Roan van de Moosdijk ist ADAC MX Masters-Champion 2026

Der Niederländer Roan van de Moosdijk ist ADAC MX Masters Champion 2026

Der Niederländer Roan van de Moosdijk ist ADAC MX Masters Champion 2026. / Foto: Steve Bauerschmidt

Wie gewinnt man eine Meisterschaft, wenn an diesem Wochenende ein anderer Fahrer eigentlich schneller ist? Roan van de Moosdijk lieferte in Vellahn eine ziemlich einfache Antwort darauf: nicht übertreiben, die Punkte mitnehmen und vor allem daran denken, weshalb man mit 70 Zählern Vorsprung zur vorletzten Veranstaltung der Saison angereist ist.

Während Jörgen-Matthias Talviku auf der Vellahner Heide alle drei Läufe gewann, reichten van de Moosdijk drei zweite Plätze, um den ADAC MX Masters-Titel bereits vor dem Finale in Fürstlich Drehna klarzumachen. Der Niederländer verteidigt damit seine Meisterschaft vorzeitig.

Und wer seine Rennen in Vellahn beobachtete, konnte durchaus erkennen, dass es ihm an diesem Wochenende nicht darum ging, Talviku um jeden Preis zu schlagen.

Der Titel war wichtiger.

Talviku gibt das Tempo vor

Schon am Samstag zeigte Talviku, dass der Weg zum Tagessieg über ihn führen würde. Der Este holte sich zunächst den Acerbis Best Qualifier und anschließend den Red Bull Holeshot. Hinter ihm reihten sich zunächst Noah Ludwig und Jere Haavisto ein.

Van de Moosdijk lag nach der ersten Runde bereits hinter Tom Koch auf einer der ersten Verfolgerpositionen und machte nicht lange herum. Eine Runde später ging er am Deutschen vorbei und übernahm Rang zwei.

Talviku bekam er allerdings nicht mehr.

Während Haavisto ebenfalls nach vorne kam und Koch in Runde acht überholte, endete das Rennen nach einem schweren Sturz von Maximilian Spies vorzeitig. Nach zehn Runden wurde abgebrochen und gewertet: Talviku gewann vor van de Moosdijk, Haavisto, Koch und Ludwig.

Damit hatte van de Moosdijk genau das Ergebnis eingefahren, das er im Titelkampf brauchte.

Am Sonntag musste er dafür zunächst etwas mehr arbeiten. Im zweiten Lauf kam der Kosak-Pilot nur im Mittelfeld über die Holeshotlinie. Statt hektisch zu werden, arbeitete er sich Stück für Stück nach vorne und nahm Noah Ludwig zu Beginn des letzten Renndrittels Rang zwei ab.

Vorne? Wieder Talviku. Und wieder van de Moosdijk auf Platz zwei.

Warum noch alles riskieren?

Im dritten Lauf war die Ausgangslage besser. Bereits in Runde zwei lag van de Moosdijk hinter Talviku auf der zweiten Position und hielt den Druck auf den Esten zunächst aufrecht.

Dann veränderte sich das Rennen. Nicht unbedingt auf der Strecke, sondern im Kopf des Tabellenführers. Der Meistertitel lag zum Greifen nahe und ein Angriff auf Talviku hätte an diesem Punkt vor allem eines bedeutet: zusätzliches Risiko.

Van de Moosdijk ließ deshalb in der Schlussphase etwas abreißen und brachte Rang zwei sicher nach Hause. „Nach einem guten Start im dritten Lauf habe ich mich vor allem darauf konzentriert, keine dummen Fehler zu machen“, erklärte er anschließend.

Das klingt wenig spektakulär. Meisterschaften werden aber eben nicht dafür vergeben, wer beim vorletzten Rennwochenende noch unbedingt einen zusätzlichen Pokal ins Auto stellen möchte.

Talviku durfte in Vellahn dreimal gewinnen. Van de Moosdijk nahm den größeren Preis mit.

War das die reifste Vorstellung seiner Saison?

Vielleicht sogar. Drei zweite Plätze lesen sich auf dem Papier zunächst weniger beeindruckend als Talvikus drei Laufsiege. Im Zusammenhang mit der Meisterschaft bekommen sie allerdings eine andere Bedeutung.

Van de Moosdijk kam mit 70 Punkten Vorsprung nach Vellahn. Er musste niemandem mehr beweisen, dass er Rennen gewinnen kann. Seine Aufgabe bestand darin, den Vorsprung nicht mit einem unnötigen Fehler wieder aufzumachen.

Im ersten Lauf arbeitete er sich schnell auf Rang zwei. Im zweiten kam er aus dem Mittelfeld nach vorne. Im dritten hatte er die Möglichkeit, Talviku unter Druck zu setzen, erkannte aber auch, wann es sinnvoller war, die Sache gut sein zu lassen.

Drei Rennen, dreimal Zweiter. Kein Laufsieg, aber auch kein Ausrutscher. Genau diese Konstanz machte ihn am Ende vorzeitig zum Champion. „Ich bin sehr glücklich und der Druck ist nun weg“, sagte van de Moosdijk nach dem entscheidenden Lauf.

Und dieser Druck dürfte durchaus vorhanden gewesen sein. 70 Punkte Vorsprung hören sich komfortabel an, solange man nicht selbst auf dem Motorrad sitzt. Ein technischer Defekt, ein schlechter Start oder ein Sturz – und plötzlich sieht eine Meisterschaft wieder ganz anders aus.

Gerade der schwere Unfall von Maximilian Spies am Samstag hatte in Vellahn gezeigt, wie schnell ein Rennwochenende eine völlig andere Richtung nehmen kann. Van de Moosdijk musste dieses Risiko nicht herausfordern.

Fürstlich Drehna ohne Taschenrechner

Damit ist die wichtigste Entscheidung bereits vor dem eigentlichen Saisonfinale gefallen. Roan van de Moosdijk verteidigt seinen ADAC MX Masters-Titel und ist Champion 2026.

Talviku war in Vellahn der schnellere beziehungsweise zumindest der erfolgreichere Mann und gewann alle drei Läufe. Jere Haavisto komplettierte das Gesamtpodium auf Rang drei.

Der Meister aber heißt van de Moosdijk.

Und für ihn verändert das die Ausgangslage für Fürstlich Drehna komplett. Keine Punkte mehr zählen, keinen Vorsprung verwalten und nicht mehr überlegen, ob ein Angriff vielleicht fünf Prozent zu viel Risiko bedeutet. „Ich freue mich auf ein tolles Saisonfinale in Fürstlich Drehna, bei dem ich noch mal alles geben möchte.“

In Vellahn musste van de Moosdijk nicht der Schnellste sein. Er musste nur dafür sorgen, dass er am Ende Champion ist.

Genau das hat er gemacht.