Stark Varg und der noch nicht gewonnene Vorteil

Eddie Karlsson auf der Stark Varg beim SuperEnduro in Riesa

Eddie Karlsson auf der Stark Varg beim SuperEnduro in Riesa. / Foto: Agencja Sport UP

Mit der Anpassung der FIM-EOT/BOP-Regularien für die SuperEnduro-WM 2026 rückt die elektrische Stark Varg erneut in den Mittelpunkt der Diskussion. Kernpunkt der neuen Version ist die Absenkung des vorgeschriebenen Mindestgewichts für Elektromotorräder von bislang 117 Kilogramm auf nun 113 Kilogramm. Auf dem Papier wirkt diese Änderung eindeutig – in der Praxis ist sie deutlich differenzierter zu bewerten.

Zunächst zum regulatorischen Rahmen: Die FIM Equivalence of Technologies (EOT) beziehungsweise Balance of Performance (BOP) soll sicherstellen, dass Elektromotorräder und Verbrenner im FIM SuperEnduro sportlich vergleichbar sind. Sie gilt ausschließlich für die Prestige- und Junior-Klassen der SuperEnduro-WM. Ziel ist keine Bevorzugung einzelner Konzepte, sondern ein fairer Wettbewerb – unabhängig von der Antriebsart.

Fakt ist: Das Mindestgewicht wurde reduziert. Ebenso faktisch ist jedoch, dass diese Reduzierung derzeit keinen realen sportlichen Vorteil erzeugt.

Theorie vs. Realität

Ein niedrigeres Mindestgewicht entfaltet nur dann Wirkung, wenn das Motorrad dieses Gewicht auch tatsächlich erreicht. Genau das ist bei der Stark Varg aktuell nicht der Fall. Trotz technischer Weiterentwicklung liegt das Einsatzgewicht weiterhin oberhalb der neuen Grenze. Die Absenkung der BOP-Marke verändert daher zunächst nicht die Performance auf der Strecke.

Die neue Regel definiert damit einen Zielwert – keinen Ist-Zustand. Von einem Vorteil kann erst gesprochen werden, wenn dieser Zielwert real erreicht wird.

BOP als Steuerungsinstrument, nicht als Privileg

Die FIM nutzt die Equivalence-of-Technology-Regelung nicht als Belohnung, sondern als Korrektiv. Die Anpassung auf 113 Kilogramm ist keine Sonderbehandlung, sondern Ausdruck einer langfristigen Einschätzung: Elektromotorräder werden leichter werden müssen, um auf Dauer gleichwertig konkurrenzfähig zu sein.

Die BOP reagiert damit auf eine erwartete technische Entwicklung – sie greift ihr nicht vor.

Gewicht ist im SuperEnduro ein Schlüsselfaktor

Gerade im SuperEnduro hat das Fahrzeuggewicht eine unmittelbare sportliche Relevanz. Es geht um Balance, schnelle Richtungswechsel, Traktion und körperliche Belastung in extrem kompakten Rennformaten. Jedes Kilogramm beeinflusst das Handling – aber nur dann, wenn es tatsächlich eingespart wird.

Solange das reale Einsatzgewicht der Stark Varg oberhalb der neuen Mindestgrenze liegt, bleibt die theoretische Gleichstellung ohne praktische Konsequenz.

Ein Signal, kein Freibrief

Die Absenkung des Mindestgewichts von 117 auf 113 Kilogramm ist ein klares Signal der FIM, aber keine Abkürzung. Sie öffnet einen regulatorischen Korridor, nutzt ihn jedoch nicht aktiv aus. Die Verantwortung liegt vollständig bei der Technik. Für die Stark Varg bedeutet das: Das Regelwerk schafft eine Perspektive – keinen Vorteil. Erst wenn das Motorrad diese Grenze tatsächlich erreicht, wird aus der theoretischen Gleichstellung ein messbarer Effekt auf der Strecke.

Die nächste Bewährungsprobe folgt bereits an diesem Wochenende, wenn die SuperEnduro-WM in Ungarns Hauptstadt Budapest Station macht und im MVM Dome die nächste Runde der Saison ausgetragen wird.

Bis dahin bleibt die Diskussion sachlich einzuordnen: Die BOP hat sich verändert – die sportliche Realität bislang nicht.