Evgeny Bobryshev fährt in Europa, doch die FIM bleibt hart
Die FIM hält an ihrer Entscheidung, russische Sportler von Veranstaltunegn auszuschließen, weiterhin fest
Evgeny Bobryshev stand beim Finale der Britischen Motocross-Meisterschaft in Blaxhall wieder am Startgatter einer europäischen Veranstaltung. Der ehemalige MXGP-Werksfahrer hatte die notwendige Freigabe erhalten und konnte damit ein Rennen bestreiten, das ihm auf WM-Ebene weiterhin verwehrt bleibt. Denn während der britische Verband ACU dem Russen eine Lizenz ausstellte, hält der Motorrad-Weltverband FIM am Ausschluss russischer und belarussischer Fahrer fest.
Wie passt das zusammen? Und könnte Bobryshevs Rückkehr ein Hinweis darauf sein, dass sich auch in der Motocross-Weltmeisterschaft zur Saison 2027 etwas bewegt?
Wir haben direkt bei der FIM nachgefragt.
Für Bobryshev war der Weg nach Blaxhall frei
Dass Bobryshev überhaupt in Großbritannien starten konnte, ist angesichts der seit 2022 geltenden Beschränkungen durchaus bemerkenswert. Der Russe gehörte über viele Jahre zum festen Bestandteil des MXGP-Fahrerlagers, verschwand mit dem Ausschluss russischer Athleten aber auch von der internationalen WM-Bühne.
Seinen Start in Blaxhall ermöglichte offenbar ein unkompliziertes Verfahren. Auf Nachfrage von MXNEWS erklärte Bobryshev: „Ich hatte eine Freigabe vom russischen Verband und die ACU hat mir eine Lizenz ausgestellt.“
Wie viel ihm die Rückkehr bedeutete, ließ Bobryshev auch im Gespräch mit Ben Rumbold erkennen. „Ich bin wirklich glücklich, wieder dabei zu sein. Es ist schön, alte Freunde wiederzusehen und einfach Spaß zu haben. Ich genieße es wirklich“, sagte er.
Das klingt zunächst nach einem Fahrer, der sich darüber freut, wieder Teil des europäischen Renngeschehens zu sein. Die größere Bedeutung seines Auftritts liegt allerdings in der Frage, weshalb dieser Start möglich war, während russische Fahrer in der MXGP weiterhin nicht zugelassen sind.
Die FIM hat ihre Entscheidung gerade erst bestätigt
Die Antwort des Weltverbandes auf unsere Anfrage vom 20. Oktober 2026 lässt wenig Raum für Hoffnungen auf eine kurzfristige Änderung.
Nach Angaben der FIM hat ihr Vorstand bei der Sitzung im September 2026 die Maßnahmen vom 5. März 2022 erneut bestätigt. Russische und belarussische Fahrer, Teams und Offizielle bleiben damit bis auf Weiteres von FIM-Weltmeisterschaften und FIM Prize Events ausgeschlossen.
Das betrifft nicht nur die MXGP, sondern ebenso andere internationale Meisterschaften unter dem Dach des Weltverbandes.
Die entscheidende Formulierung folgt allerdings im nächsten Teil der Stellungnahme. Dort erklärt die FIM, dass sie ihren angeschlossenen nationalen Verbänden und Kontinentalunionen einstimmig empfiehlt, die Maßnahmen auch auf nationaler und kontinentaler Ebene anzuwenden.
Und damit wird verständlich, weshalb Bobryshev in Blaxhall starten konnte.
Die FIM untersagt russischen Fahrern die Teilnahme an ihren eigenen Veranstaltungen. Bei nationalen Meisterschaften spricht sie dagegen eine Empfehlung aus. Die endgültige Entscheidung liegt somit nicht zwangsläufig beim Weltverband, sondern kann vom jeweiligen nationalen Verband getroffen werden.
Die britische ACU hat Bobryshev jedenfalls eine Lizenz erteilt. Ob sie damit grundsätzlich eine andere Linie verfolgt oder lediglich im konkreten Fall eine Startberechtigung ermöglicht hat, lässt sich aus seiner Aussage nicht ableiten.
