Ironman ohne Sacha – aber mit Lucas Coenen?

Lucas Coenen könnte am kommenden Wochenende beim AMA Ironman National am Startgatter stehen

Lucas Coenen könnte am kommenden Wochenende beim AMA Ironman National am Startgatter stehen

Steht Lucas Coenen am kommenden Wochenende tatsächlich beim Ironman National am Start? Eigentlich war das so geplant. Die MXGP pausiert zwischen Arnhem und dem Grand Prix der Türkei, und genau in diese Lücke fällt das Finale der AMA Pro Motocross Championship. Doch nach dem vergangenen Wochenende ist längst nicht mehr sicher, ob Lucas die Reise nach Indiana antreten kann.

Bei Sacha ist die Sache dagegen entschieden. Er bleibt in Europa und konzentriert sich auf den Kampf um den MX2-Titel. Dabei werden beide Brüder schon in wenigen Monaten dauerhaft auf der anderen Seite des Atlantiks fahren. KTM hat inzwischen bestätigt, dass Lucas und Sacha ihre Verträge langfristig verlängert haben und 2027 in die USA wechseln. Lucas startet künftig in der 450SX und 450MX, Sacha in der 250SX und 250MX.

Damit wirken ihre drei für diese Saison geplanten US-Einsätze rückblickend noch einmal etwas anders.

Waren die Nationals bereits ein Vorgeschmack auf 2027?

Thunder Valley, Southwick und Ironman standen ursprünglich auf dem Plan. Als Lucas und Sacha zum ersten Mal in Colorado auftauchten, konnte man das noch als Wildcard-Einsatz während eines freien MXGP-Wochenendes sehen.

Sportlich brauchten beide allerdings kaum Eingewöhnungszeit.

Lucas fuhr in Thunder Valley mit 2-2 direkt auf das 450MX-Podium. Sacha gewann einen der beiden 250MX-Läufe und legte wenig später in Southwick mit einem 1-1 nach. Den zweiten Lauf gewann er sogar mit gebrochenem Schlüsselbein, nachdem er trotz des Sturzes weitergefahren war.

Spätestens mit dem inzwischen bestätigten Wechsel in die USA bekommt dieser Ausflug einen anderen Stellenwert. Ob Thunder Valley tatsächlich als eine Art Test für 2027 gedacht war, hat KTM so nicht gesagt. Die Ergebnisse haben aber zumindest gezeigt, dass der Speed der beiden auch unter AMA-Bedingungen funktioniert.

Beim Motocross jedenfalls. Wie beide im Supercross zurechtkommen, steht auf einem anderen Blatt.

Warum verzichtet Sacha ausgerechnet jetzt?

Eigentlich könnte Sacha jede zusätzliche Rennrunde in Amerika gebrauchen. 2027 warten 250SX und 250MX, neue Strecken und ein anderes Rennformat auf ihn.

Trotzdem ist seine Absage für Ironman ziemlich einfach zu erklären.

Nach seinem Sieg in Schweden ist er wieder mitten im Kampf um die MX2-Weltmeisterschaft. In Arnhem führte er im ersten Lauf lange, musste sich nach einem Fehler aber mit Rang zwei zufriedengeben. Platz vier im zweiten Moto brachte ihm Gesamtrang vier.

Guillem Farrés führt die WM mit 749 Punkten an. Sacha hat 724, Camden McLellan 712. Noch drei Grands Prix stehen aus. 25 Punkte Rückstand sind wenig genug, um einen zusätzlichen Trip in die USA noch einmal anders zu bewerten. Dazu kommt, dass Sacha erst vor wenigen Wochen am Schlüsselbein operiert wurde.

Davey Coombs, der Kampf hinter der AMA Pro Motocross Serie, berichtete deshalb bereits vor Arnhem, dass Sacha nicht nach Ironman zurückkehren werde. Nach seinem Sieg in Schweden sei er wieder voll im Rennen um die MX2-Weltmeisterschaft.

Mehr muss man in seine Entscheidung eigentlich nicht hineininterpretieren. Die USA sind ab 2027 sein Arbeitsplatz. Die Chance, Europa vorher noch als MX2-Weltmeister zu verlassen, hat er nur jetzt.

Und Lucas?

