneller zu sein“

Schon das erste SX1-Finale zeigte, wie schnell es auf dieser Strecke schiefgehen konnte. Roczen entging in der ersten Kurve nur knapp einem Sturz, übernahm aber trotzdem noch in der Auftaktrunde die Führung von Luke Clout.

Danach bekam er es mit Christian Craig zu tun. Der Honda-Pilot blieb über weite Strecken dicht hinter Roczen und zwang ihn dazu, konzentriert zu bleiben. Erst ein Fehler Craigs verschaffte dem Deutschen genügend Luft, um den Sieg nach Hause zu bringen.

Wie schwierig die Bedingungen tatsächlich waren, erklärte Roczen anschließend selbst: „Die Strecke war verdammt schwierig. Ich kann es immer noch kaum glauben. Vielleicht lag es auch daran, dass wir hier so nah am Wasser sind.“

Vor allem das erste Finale hatte ihm einiges abverlangt. Roczen versuchte zunächst, mit mehr Einsatz zusätzliche Geschwindigkeit herauszuholen. Doch genau das erwies sich als Problem. „Ich habe mich im ersten Main wirklich miserabel gefühlt. Ich habe versucht, zu sehr zu pushen, und dadurch jede Menge Fehler gemacht. Man muss irgendwie langsamer fahren, um schneller zu sein.“

Eine Aussage, die ziemlich gut beschreibt, worauf es auf einer solchen Strecke ankommt. Wer versucht, jede Passage mit Gewalt schneller zu nehmen, riskiert Fehler und verliert seinen Rhythmus. Gerade im Supercross kann eine saubere Linie mehr bringen als der Versuch, an jeder Stelle noch ein paar Zehntel herauszuholen.

Roczen fand im weiteren Verlauf des Abends offenbar einen besseren Umgang mit den Bedingungen. Im zweiten Finale setzte er sich nach einer kurzen Anfangsphase von Craig ab. Im dritten Rennen übernahm er direkt die Führung und gab sie bis zur Zielflagge nicht mehr ab.

Craig wurde in allen drei Rennen Zweiter, während Luke Clout ebenfalls dreimal dieselbe Platzierung erreichte und jeweils als Dritter ins Ziel kam.

Davies gewinnt selbst nach schlechtem Start

In der SX2 war Cole Davies der Mann, an dem an diesem Abend niemand vorbeikam. Der Neuseeländer gewann das erste Finale nach einem Holeshot vom Start bis ins Ziel und zeigte anschließend, dass er auch ohne perfekten Start gewinnen konnte.

Im zweiten Durchgang kam Davies zunächst schlecht weg, hatte die Führung aber bereits nach einer Runde übernommen. Anschließend setzte er sich von seinen Verfolgern ab und holte den nächsten Sieg.

Auch das dritte Finale ging an den Yamaha-Piloten, der damit vor heimischem Publikum sämtliche Rennen gewann.

Hinter Davies wurde deutlich härter um die Positionen gekämpft. Cameron McAdoo lieferte sich vor allem im zweiten Finale mit Lux Turner sowie Kayd und Ryder Kingsford einen längeren Schlagabtausch. Die Plätze wechselten mehrfach, ehe sich McAdoo erneut Rang zwei sicherte.

Mit drei zweiten Plätzen belegte der Honda-Pilot auch in der Tageswertung den zweiten Rang. Ryder Kingsford komplettierte mit den Ergebnissen 3-5-3 das Gesamtpodium.

Max Anstie hatte dagegen schon vor den Finals einen schwierigen Weg hinter sich. Der Brite musste sich zunächst über das LCQ qualifizieren und erwischte anschließend im ersten Rennen einen schlechten Start. Trotzdem kämpfte er sich noch bis auf Platz vier nach vorne.

Roczen bedankt sich bei den Fans

Neben den sportlichen Erfolgen blieb Roczen vor allem die Atmosphäre im North Harbour Stadium in Erinnerung. Die Zuschauer hatten den Deutschen während der Veranstaltung unterstützt und nutzten auch abseits der Strecke die Gelegenheit, ihn bei Autogrammstunden zu treffen.

„Die Fans waren heute unglaublich. Ich kann mich gar nicht genug bei ihnen bedanken, dass sie gekommen sind, vorbeigeschaut und bei den Autogrammstunden Hallo gesagt haben. Ich hatte eine fantastische Zeit und hoffe, dass ich wiederkommen kann.“

Sportlich war Auckland für Roczen ein perfekter Abend. Dass er anschließend dennoch so ausführlich über seine Schwierigkeiten im ersten Finale sprach, zeigt, wie wenig die reine Ergebnisliste manchmal über den tatsächlichen Rennverlauf verrät.

Craig konnte ihn zeitweise unter Druck setzen, aber nicht überholen. Davies wiederum war in der SX2 selbst nach einem schlechten Start innerhalb kürzester Zeit wieder vorne.

Für beide steht ein Dreifachsieg zu Buche. Wie viel Arbeit dahintersteckte, lässt sich zumindest bei Roczen aus seinen eigenen Worten deutlich besser herauslesen als aus den Platzierungen allein.