Lierop: Sand, Stars und ein letzter Test
Romain Febvre wird in Lierop an den Start gehen. / Foto: Pascal Haudiquert
Wenn in den Niederlanden die Saison beginnt, dann traditionell im Sand. Und kaum eine Strecke steht so sehr für dieses Terrain wie Lierop. Am 1. März fällt auf dem traditionsreichen Kurs in den Herselse Bossen der Startschuss für den niederländischen Motocross-Saisonauftakt – und das Starterfeld liest sich bereits jetzt wie ein Vorgeschmack auf die MXGP-Weltmeisterschaft.
Denn nur eine Woche vor dem Auftakt der Weltmeisterschaft in Argentinien nutzen zahlreiche Spitzenfahrer die Veranstaltung als letzten Formtest.
Herlings kehrt nach Lierop zurück
Der größte Name auf der Nennliste ist wenig überraschend Jeffrey Herlings. Der fünffache Weltmeister bestreitet in Lierop seinen zweiten öffentlichen Auftritt der Vorbereitung – und kaum eine Strecke passt besser zu seinem Fahrstil.
Der tiefe Sand von Lierop war über Jahre hinweg Schauplatz einiger der spektakulärsten Rennen seiner Karriere. Wenn „The Bullet“ auf heimischem Boden startet, ist das ohnehin ein Publikumsmagnet. Bei angekündigtem Sonnenschein dürfte der traditionsreiche Kurs entsprechend gut gefüllt sein.
Besonders interessant: Herlings wird erstmals in Lierop auf seiner neuen Honda antreten – ein Bild, an das sich Fans erst noch gewöhnen müssen.
Febvre bringt Weltmeister-Status mit
Doch Herlings bekommt ernsthafte Konkurrenz. Mit Romain Febvre reist der amtierende MXGP-Weltmeister nach Lierop. Der Franzose gilt seit Jahren als einer der stärksten Sandfahrer im Feld – und im Gegensatz zu einigen Konkurrenten muss er sich weder an ein neues Motorrad noch an eine neue Klasse gewöhnen.
In einer Phase der Saison, in der viele Fahrer noch an Set-ups und Rennrhythmus feilen, könnte genau das ein entscheidender Vorteil sein.
Starke niederländische Fraktion
Auch die heimischen Fahrer sorgen für zusätzliche Spannung. Kay de Wolf soll nach seinem Aufstieg in die MXGP-Klasse erstmals in dieser Rolle in Lierop antreten. Der Niederländer gehört seit Jahren zu den schnellsten Sandfahrern im Nachwuchsbereich – nun stellt sich die Frage, wie schnell er sich auf der 450er etablieren kann.
Ein weiteres besonderes Augenmerk gilt Glenn Coldenhoff, der in Lierop sein Debüt mit seinem neu gegründeten Team geben wird. Coldenhoff ist auf Sand traditionell stark und wird alles daran setzen, sein neues Projekt direkt vor heimischem Publikum ins Rampenlicht zu stellen.
Fantic kommt mit Rückenwind
Auch das Fantic Factory MXGP Team reist mit Selbstvertrauen nach Lierop. Das von Jacky Martens geleitete Team konnte beim Auftakt der italienischen Meisterschaft in Alghero bereits starke Leistungen zeigen. Alberto Forato und Brent van Doninck präsentierten sich dort in guter Frühform und könnten auf dem tiefen Sandkurs erneut für Überraschungen sorgen.
Van de Moosdijk und starke Außenseiter
Mit Roan van de Moosdijk kehrt zudem ein Fahrer nach Lierop zurück, der auf dieser Strecke bereits beeindruckt hat. Der amtierende ADAC MX Masters Champion zeigte 2025 eine starke Saison und sicherte sich im vergangenen Jahr sogar die Pole Position in Lierop.
Weitere Fahrer wie Kevin Brumann und Nico Greutmann wollen die Gelegenheit ebenfalls nutzen, sich mit der Weltelite zu messen.
MX2: Junge Talente im Fokus
Nicht weniger spannend verspricht die MX2-Klasse zu werden. Liam Everts hatte seine Teilnahme bereits früh bestätigt und bekommt nun zusätzliche Konkurrenz durch Mathis Valin, der für das Kawasaki-Werksteam an den Start geht.
Auch Gyan Doensen dürfte ein Auge auf das Podium werfen. Der Niederländer überzeugte bereits im vergangenen Jahr mit Rang drei im zweiten Lauf von Lierop und startet nun in seine zweite MX2-Saison.
Weitere Namen auf der Nennliste sind unter anderem Maxime Grau, der erstmals auf einer Honda ausrücken wird, sowie der belgische Nachwuchsfahrer Douwe van Mechgelen.
Der letzte Test vor Argentinien
Mit Blick auf den bevorstehenden Start der MXGP-Weltmeisterschaft bekommt der Saisonauftakt in Lierop eine zusätzliche Bedeutung. Für viele Fahrer ist es die letzte Gelegenheit, Rennrhythmus zu sammeln, Starts zu testen und Set-ups unter echten Rennbedingungen zu überprüfen.
Und genau dafür ist Lierop bekannt: tiefer Sand, anspruchsvolle Spurrillen und ein Kurs, der jeden Fehler sofort bestraft.
Oder anders gesagt: ein perfekter Gradmesser für die Form vor der Weltmeisterschaft.
Wenn sich also am kommenden Wochenende das Startgatter senkt, geht es nicht nur um einen nationalen Saisonauftakt – sondern auch um eine erste Standortbestimmung der MXGP-Elite.
Weitere Informationen zum Traditionsrennen in den Niederlanden findest Du hier.