Bei ihm war Ironman bis vor wenigen Tagen weiterhin geplant. Auch Lucas hatte bei seinen bisherigen US-Einsätzen nicht alles so beendet, wie er es sich vorgestellt haben dürfte. Nach 2-2 in Thunder Valley schied er in Southwick aus.

Coombs schrieb vor Arnhem, dass Lucas laut einem Freund aus dem Red-Bull-KTM-Umfeld noch „unfinished business“ in den USA sehe. Wenn sein körperlicher Zustand es zulasse, wolle er deshalb weiterhin versuchen, beim Ironman National zu fahren.

Die Aussage passt zu seiner Situation. Lucas wird 2027 ohnehin in der 450MX antreten. Ein weiteres National würde ihm Gelegenheit geben, die Abläufe und eine weitere Strecke kennenzulernen. Und nach seinem starken Einstand in Thunder Valley dürfte ihn durchaus interessieren, was bei einem weiteren 450MX-Auftritt möglich wäre.

Nur stammt die Aussage über Ironman aus der Zeit vor Arnhem. Das ist inzwischen ein wichtiger Unterschied.

Was sagt der Abbruch in Arnhem über Ironman aus?

Lucas wollte am vergangenen Wochenende in die MXGP zurückkehren. Im Free Practice fuhr er die viertschnellste Zeit. Rein vom Tempo her sah das zunächst nicht danach aus, als hätte ihm die Pause viel genommen.

Danach ging es allerdings nicht weiter. Die Probleme an seiner linken Hüfte machten ihm erneut zu schaffen. Lucas verzichtete auf das Qualifying Race und am Sonntag auch auf beide Motos.

Genau diese beiden Beobachtungen sollte man nebeneinander stehen lassen. Lucas war schnell. Lucas konnte trotzdem kein Rennen fahren.

Eine viertschnellste Trainingszeit sagt eben wenig darüber aus, ob die Hüfte anschließend zwei komplette 450er-Motos mitmacht. Gerade das wäre bei Ironman gefragt.

Deshalb ist auch die Meldung, Lucas hoffe weiterhin auf einen US-Start, inzwischen mit Vorsicht zu betrachten. Als Coombs davon berichtete, hatte Lucas seinen Comebackversuch in Arnhem noch nicht hinter sich.

Ob sein Plan danach weiterhin Bestand hat, wissen wir momentan nicht.

Ironman wäre inzwischen mehr als ein Gaststart

Sollte Lucas tatsächlich nach Indiana reisen, bekommt der Einsatz durch seinen feststehenden Wechsel für 2027 trotzdem eine interessante zusätzliche Ebene.

Er muss nicht mehr ausprobieren, ob Amerika grundsätzlich etwas für ihn sein könnte. Diese Entscheidung ist gefallen. Ab der kommenden Saison fährt er dort Vollzeit und steigt direkt in die 450SX und anschließend in die 450MX ein.

Für den Motocross-Teil könnte Ironman deshalb durchaus nützlich sein. Thunder Valley hat gezeigt, dass Lucas vorne mitfahren kann. Southwick blieb nach seinem Ausfall dagegen unvollendet. Ein drittes Rennen würde zumindest weitere Erfahrung liefern, bevor aus einzelnen Gaststarts eine komplette Saison wird.

Nur sollte man daraus nicht mehr machen, als es ist. Für die wesentlich größere Unbekannte 450SX liefert Ironman kaum Antworten. Supercross wird für Lucas eine ganz andere Aufgabe.

Im Moment stellt sich ohnehin eine viel einfachere Frage. Kann er fahren?

Sacha wird das freie MXGP-Wochenende nutzen, um sich auf die letzten drei Grands Prix und den Kampf um das Red Plate vorzubereiten. Bei Lucas war der Flug nach Indiana zumindest vor Arnhem noch nicht vom Tisch.

Nach dem abgebrochenen Comeback ist das offen.

Sollte Lucas am Wochenende tatsächlich am Ironman-Gate stehen, dürfte deshalb weniger interessant sein, wie schnell er ist. Das wissen wir seit Thunder Valley.

Interessanter wird sein, ob seine Hüfte inzwischen wieder ein komplettes 450MX-Rennen zulässt.