Cooper Webb: Warum ein Wechsel zu Tedder Racing realistisch wirkt
Cooper Webb könnte nach dem Auslaufen seines Vertrages bei Star Racing Yamaha, zu Tedder Racing wechseln. / Foto: Star Racing Yamaha
Noch vor wenigen Jahren hätte vermutlich kaum jemand ernsthaft darüber diskutiert, ob ein mehrfacher AMA-Supercross-Champion freiwillig bei einem Privatteam unterschreibt. Genau deshalb wirkt das aktuelle Gerücht um Cooper Webb und Tedder Racing im ersten Moment auch eher wie klassische Silly-Season-Fantasie.
Je länger man sich allerdings mit der Situation beschäftigt, desto nachvollziehbarer erscheint das Szenario.
Vor allem, weil Ken Roczen gerade erst gezeigt hat, dass der Weg zurück an die Spitze nicht zwingend über ein großes Factory-Team führen muss.
Ken Roczen zeigte, dass ein Privatteam wieder nach ganz oben führen kann
Als Roczen damals bei HEP Motorsports Suzuki unterschrieb, wurde der Wechsel vielerorts kritisch gesehen. Zwar blieb er einer der größten Namen im Sport, sportlich schien seine beste Zeit für viele jedoch bereits hinter ihm zu liegen. Nach Verletzungen, schwierigen Jahren und mehreren gescheiterten Titelanläufen galt Suzuki eher als riskantes Projekt als als realistische Titeladresse.
Jetzt, wenige Jahre später, gewann Roczen mit genau diesem Team seinen ersten 450SX-Titel überhaupt.
Und genau dieser Erfolg verändert aktuell die Sichtweise auf Teams außerhalb der klassischen Werkstrukturen.
Denn moderne Privatteams arbeiten inzwischen deutlich professioneller als noch vor einigen Jahren. Technische Unterstützung durch Hersteller, Leasingprogramme für Motoren und Elektronik sowie spezialisierte Partner haben die Lücke zu den Factory-Teams spürbar verkleinert.
Tedder Racing will den nächsten Schritt machen
Tedder Racing gilt im AMA-Paddock seit Jahren als solides Privatteam mit überraschend starkem Niveau. Vor allem Justin Hill sorgte regelmäßig für Ergebnisse, die viele etablierte Werksteams nicht ignorieren konnten. Intern scheint das Team jedoch längst größere Ziele zu verfolgen.
Schon seit Saisonbeginn kursieren im Fahrerlager Gespräche darüber, dass Tedder Racing sein Programm deutlich ausbauen möchte. Gleichzeitig verdichten sich nach den jüngsten Veränderungen innerhalb der KTM-Gruppe die Hinweise, dass Husqvarna künftig stärker auf unterstützte Privatstrukturen setzen könnte.
Genau dort entsteht plötzlich die Verbindung zu Cooper Webb.
Warum Webb überhaupt offen für so einen Schritt sein könnte
Sportlich wäre Webb natürlich weiterhin ein Kandidat für große Werksteams. Trotzdem befindet er sich inzwischen an einem anderen Punkt seiner Karriere.
Mit mehreren Supercross-Titeln, langjährigem Factory-Status und enormer Erfahrung dürften inzwischen andere Themen wichtiger werden als reine Werkslogos. Im US-Paddock wird schon länger darüber gesprochen, dass Webb künftig mehr Einfluss auf sein eigenes Programm haben möchte — sowohl beim Motorrad als auch bei Trainingsstruktur und Rennplanung.
Ein Team wie Tedder Racing könnte ihm genau diese Freiheiten bieten.
Dazu kommt: Trotz des schwierigen Endes seiner KTM-Zeit gilt es intern weiterhin als bekannt, dass Webb viele Eigenschaften der österreichischen Plattform schätzt. Sollte Tedder Racing tatsächlich enger mit Husqvarna zusammenarbeiten, würde das Motorrad für ihn keineswegs Neuland darstellen.
Noch ein Gerücht — aber keines mehr ohne Substanz
Offiziell existiert aktuell weiterhin keinerlei Bestätigung. Trotzdem wirkt die Idee inzwischen weit realistischer als noch vor einigen Monaten.
Roczen hat bewiesen, dass moderne Privatteams inzwischen titelwürdig sein können. Tedder Racing scheint wachsen zu wollen. Husqvarna sucht offenbar neue Wege außerhalb klassischer Werksteams. Und Webb könnte genau die Art von Fahrer sein, die nach mehr Eigenkontrolle statt nach dem nächsten Standard-Factory-Vertrag sucht.
Deshalb wird dieses Thema im AMA-Supercross-Paddock mittlerweile deutlich ernster diskutiert, als viele zunächst erwartet hätten.
