MXGP in Frauenfeld: Wenn eine Kurve das Rennen zerstört

Jeffrey Herlings beim MXGP of Switzerland in Frauenfeld

Ein verzweifelter Jeffrey Herlings beim MXGP of Switzerland 2026.

Der MXGP der Schweiz in Frauenfeld hatte viele Geschichten – aber eine stach besonders heraus. Es war nicht ein Sturz, nicht ein Start, nicht einmal ein Zweikampf. Es war eine einzige Kurve.

Für die einen ist es Kurve zwei, für Lucas Coenen wohl eher Kurve drei – denn so viele Richtungswechsel vollzog der Belgier bis zu dem Punkt, an dem alles kippte. Genau diese Passage entwickelte sich zum heimlichen Hauptdarsteller des Wochenendes. Eine tiefe Spur, immer wieder befahren, immer weiter ausgefahren – bis sie schließlich zur Falle wurde. Gleich mehrere Topfahrer tappten hinein. Mit identischem Ergebnis: Kette runter, Rennen vorbei.

Lucas Coenen, Jeffrey Herlings und Andrea Adamo verloren an genau dieser Stelle ihre Kette. In der MX2 erwischte es zudem Mathis Valin.

Vier Fahrer, eine Kurve – und ein Rennen, das plötzlich eine komplett neue Richtung bekam.

Unterschiedliche Folgen – gleiche Ursache

Die Ausgangssituation war bei allen ähnlich, die Konsequenzen jedoch völlig unterschiedlich. Adamo schaffte es, seine Kette wieder aufzulegen und das Rennen fortzusetzen – Schadensbegrenzung immerhin. Bei Coenen nahm die Szene ein anderes Ende: Fremde Hilfe führte zur Disqualifikation. Und Herlings? Der Niederländer entschied sich, frustriert aufzugeben.

Eine Szene, drei Verläufe – und eine Gesamtwertung, die dadurch komplett durcheinandergewirbelt wurde.

Herlings: Vom möglichen Sieger zum Zuschauer

Besonders bitter traf es Jeffrey Herlings. Der Honda-Pilot lag zu diesem Zeitpunkt auf Platz zwei – in Schlagdistanz, mit klarer Perspektive auf den Tagessieg. Dann die Kette. Stillstand. Aus.

„Ich habe dieselbe Spur gewählt wie ein paar andere und hatte das gleiche Ergebnis – Kette runter, Ausfall“, erklärte Herlings später. „Es ist nie schön, das Rennen weiterlaufen zu sehen, während man selbst danebensteht.“

Ein Satz, der die Situation ziemlich genau trifft. Denn die Rechnung ist einfach: Ohne diesen Ausfall wäre mehr drin gewesen. Deutlich mehr. In Kombination mit seinem dritten Platz im zweiten Lauf hätte es am Ende sogar für den Gesamtsieg gereicht.

Schadensbegrenzung im zweiten Lauf

Immerhin zeigte Herlings danach eine Reaktion. Guter Start, solides Rennen, Platz drei im zweiten Lauf – Schadensbegrenzung auf hohem Niveau. Doch der Frust blieb spürbar. „Ich habe versucht, im zweiten Lauf noch das Beste rauszuholen und Punkte mitzunehmen. Aber insgesamt war das kein gutes Wochenende.“

Vor allem ein Detail spricht Bände: seine Einschätzung zur Strecke. „Ich bin ehrlich gesagt froh, dass wir nur einmal im Jahr hier fahren.“ Und genau das könnte sich künftig sogar erledigt haben. Informationen hinter vorgehaltener Hand deuten darauf hin, dass Frauenfeld vorerst zum letzten Mal im Kalender stand.

Titelkampf bleibt offen

Trotz des Rückschlags ist die Situation in der Meisterschaft weiterhin offen. Der Rückstand auf die Spitze beträgt aktuell nur zwölf Punkte – ein Abstand, der in dieser Saison schnell schrumpfen kann. Vor allem auf Strecken, die weniger fehleranfällig sind und dem natürlichen Speed eher entgegenkommen.

Punkte, die am Ende fehlen könnten

Was Frauenfeld so besonders macht, ist nicht nur das Chaos an sich – sondern die mögliche Tragweite. Der Ausfall von Herlings und auch der Nuller von Coenen könnten im weiteren Verlauf der Saison noch eine Rolle spielen. In einer Meisterschaft, die oft über wenige Punkte entschieden wird, zählen genau solche Rennen doppelt.

Ob es am Ende genau diese Punkte sind, die im Titelkampf fehlen, wird sich erst am Saisonende zeigen. Doch eines ist jetzt schon klar: In Frauenfeld hat man nicht nur ein Rennen verloren – sondern möglicherweise mehr.

Wenn Kleinigkeiten alles verändern

Frauenfeld hat einmal mehr gezeigt, wie brutal ehrlich Motocross sein kann. Es braucht keine großen Fehler, um ein Wochenende zu verlieren. Manchmal reicht eine einzige Spur.

Eine falsche Entscheidung in einer Kurve – und aus einem möglichen Sieg wird ein Nuller.

Genau das macht den Unterschied. Und genau das könnte am Ende der Saison noch einmal entscheidend werden.