WMX 2026: Jetzt sprechen die Ladies!
Die Damen der WMX reden nach erneuter Sasionverkürzung Klartext. / Foto: Ray Archer
Fünf Rennen. Zehn Läufe. Eine Weltmeisterschaft. Nachdem Infront die WMX-Saison – wie bereits 2022 – erneut auf fünf Runden reduziert hat, ist das Echo im Fahrerlager spürbar. Die Stimmen bleiben respektvoll, aber die Kritik ist klar formuliert. Es geht nicht um Emotionen, sondern um Rahmenbedingungen.
Adrija Skudutyte bringt die sportliche Dimension auf den Punkt: „Es ist traurig, dass wir dieses Jahr nur fünf Runden haben. Besonders für die Fahrerinnen im Titelkampf – wenn man einen Fehler macht oder technische Probleme hat, ist es fast unmöglich, das wieder aufzuholen.“
Zehn Wertungsläufe bedeuten: kein Puffer. Wer patzt, verliert sofort entscheidend. Und weil das Saisonfinale erneut in Australien stattfindet, wird die Meisterschaft für einige sogar faktisch verkürzt. Für manche sind es realistisch nur vier Runden.
„Eine Meisterschaft braucht Substanz“
Malou Jakobsen geht noch einen Schritt weiter und ordnet die Situation grundsätzlicher ein. „Mit nur fünf Rennen ist es schwierig, es mit anderen Klassen zu vergleichen. Wenn die Saison so kurz ist, kannst du dir keinen Fehler leisten – ein schlechtes Wochenende kann deine Titelchancen praktisch beenden.“
Für Jakobsen geht es aber nicht nur um die Anzahl der Rennen. Sie spricht auch über die Qualität einer Meisterschaft. Mehr Runden würden aus ihrer Sicht dem Titel mehr Substanz verleihen. „Es würde die Meisterschaft kompletter und wettbewerbsfähiger machen. Wir hätten mehr Möglichkeiten, Konstanz zu zeigen und uns weiterzuentwickeln.“
Ein weiterer Punkt, den sie anspricht, sind die langen Pausen zwischen den Events. Die Saison wirke dadurch zerfasert. Für die Fahrerinnen bedeutet das: Trainingszyklen neu planen, Reisen koordinieren, Budgets strecken. „Das macht es organisatorisch und finanziell anspruchsvoller“, erklärt sie. Und genau diese Kombination – kurze Saison, große Abstände, hohe Reisekosten – erschwere es, den Titel über mehrere Monate hinweg sportlich wachsen zu lassen.
2023 wurde bereits gesprochen – geändert hat sich wenig
Dass diese Diskussion nicht neu ist, unterstreicht die Spanierin Daniela Guillem. Ihre Aussagen gehen noch tiefer und betreffen die strukturelle Ebene. „Aus Fahrersicht ist es ehrlich gesagt frustrierend zu sehen, dass der WMX-Kalender wieder auf nur fünf Runden reduziert wird. Offiziell ist es eine Weltmeisterschaft – aber von innen fühlt es sich nicht immer so an, als würde die Kategorie mit derselben Anerkennung behandelt.“
Bereits 2023 suchten mehrere Fahrerinnen das Gespräch mit Infront. In diesem Meeting wurden konkrete Punkte angesprochen: Streckenbedingungen als erste Klasse des Tages, eingeschränkte TV-Präsenz, fehlende Vorstart-Interviews, geringe Social-Media-Sichtbarkeit. „Einige kleine Verbesserungen wurden umgesetzt“, sagt Guillem. „Aber die grundlegenden Herausforderungen bestehen weiterhin.“
Sie verweist zudem auf den sportlichen Vergleich: Während MXGP- und MX2-Fahrer inklusive Qualifikationsrennen fast 40 Läufe bestreiten, bleibt die WMX bei zehn. „Es gibt praktisch keinen Fehlerpuffer.“ Gleichzeitig wächst der Sport sichtbar. In Teutschenthal standen 40 WMX-Fahrerinnen am Gatter – ein klares Signal. „Die Zahlen sprechen für sich. Frauen-Motocross wächst und beweist seinen Wert.“
Planungssicherheit statt Diskussionen
Auch Lynn Valk erinnert an frühere Gespräche mit den Organisatoren. Es habe Meetings gegeben, aber das Gefühl, dass grundlegende Änderungen wirklich gewollt seien, sei nicht immer entstanden.
Ihre Kritik ist nicht aggressiv, sondern ernüchtert. Aus ihrer Sicht investieren die Fahrerinnen enorm viel – körperlich, finanziell, emotional – und wünschen sich im Gegenzug eine Struktur, die dieses Engagement widerspiegelt. Gerade weil das sportliche Niveau steigt, brauche es Planungssicherheit. Wenn die Serie regelmäßig zwischen fünf und sieben Runden schwankt, werde es schwer, langfristig Vertrauen aufzubauen – bei Fahrerinnen wie auch bei Sponsoren.
Wenn Budget über Titelträume entscheidet
Lexi Pachmann spricht einen besonders sensiblen Punkt an: die Finanzierung. „Für manche ist Australien oder England ein finanzielles Problem. Dann bleiben am Ende vielleicht nur drei Rennen.“
Sie beschreibt damit eine Realität, die viele betrifft, aber selten offen ausgesprochen wird. Interkontinentale Reisen bedeuten Flüge, Transportkosten, Unterkünfte, Logistik. In einer Klasse ohne durchgängige Werksunterstützung ist das eine enorme Belastung. Für kleinere Teams und Privatfahrerinnen kann ein einzelnes Überseerennen über die gesamte Saison entscheiden. „Das ist schwierig für eine Weltmeisterschaft“, sagt sie – und meint damit nicht den sportlichen Anspruch, sondern die faktische Erreichbarkeit.
Fiona Hoppe formuliert es klar: „Den ganzen Winter hart zu trainieren und dann nur vier WM-Rennen (ohne Australien) zu haben, ist nicht optimal.“
Etwas anders ordnet Elsa Andersson Löffel die Situation ein. Sie verweist darauf, dass viele Sportarten ihren Weltmeister an einem einzigen Tag küren. Für sie stellt sich eher die Frage, wie internationale Topfahrerinnen stärker eingebunden werden können.
Und schließlich die mehrfache Weltmeisterin, Kiara Fontanesi, die es knapp zusammenfasst: „Es ist nicht genug. Es wird eher schlechter als besser.“
Kein Protest – sondern ein Wunsch nach Entwicklung
Was entsteht, ist kein Protest – sondern ein geschlossenes Stimmungsbild. Die Fahrerinnen wollen keine Sonderrolle. Sie wollen Stabilität. Einen klaren Kalender. Planungssicherheit. Eine Struktur, die dem sportlichen Wachstum gerecht wird.
Fünf Runden sind machbar. Aber sie sind knapp.
Und genau darüber wird im WMX-Paddock gerade intensiv gesprochen – nicht aus Trotz, sondern aus dem Wunsch heraus, die Serie langfristig stärker zu machen.
