Loket: Herlings denkt längst an den Titel – „Es zählt nur das Golden Plate“
Jeffrey Herlings war in Loket nicht zu stoppen und übernahm die WM Führung
Jeffrey Herlings hat beim MXGP der Tschechischen Republik nicht nur den Grand Prix gewonnen – der Honda-Werksfahrer reist nach Loket auch als neuer WM-Spitzenreiter nach Lommel. Sechs Nullrunden von Lucas Coenen haben den Titelkampf komplett auf den Kopf gestellt. Aus einem Rückstand von 68 Punkten wurde innerhalb weniger Wochen ein Vorsprung von 49 Zählern. Für Herlings ist das dennoch kein Grund, sich in Sicherheit zu wiegen.
Starke Starts als Schlüssel zum Erfolg
Der Grundstein für den souveränen Auftritt wurde bereits am Start gelegt. In allen drei Rennen kam Herlings direkt hinter Tom Vialle aus dem Gatter und konnte den Franzosen jeweils früh überholen.
Dabei spielte auch das gegenseitige Vertrauen eine Rolle. Beide kennen sich seit vielen Jahren, waren Teamkollegen bei KTM und begegnen sich auf der Strecke mit großem Respekt. „Wir wissen, dass wir uns im Rennen nicht berühren werden.“ Nachdem er jeweils die Führung übernommen hatte, konnte Herlings sein eigenes Tempo fahren. „Danach war es fast wie eine Trainingseinheit.“
Besonders zufrieden zeigte sich der Niederländer mit seiner Honda. Gerade auf dem rutschigen Untergrund von Loket habe das Motorrad hervorragend funktioniert. „Die Honda klebt förmlich am Boden. Ich kann mit ihr genau das machen, was ich machen möchte.“
Auch wenn er betonte, dass die KTM ebenfalls ein starkes Motorrad gewesen sei, sieht er auf solch technisch anspruchsvollen Hartbodenstrecken derzeit klare Vorteile bei seinem aktuellen Arbeitsgerät.
Trotz komfortabler Führung bleibt Herlings vorsichtig
Mit dem Ausfall von Lucas Coenen hat sich die Ausgangslage in der Weltmeisterschaft schlagartig verändert. Doch genau davor warnt der fünfmalige Weltmeister. „Das bedeutet überhaupt nichts.“
Er erinnert sich nur zu gut an seine eigene Karriere. Sowohl 2014 als auch 2015 habe er Meisterschaften trotz eines deutlich größeren Vorsprungs durch Verletzungen noch aus der Hand gegeben. „Man muss bis zum Schluss konzentriert bleiben. Vorbei ist es erst, wenn es wirklich vorbei ist.“
Gerade deshalb will Herlings den Vorsprung nicht verwalten, sondern weiter Rennen gewinnen.
Das Red Plate interessiert ihn kaum
Obwohl Herlings nach Loket erstmals in dieser Saison mit dem Red Plate anreisen wird, misst er der roten Startnummer nur wenig Bedeutung bei. „Für mich zählt nur ein Plate – und das ist die goldene.“ Sein Blick richtet sich ausschließlich auf den WM-Titel. Die Farbe der Startnummer spiele dabei keine Rolle.
Dass die Ausgangslage aktuell so gut ist, führt Herlings auf mehrere Faktoren zurück. Er fühlt sich körperlich fit, die Starts funktionieren wieder deutlich besser und vor allem das Motorrad habe seit Saisonbeginn enorme Fortschritte gemacht.
Gerade für die Sandrennen sei die Abstimmung inzwischen wesentlich besser als noch zu Beginn des Jahres. Die zahlreichen niederländischen Rennen hätten dem Team geholfen, verschiedene Set-ups unter Rennbedingungen zu testen und weiterzuentwickeln. „Jetzt habe ich das Gefühl, auch im Sand wieder um Siege kämpfen zu können.“
Mit Blick auf Lommel sieht Herlings deshalb gute Chancen, seine Siegesserie fortzusetzen – unabhängig davon, ob Lucas Coenen rechtzeitig zurückkehrt oder nicht. Nach dessen Verletzungen rechnet der Niederländer ohnehin nicht damit, dass sein Rivale sofort wieder bei einhundert Prozent sein wird.
Vialle lernt von Herlings
Tom Vialle durfte sich als Zweiter über sein erstes MXGP-Podium seit seiner Rückkehr freuen. Der Franzose profitierte von starken Starts und führte Herlings in allen drei Rennen zunächst an.
Anstatt sich über die Überholmanöver zu ärgern, nutzte der MXGP-Rookie die Situation bewusst als Lehrstunde. „Jedes Mal, wenn Jeffrey vorbeigefahren ist, habe ich versucht zu verstehen, was er anders macht – welche Linien er fährt und wie er die Strecke liest.“
Für Vialle ist genau dieser Lernprozess derzeit entscheidend. Nach drei Jahren ohne Grand-Prix-Einsätze sammelt er in seiner ersten MXGP-Saison wertvolle Erfahrungen, die sich zunehmend auch in den Ergebnissen widerspiegeln.
Febvre hadert erneut mit den Starts
Romain Febvre komplettierte das Podium, konnte sich mit Rang drei aber nur teilweise anfreunden. Besonders der Sturz im ersten Lauf kostete ihn wertvolle Zeit. „Ich dachte eigentlich, das Podium wäre nach dem Crash erledigt.“
Trotzdem kämpfte sich der Kawasaki-Pilot noch bis auf Rang fünf nach vorne und machte damit wichtige Punkte gut. Für ihn liegt die größte Baustelle weiterhin auf der Hand. „Wenn ich bei jedem Start unter den ersten Drei wäre, würde das mein Leben verändern.“
Denn an seiner Geschwindigkeit zweifelt Febvre nicht. Er ist überzeugt, mit besseren Starts regelmäßig um Grand-Prix-Siege kämpfen zu können – und genau das wird er in den verbleibenden sechs Veranstaltungen auch brauchen, um Herlings im Titelrennen noch einmal unter Druck zu setzen.
