Ken Roczen: Das Red Plate ist zurück

Ken Roczen wird beim Denver Supercross mit dem Red Plate an den Start gehen

Ken Roczen wird beim Denver Supercross mit dem Red Plate an den Start gehen. / Foto: Chase Lennemann

Das Supercross Philadelphia war so ein Rennen, bei dem du relativ schnell merkst: Das wird heute nichts mit „einfach schneller sein“. Dafür war die Strecke zu kaputt. Es ging eher darum, wer am wenigsten falsch macht – und genau da war Ken Roczen an diesem Abend einfach am klarsten unterwegs.

Früh die Weichen gestellt

Vorne waren direkt die üblichen Verdächtigen: Hunter Lawrence mit dem Start, dahinter Cooper Webb, Roczen erst mal auf drei. Eine Konstellation, bei der du dir keine Zeit lassen kannst. Roczen hat genau das nicht getan. Er ist nach vorne gegangen, relativ früh, und hat sich die Führung geholt. Im Nachhinein war das wahrscheinlich der wichtigste Move des gesamten Rennens.

„Ich brauchte einfach freie Strecke“, hat er danach gesagt. Klingt simpel, war aber unter diesen Bedingungen Gold wert. Sobald du vorne warst, konntest du zumindest dein eigenes Ding fahren – so gut das eben ging.

Kein Flow, nur Reaktion

Was danach kam, hatte mit einem sauberen Rennrhythmus nicht mehr viel zu tun. Die Strecke ist Runde für Runde mehr auseinandergefallen, Spurrillen wurden tiefer, Linien enger, Fehler schneller bestraft. Roczen hat sich darauf eingestellt. Kein erzwungener Rhythmus, kein Festhalten an einer Linie, die zwei Runden später schon nicht mehr da war.

„Manchmal musst du alles rollen.“ Genau das hat man gesehen. Es gab Abschnitte, da konntest du pushen – und andere, da ging es nur noch ums Durchkommen. Entsprechend sind auch die Abstände immer wieder geschwankt.

Der Moment, der Luft bringt

Zur Rennmitte dann die Szene, die das Ganze ein Stück weit aufgemacht hat: Lawrence geht zu Boden. Kein kompletter Ausfall, aber genug, um den direkten Druck rauszunehmen. Für Roczen war das die Phase, in der er sich ein bisschen Luft verschaffen konnte. Kein Risiko, kein Überziehen – einfach konstant bleiben und den Vorsprung mitnehmen, solange es geht.

Das Problem: Auf so einer Strecke hält so ein Vorsprung selten lange.

Zum Schluss wird’s wieder eng

Überrundete, kaputte Linien, Fahrer, die plötzlich im Weg stehen – all das hat das Feld wieder zusammengedrückt. Webb kommt wieder näher, Schritt für Schritt. Und plötzlich bist du wieder genau in der Situation, die du eigentlich vermeiden wolltest: direkter Druck, wenige Runden, keine Fehler erlaubt.

Roczen bleibt ruhig. „Ich musste pushen, aber kalkuliert.“ Das war keine spektakuläre Schlussphase mit großen Aktionen. Eher das Gegenteil. Er hat genau das gemacht, was nötig war – nicht mehr, nicht weniger. Und genau das hat gereicht.

Warum das gerade funktioniert

Was bei Roczen im Moment auffällt, ist weniger die reine Geschwindigkeit. Die war immer da. Der Unterschied liegt eher darin, wie er die Rennen angeht.

Er wirkt ruhiger. Klarer in seinen Entscheidungen. Weniger anfällig für diese kleinen Fehler, die am Ende richtig teuer werden können. „Ich versuche herauszufinden, was ich in solchen Situationen brauche“, sagt er. Das klingt unspektakulär – aber genau so fährt er im Moment auch.

Red Plate zurück – und trotzdem alles offen

Mit dem Sieg steht er wieder ganz oben in der Meisterschaft. Vier Punkte Vorsprung, zwei Rennen noch. Das ist nichts, worauf du dich ausruhen kannst. Und genau das macht er auch nicht.

„Es wird sich nichts ändern.“ Heißt übersetzt: weiter angreifen, weiter so fahren wie zuletzt. Denn bei dem Abstand reicht ein kleiner Fehler – und alles dreht sich wieder.

Ein Rennen, das hängen bleibt

Das war kein perfekter Abend. Dafür war zu viel Chaos auf der Strecke. Aber genau deshalb ist es einer, der Gewicht hat. Weil solche Rennen oft mehr über einen Fahrer aussagen als die, die er einfach kontrolliert gewinnt. Roczen hat das sauber runtergefahren. Ohne Drama, ohne große Gesten – aber genau so, wie man in dieser Phase der Saison fahren muss.

Und deshalb steht er jetzt wieder da, wo jeder hinwill: vorne. Zum Schluß bleibt festzuhalten, die Suzuki sieht mit dem Red Plate einfach am besten aus.

Meisterschaftsstand nach 15 von 17 Runden

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