Warum ist ein neutraler Start keine Option?
Andere internationale Sportverbände sind inzwischen dazu übergegangen, russische Athleten unter bestimmten Voraussetzungen wieder zuzulassen. Teilweise dürfen sie unter neutraler Flagge antreten, ohne dass damit eine offizielle Vertretung ihres Heimatlandes verbunden ist.
Dabei sollte eines unmissverständlich klar sein: Wir wollen den Angriffskrieg, den Russland gegen die Ukraine führt, in keiner Weise rechtfertigen, verharmlosen oder relativieren. Die Frage, ob einzelne russische Sportler unter bestimmten Voraussetzungen wieder an internationalen Wettkämpfen teilnehmen dürfen, ist jedoch eine andere. Sie betrifft den Umgang der Sportverbände mit Athleten, die nicht automatisch für die Entscheidungen ihrer Regierung verantwortlich gemacht werden können.
Genau deshalb haben wir gegenüber der FIM auch die Möglichkeit eines neutralen Starts angesprochen. Schließlich wäre eine solche Regelung im Motorradsport zumindest denkbar, insbesondere für einzelne Fahrer, die unabhängig von einer Nationalmannschaft antreten.
Die FIM beantwortete diese Frage jedoch nicht konkret.
Auch auf unsere Nachfrage, welche Voraussetzungen für eine Aufhebung der Beschränkungen erfüllt sein müssten und ob zwischen einzelnen Athleten und Nationalteams unterschieden werde, ging der Verband nicht näher ein.
Stattdessen heißt es lediglich, man werde die Entwicklung weiterhin regelmäßig beobachten und dabei die Besonderheiten des Motorradsports berücksichtigen.
Was damit konkret gemeint ist, bleibt offen.
Gerade der Hinweis auf die Besonderheiten des Motorradsports hätte eine nähere Erklärung verdient. Denn weshalb ein einzelner Motocross-Fahrer anders behandelt werden sollte als ein Athlet in einer anderen internationalen Sportart, erschließt sich aus der Stellungnahme nicht.
Was bedeutet das für die Saison 2027?
Mit Blick auf die kommende Saison ist vor allem der Zeitpunkt der jüngsten FIM-Entscheidung relevant. Der Vorstand hat die Beschränkungen erst im September 2026 erneut bestätigt, also zu einem Zeitpunkt, an dem die Planungen für 2027 längst laufen.
Dass der Verband wenige Wochen später eine grundsätzliche Lockerung ankündigt, wäre zumindest überraschend. Ausgeschlossen ist eine spätere Neubewertung damit aber nicht, denn die Regelung gilt ausdrücklich nur bis auf Weiteres.
Einen Termin für die nächste Überprüfung oder konkrete Bedingungen für eine Rückkehr nennt die FIM nicht.
Für Bobryshev und andere russische Fahrer ergibt sich daraus eine ungewöhnliche Situation. In einzelnen nationalen Meisterschaften können sie offenbar wieder antreten, sofern der zuständige Verband eine Lizenz erteilt. Der Weg zurück in die Weltmeisterschaft bleibt ihnen dagegen versperrt.
Bobryshevs Auftritt in Blaxhall ändert also nichts an der geltenden FIM-Regelung. Er zeigt aber, dass ein Ausschluss auf internationaler Ebene nicht automatisch bedeutet, dass ein Fahrer auch bei jedem nationalen Rennen ausgeschlossen ist.
Ob sich daraus irgendwann eine Bewegung in Richtung MXGP entwickelt, ist derzeit nicht abzusehen. Die FIM hätte auf unsere fünf konkreten Fragen zumindest erklären können, nach welchen Kriterien sie eine Rückkehr russischer und belarussischer Fahrer beurteilen will. Stattdessen bleibt es bei der Bestätigung einer mehr als vier Jahre alten Entscheidung.
Für die betroffenen Fahrer bedeutet das vor allem eines: Sie wissen weiterhin nicht, was sich ändern müsste, damit sie wieder in einer FIM-Weltmeisterschaft starten dürfen.
