Teams sagen ab – torpediert der DMSB die CROSS Finals?

Teams sagen Teilnahme an CROSS FINALS ab - Torpediert der DMSB die CROSS Finals? Wir werfen ein Blick auf die Lage.

CROSS FINALS - Foto: Christoph Trummert

Die CROSS Finals sind eine besondere Veranstaltung und setzten vor allem in den Anfangsjahren neue Maßstäbe für Motocross-Events. Die verschiedenen regionalen Meisterschaften schickten jahrelang die besten 8 Fahrer ihrer Serie zu den Finals, heute sagte erstmals ein Team die Teilnahme offiziell ab. Torpediert der DMSB die CROSS Finals? Wir werfen ein Blick auf die Lage.

Ende August wird das wichtigste Event im deutschen Amateur-Motocross beim MSC Wisskirchen ausgetragen und in früheren Jahren war der Hype zu diesem Zeitpunkt bereits groß. 2023 blieb es bisher etwas ruhiger als gewohnt, aber dies hat sich seit heute geändert.

Der Nord-Cup steigt aus

Bereits vor einigen Tagen erreichten uns Infos darüber, dass es im Hintergrund Sorgen einiger Serien gibt, dass die CF dieses Jahr nicht als DMSB-Veranstaltung ausgetragen werden. Heute gab mit dem NMX-Cup nun die erste Serie bekannt, dass sie offiziell nicht an den CF teilnehmen werden. 

Hier der offizielle Wortlaut des Nord-Cups:

„Laut den bisherigen Ankündigungen und der vorliegenden Ausschreibung für das diesjährige Cross-Finale beim MSC Wisskirchen soll die Veranstaltung außerhalb des Wirkungsbereiches des Deutschen Motorsport Bundes (DMSB) stattfinden, sodass für einen Start keine DMSB-Lizenz erforderlich ist. Der Deutsche Amateur Motocross Verband e. V. (DAMCV) verfügt über ein eigenes Lizenzsystem und schreibt dieses für die Teilnahme vor. Da die sechs ADAC-Landesvereine, die den ADAC NMX Cup ausrichten, bestrebt sind, den organisierten Motorsport im Einklang mit den nationalen und internationalen Sportgesetzen zu fördern, Wir können eine Veranstaltung, deren Verantwortliche die Strukturen des organisierten Sports unter unserer DMSB-Sporthoheit ablehnen, nicht aktiv unterstützen. 

Wir wissen um die Begeisterung, die das Cross-Finale bei den Fahrern auslöst, können aber nicht verstehen, warum die Veranstaltung – anders als die meisten Motocross-Veranstaltungen in Deutschland – wird nach den Vorschriften und mit den Lizenzen des DMSB gefahren. Bei einer aktiven Nominierung von Teilnehmern für das Cross-Finale müssten wir unsere langfristigen Bemühungen um einen einheitlichen, organisierten Motorsport in Deutschland in Frage stellen und dies kann und ist nicht unser Ziel.“

Werden mehr Serien nachziehen?

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass weitere ADAC- bzw. DMSB-Serien nachziehen werden. So liegt uns ein Screenshot einer Mail vom Landesmotorsport-Fachverband e.V. Mecklenburg-Vorpommern vor, in der unter anderem steht: „Der LMFV kann der Teilnahme an den Cross Finals nicht zustimmen.“ 

Torpediert der DMSB die CROSS Finals?

