Zurück am Gatter: Dominique Thury startet überraschend beim A1 in Anaheim
Dominique Thury kehrt mit dem Team Solitaire Heartbeat Hotsauce Yamaha ans AMA Supercross Gatter zurück. / Foto: Matt Dowsey
Es ist eine Rückkehr, mit der kaum jemand gerechnet hat – vielleicht nicht einmal er selbst. Dominique Thury steht am kommenden Wochenende beim legendären Anaheim 1 am Start. Nach Monaten der Stille, nach einer Saison als Privateer und mit einer Vorbereitung, die kürzer kaum sein könnte, geht es für den Deutschen zurück auf die größte Supercross-Bühne der Welt.
Still geworden – aber nicht verschwunden
„Um mich ist es ruhig geworden“, sagt Thury offen. Nicht aus Trotz, sondern nüchtern. Nach dem harten Jahr 2025 als Privateer fehlten am Ende nicht Motivation oder Fitness – sondern schlicht die Möglichkeiten. Organisatorisch wie finanziell sei eine komplette Saison allein kaum noch zu stemmen gewesen. Für 2026 hatte er deshalb eigentlich einen anderen Plan: einzelne Rennen, selektiv, dort, wo es Sinn ergibt. Supercross oder Arenacross – Hauptsache machbar.
Kurzfristige Chance, klare Entscheidung
Ende November kam dann Bewegung in die Sache. Gespräche mit dem Heartbeat Hotsauce NanoXtreme Yamaha führten dazu, dass Dominique Thury kurzfristig als Fahrer für den ebenfalls verpflichten Cole Thompson einspringt. Hintergrund: Die Arenacross-Serie, für die Thompson zu 100% gesetzt war, überschneidet sich mit dem AMA Supercross, und das Team brauchte eine Lösung. Zwei Tage vor seinem Geburtstag, am 5. Dezember, betrat Thury erstmals wieder eine Supercross-Strecke – nach Monaten ohne SX-Bike.
Die Vorbereitung? Minimal. Regen in Kalifornien, wenig Fahrzeit, kaum Rhythmus. „Nicht die Vorbereitung, die ich mir gewünscht hätte“, sagt er selbst. Aber auch: „Eine solche Chance abzulehnen, wäre falsch gewesen.“
Race by Race
Wie viele Starts es am Ende werden, ist offen. Die Einigung läuft auf einer Race-by-Race-Basis – abhängig von Leistung, Entwicklung und davon, wann Teamkollege Cole Thompson wieder voll verfügbar ist. Druck will Thury sich keinen machen. Nach Jahren, in denen er vor allem versucht habe, Erwartungen anderer zu erfüllen, soll 2026 anders laufen.
„Ich will mein persönliches Bestes geben. Wenn ich weiß, dass ich gut gefahren bin, kann ich auch mit einem Lächeln schlafen gehen – egal, welcher Platz es am Ende ist.“
Anaheim liegt ihm
Dass ausgerechnet Anaheim der Ort dieses Comebacks ist, passt ins Bild. Eigentlich stand A1 gar nicht auf seiner Liste – Dortmund schon eher. Umso größer ist die Freude, nun beim prestigeträchtigsten Rennen der SX-Saison am Start zu stehen. Und Anaheim ist für Thury kein unbekanntes Terrain: Am 8. Januar 2022 fuhr er dort mit Platz neun sein bis heute bestes AMA-Supercross-Resultat ein.
Eine bewegte Supercross-Reise
Thurys Weg durch den amerikanischen Supercross-Zirkus war alles andere als geradlinig. Von ClubMX Yamaha über Team Solitaire Heartbeat Hotsauce Yamaha, Partzilla PRMX Racing bis hin zum eigenen Team Thuryracing by FXR – und nun wieder Heartbeat Hotsauce NanoXtreme Yamaha – Stationen gab es viele. Ergebnisse auch: ein Top-10-Resultat und 14 Top-20-Platzierungen in der 250SX West sprechen für sich.
Ohne große Erwartungen – aber mit Lust aufs Rennen
Anaheim 1 war nicht geplant. Genau deshalb wirkt dieser Start so ehrlich. Keine große Ankündigung, kein Comeback-Narrativ. Nur ein Fahrer, ein Team, ein Bike – und die Lust, es noch einmal zu versuchen. „Ich freue mich aufs Wochenende“, sagt der 33-Jährige. Mehr will er gar nicht versprechen. Und vielleicht ist genau das die beste Ausgangslage für einen Abend unter Flutlicht im Angel Stadium.
