Eli Tomac – Der Titel war greifbar und doch unerreichbar

Eli Tomac setzt beim Philadelphia Supercross aus und verpasst so die Hoffnungen auf seinen dritten Titel

Eli Tomac setzt beim Philadelphia Supercross aus und verpasst so die Hoffnungen auf seinen dritten Titel

Bis Cleveland sprach vieles dafür, dass Eli Tomac in dieser Sasion seinen lang gehegten Wunsch wahr werden lassen könnte. Rennen, in denen er genau dann da war, wenn es nötig wurde. Und vor allem das Gefühl, dass sich das Gesamtbild zunehmend zu seinen Gunsten entwickelt.

Genau in dieser Phase endet sein Titelkampf.

Nach dem Sturz im Qualifying von Cleveland wird Tomac beim nächsten Lauf der Monster Energy AMA Supercross in Philadelphia nicht am Start stehen. Medizinisch gibt es Entwarnung – keine Brüche. Sportlich ändert das wenig. Der Zeitpunkt wiegt schwerer als die Diagnose.

Eine Saison, die in seine Richtung lief

Bis vor wenigen Wochen war das auch seine Meisterschaft. Vielleicht nicht dominant im klassischen Sinne, aber immer mit Blick auf den Titel. Vier Siege, dazu Podien – und vor allem dieses Gefühl, dass er jederzeit reagieren kann, wenn es darauf ankommt.

Gerade nach Daytona hat sich das Bild verfestigt. Während andere schwankten, blieb Tomac stabil. Selbst kleinere Rückschläge haben ihn nicht wirklich aus der Spur gebracht. In Nashville dann wieder dieses bekannte Muster: schnell im Qualifying, überzeugend im Heat. Das war kein Zufall. Das war ein Fahrer, der genau wusste, wann er liefern muss.

Und dann kippt es innerhalb weniger Minuten. Das Main Event läuft aus dem Ruder – schlechter Start, Sturz, nur Platz zwölf. Plötzlich ist da ein Rückstand, der vorher nicht existierte. Aber noch nichts, was man nicht korrigieren kann.

Cleveland sollte die Antwort liefern.

Im Qualifying liegt Tomac vorne mit drin und somit auf Kurs. Dann der Fehler in den Whoops. Kein spektakulärer Highspeed-Crash, kein offensichtlicher Auslöser – einfach ein Moment, der reicht. Und plötzlich steht wieder alles still. Anhaltende Probleme mit der Hüfte werfen den 33-Jährigen aus dem Titelkampf.

Der dritte Titel bleibt ein offenes Kapitel

Es ist diese Wiederholung, die hängen bleibt. 2023 die Achillessehne, kurz vor dem Titel. 2024 die nächste Unterbrechung, als er sich gerade wieder nach vorne gearbeitet hatte. Jetzt 2026 – wieder in einer Phase, in der er das Momentum auf seiner Seite hatte.

Man kann das als Pech bezeichnen. Oder als Teil dieses Sports. Supercross lässt keine Grauzonen zu. Entweder du bist da – oder du bist raus. Und selbst wenn du alles richtig machst, reicht ein kleiner Moment, um Monate an Arbeit zu entwerten.

KTM als Beweis – nicht als Fragezeichen

Dabei hat diese Saison auch etwas anderes gezeigt. Der Wechsel zu Red Bull KTM Factory Racing hat funktioniert. Ohne Anlaufzeit, ohne sichtbare Anpassungsphase. Tomac war vom ersten Rennen an konkurrenzfähig. Starts, Geschwindigkeit und Rennintelligenz – das Gesamtbild hat gepasst. Gerade auf einem Bike, das nicht jedem Fahrer sofort liegt, war das ein klares Signal.

Er ist noch immer auf dem Level, um Titel zu gewinnen.

Zwischen Gegenwart und dem, was noch kommt

Die Entscheidung, Philadelphia auszulassen, ist deshalb keine Überraschung. In dieser Phase geht es nicht mehr darum, irgendetwas zu erzwingen. Der Fokus liegt auf Regeneration – und auf dem, was danach kommt. Denn die AMA Pro Motocross Championship steht vor der Tür. Ein anderes Format, andere Anforderungen, andere Chancen.

Dort beginnt die Saison wieder bei null.

Was von der AMA Supercross Saison 2026 bleibt

Am Ende bleibt ein bekanntes Bild. Tomac war streckenweise der Fahrer, den es zu schlagen galt. Derjenige, der das Tempo vorgibt, wenn alles zusammenläuft.

Und wieder wird genau diese Phase unterbrochen.

Es ist kein Leistungsproblem. Kein strukturelles Defizit. Sondern eine Serie von Momenten, die immer dann kommen, wenn der Titel greifbar wird. Der dritte Supercross-Titel? Weiterhin möglich. Aber erneut vertagt.