Jeffrey Herlings: Der Samstag bleibt sein Problem

Jeffrey Herlings sieht den Samstag als sein Hauptproblem

Jeffrey Herlings sieht den Samstag als sein Hauptproblem. / Foto: Bavo Swijgers

Jeffrey Herlings hat den MXGP of Andalucia in Almonte auf dem Podium beendet, zufrieden klang der Niederländer danach aber nur bedingt. Platz zwei in beiden Wertungsläufen, erneut wichtige Punkte für die Meisterschaft – und trotzdem blieb nach dem Spanien-GP das Gefühl, dass deutlich mehr drin gewesen wäre. Der Grund dafür lag für Herlings vor allem im Samstag.

Schon im Qualifikationsrennen hatte es den Honda-Piloten erwischt. Herlings schilderte die Szene später sehr konkret: „Der Start war gestern sehr flach. Mein Startdevice war noch drin, nur im manuellen Modus. Ich war ganz innen, dort war es ziemlich matschig, und das Vorderrad ist einfach eingeklappt.“ Die Folge war heftig: „Ich wurde wie von einem Katapult über das Motorrad geschossen.“

Schmerzen, aber kein Rückzug

Dass dieser Sturz nicht ohne Folgen blieb, machte Herlings im Anschluss ebenfalls deutlich. „Ich habe mir definitiv den Rücken wehgetan und vor allem den Nacken. Ich wusste, dass nichts gebrochen ist, aber ich hatte schon eine Art Schleudertrauma, weil ich auf dem Rücken gelandet bin.“ Entsprechend angeschlagen ging er in den Sonntag: „Ich war ziemlich wund.“

Umso bemerkenswerter war, dass Herlings in beiden Läufen dennoch als Zweiter ins Ziel kam. Rein sportlich ist das ein starkes Resultat, gerade unter diesen Voraussetzungen.

Der Sonntag funktioniert – der Samstag nicht

Doch genau hier setzt auch seine eigene Kritik an. Denn für Herlings ist nicht der Sonntag das eigentliche Problem, sondern der Samstag. „Der Samstag bringt mich in den letzten beiden Rennen um die Punkte. In Argentinien war ich außerhalb der Punkte, und auch hier wieder.“ Den Sonntag selbst bewertet er deutlich positiver: „Sonntags habe ich oft bessere Starts, und dann bin ich dabei.“

Genau das war in Almonte wieder zu sehen. In beiden Läufen war Herlings vorne präsent, fuhr konstant und holte das Maximum aus seiner Situation heraus. Trotzdem verlor er im Gesamtbild Punkte auf Lucas Coenen, der das Wochenende dominierte. Auch das sprach Herlings offen an: „Ich habe definitiv einige Punkte auf Lucas verloren.“

Klare Worte zu Lucas Coenen

Interessant war dabei vor allem seine Ehrlichkeit im direkten Vergleich mit dem Sieger. Herlings suchte keine Ausreden, obwohl er nach dem Sturz sichtlich nicht bei 100 Prozent war. „Auch ohne den Crash wäre ich vielleicht ein kleines bisschen näher dran gewesen. Aber das ist keine Ausrede.“ Stattdessen zollte er Coenen offen Respekt: „Fair play an ihn. Er war heute gut. Er war schnell. Ich hatte nichts gegen ihn.“

Noch deutlicher wurde Herlings an anderer Stelle, als er den Abstand einordnete: „Ich glaube, ich war pro Lauf ungefähr 15 Sekunden langsamer.“ Damit war auch für ihn klar, dass Coenen an diesem Wochenende der Maßstab war. „Er war der Beste von uns allen an diesem Wochenende.“

Der Blick auf die Meisterschaft

Trotzdem wirkt Herlings alles andere als geschlagen. Im Gegenteil. Seine Aussagen zur Meisterschaft zeigen, dass er die Gesamtsituation sehr klar einordnet. „Wir haben noch 17 GPs vor uns. Also 51 Läufe. Da kann noch viel passieren.“ Auch deshalb bleibt er ruhig, obwohl die Konkurrenz groß ist: „Das Feld ist stark. Es gibt so viele Fahrer, die gewinnen oder aufs Podium fahren können. Es wird eine spannende Saison.“

Auffällig war außerdem, wie Herlings seine eigene Rolle im aktuellen Feld beschreibt. Neben jungen Fahrern wie Coenen sieht er sich selbst inzwischen fast schon als Teil der älteren Garde. „Die Jugend kommt nach oben. Lucas, solche Jungs. Dann gibt es die Jüngeren, und ich, Tim, Romain – wir sind schon eher die Älteren.“ Ans Aufhören denkt er deshalb aber keineswegs. „Ich pushe weiter. Ich bin super motiviert, immer noch hungrig. Ich mag es nicht, vermöbelt zu werden.“

Technische Einblicke bei Honda

Neben dem rein sportlichen Ergebnis lieferte Herlings auch interessante Einblicke in die technische Seite seines Honda-Projekts. Auf die Frage nach seiner Fahrwerkswahl erklärte er, dass er Showa gar nicht getestet habe. Stattdessen fiel die Wahl direkt auf KYB. „Ich bin ganz ehrlich, ich habe Showa nicht einmal getestet.“ Einerseits spiele dabei eine persönliche Verbindung eine Rolle, andererseits auch die Struktur im Team.

Gleichzeitig machte Herlings deutlich, wie unterschiedlich Honda und KTM für ihn funktionieren: „Die KTM ist eher hecklastig, die Honda etwas frontlastiger. Das ist auf unterschiedlichen Strecken jeweils besser.“

Noch Potenzial im Sand

Gerade im Sand sieht er bei der Honda noch Entwicklungspotenzial. „Vom ersten Tag an hatte ich das Gefühl, dass das Motorrad im Sand vielleicht noch etwas besser werden könnte.“ Zugleich betonte er aber auch, dass das Paket insgesamt bereits stark sei: „Unser Setup ist gut. Wirklich gut.“

Deshalb fiel auch sein Gesamturteil differenziert aus. Das Motorrad sei nicht der Grund gewesen, warum er in Almonte nicht gewinnen konnte. „Selbst wenn ich heute auf der KTM gesessen hätte, wäre das Ergebnis wahrscheinlich dasselbe gewesen.“

Lob für die Strecke von Almonte

Passend dazu lobte Herlings auch die Strecke von Almonte ausdrücklich. Besonders die Arbeit der Streckencrew hob er hervor. „Nicht jedes Mal würde ich sagen, dass die Streckencrew einen guten Job gemacht hat. Aber hier haben sie wirklich einen großartigen Job gemacht.“ Dass die Strecke rough blieb und nicht glattgezogen wurde, gefiel ihm sichtbar: „Ich glaube, so bekommt man gute Rennen, gute Überholmanöver. Und die harten Jungs kommen nach vorne.“

Viel mitgenommen, aber nicht alles gewonnen

Am Ende bleibt für Jeffrey Herlings ein Wochenende mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite steht ein starker Sonntag mit zwei zweiten Plätzen, wertvollen Punkten und der Bestätigung, dass er selbst angeschlagen zur absoluten Spitze gehört. Auf der anderen Seite bleibt erneut der Samstag als offene Baustelle. Genau dort hat er in den ersten beiden Grands Prix zu viel liegenlassen.

Oder in seinen eigenen Worten: „Ich hoffe, dass ich beim nächsten Mal wieder etwas näher dran bin.“

Ganz abgeschüttelt ist Jeffrey Herlings in dieser Saison jedenfalls noch lange nicht.