Der Landesmotorsport-Fachverband e.V. Mecklenburg-Vorpommern beruft sich dabei auf folgende Aussage aus einer Mail des Referent für Sportentwicklung beim DMSB, die uns ebenfalls als Screenshot vorliegt: „Die Cross Finals sind keine vom DMSB genehmigte Veranstaltung, für die der DMSB eine Startgenehmigung erteilen kann. Die Dokumente und Vorgaben des DMSB (bspw. DMSB-Lizenzen etc.) finden für die genannte Veranstaltung keine Anwendung und haben somit keine Gültigkeit.“

Doch was bedeutet dieser Hinweis? Kann der DMSB Veranstaltern die Durchführung untersagen („nicht genehmigen“)? Mitnichten, wie ein Urteil vom 07.10.2020 verdeutlichtet, wo das Landgericht Düsseldorf einem klagenden Verband aus dem Auto-Motorsport das Recht zur Austragung zubilligte und ergo beim DMSB eine wie auch immer geartete Motorsport-Hoheit nicht zu erkennen vermochte. Hier der Wortlaut des Urteils zum Nachlesen:

Den komplette Pressemitteilung, kannst du hier nachlesen.

Dieses Urteil kann man wohl auch auf den DAMCV ummünzen, oder nicht? Wir sind keine Rechtsberatung!

Wo liegt nun das Problem der Serien?

Wenn wir dies richtig verstehen, steht der Veranstaltung also nichts im Wege, oder? Laut Ausschreibung bekommen alle Fahrer ohne DAMCV-Lizenz kostenlos eine Lizenz für das Wochenende gestellt. Wo ist also das Problem dieser Serien?

Ein Serien-Verantwortlicher argumentierte gegenüber uns wie folgt: „Wir als Verband haben eine Vorbildfunktion und müssen den DMSB-Richtlinien folgen,“ leitete er unser Gespräch ein und fuhr fort: „Ich konnte nichts zu den DAMCV-Lizenzen und deren Versicherung finden, somit weiß ich nicht, ob die Fahrer überhaupt versichert sind. Diese Verantwortung konnte ich nicht übernehmen. Ich weiß natürlich, dass es erwachsene Menschen sind und das sie dort teilnehmen werden. Ich verbiete es keinem daran teilzunehmen. Versteht mich nicht falsch, ich bin der erste, der wieder voll dabei ist, solange es nach DMSB-Richtlinien geht. Mir tut es vor allem für die Fahrer leid.“

DAMCV mit gleicher Versicherung wie der DMSB

Doch wieso sollten die Fahrer beim DAMCV nicht versichert sein? Wir haben bei Sebastian Bauten vom DAMCV nachgefragt: „Natürlich ist jeder Fahrer mit einer DAMCV-Lizenz auch versichert. Es handelt sich sogar um die gleiche Versicherung,“ so Bauten.

Die Teilnehmer erhalten die DAMCV-Lizenz sogar kostenlos, es ist also kaum ein Mehraufwand oder Schaden gegeben, weder für die Fahrer noch für die teilnehmende Serien oder dem DMSB. Wo liegt hier also das Problem? Der DMSB könnte zum Wohle des Sports den Serien doch einfach die Freigabe erteilen. Es gibt doch bereits zahlreiche Fahrer, die beide Lizenzen und verschiedene Serien fahren.

Wie geht es nun weiter?

Wir gehen davon aus, dass viele der betroffenen Fahrer trotzdem an den Start gehen werden, nur halt nicht unter dem Serien-Namen. Ein Team-Betreuer, die oftmals nicht vom Verband sind, sagte uns: „Inoffiziell dürfen wir trotzdem starten, nur wahrscheinlich unter anderem Namen. Das größe Problem ist aber, dass wir bereits alles organisiert haben und auf die finanzielle Unterstützung in Höhe von 3.000 Euro des Verbandes verzichten müssen.“

Was ist hier also wirklich das Problem? Es ist ein offenes Geheimnis, dass der DMSB die Förderstrukturen vom Breitensport bis zum Leistungssport gern vereinheitlicht und unter einheitlichen Regeln hätte. Auf der anderen Seite möchten die bislang nicht unter dem DMSB-Dach organisierten Serien ihre Eigenständigkeit behalten. Ist dies also einfach nur ein Politikum oder eine gestörte Kommunikation? Oder etwas ganz anderes? Eins ist mal klar: Die CROSS FINALS sind seit vielen Jahren der heiß begehrte Höhepunkt der Amateur-Fahrer.

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