Nach tödlichem Unfall: Eltern von Aidan Zingg klagen
Aidan Zingg verünglückte im Sommer 2025 während eines Rennens tödlich. / Foto: Kawasaki
Der Tod von Aidan Zingg hat den Motocross-Sport im Sommer 2025 erschüttert. Nun gehen seine Eltern einen Schritt weiter. Robert und Shari Zingg haben Klage wegen widerrechtlicher Tötung eingereicht – nicht aus Wut, wie sie betonen, sondern aus dem Wunsch nach Aufklärung.
Aidan war 16 Jahre alt, als er am 28. Juni 2025 bei einem Rennen der Mammoth Motocross-Veranstaltung in Mammoth Lakes stürzte. Was folgte, ist der Kern der juristischen Auseinandersetzung: Aidan ging in einer Kurve zu Boden, blieb regungslos liegen – und das Rennen lief weiter.
Minuten, die nicht hätten vergehen dürfen
Nach Angaben der Klageschrift soll der betroffene Streckenabschnitt in diesem Moment nicht mit einem Streckenposten besetzt gewesen sein. Eine gelbe Flagge oder Lichtsignal wurde offenbar nicht gezeigt. Stattdessen fuhren weitere Fahrer über mehrere Runden hinweg an der Unfallstelle vorbei, während Aidan Zingg bewusstlos auf der Strecke lag.
Laut Darstellung der Familie hätte der Sturz „innerhalb von Sekunden“ erkannt werden müssen. Stattdessen vergingen offenbar mehrere Minuten, ehe das Rennen gestoppt wurde. Minuten, die aus Sicht der Eltern entscheidend gewesen sein könnten.
Zweifel an der Sicherheit
Ein weiterer Punkt der Klage betrifft die Ausrüstung. Aidans Trikot und Protektoren wiesen laut den Unterlagen Spuren von Fremdeinwirkung auf. Der Brustprotektor soll beschädigt gewesen sein – ein Hinweis darauf, dass er möglicherweise von einem weiteren Motorrad getroffen wurde, während er bereits am Boden lag.
Aidan wurde noch am selben Tag ins Krankenhaus eingeliefert, dort jedoch für tot erklärt. Die später festgestellte Todesursache war eine Herzbeuteltamponade – eine Verletzung, bei der sich Flüssigkeit im Herzbeutel sammelt und die Herzfunktion blockiert.
Wer trägt Verantwortung?
Die Klage richtet sich gegen mehrere Beteiligte, darunter Veranstalter, Betreiber des Geländes und den Dachverband American Motorcyclist Association. Es geht nicht um einzelne Fehler, sondern um Abläufe, Zuständigkeiten und Sicherheitsstandards.
Der Anwalt der Familie bringt es nüchtern auf den Punkt: Es gehe um Transparenz und Verantwortlichkeit – dort, wo sie angebracht sei. Sollte das Verfahren dazu beitragen, Rennen sicherer zu machen und ähnliche Situationen künftig zu verhindern, wäre bereits viel gewonnen.
Ein strukturelles Problem
Der Fall steht nicht isoliert. Laut einer Auswertung von USA Today sind seit dem Jahr 2000 mindestens 158 Kinder bei Motocross- und Dirtbike-Unfällen ums Leben gekommen. Der Sport gilt statistisch als einer der gefährlichsten für Minderjährige. Erst wenige Wochen vor Einreichung der Klage kam mit Enzo Badenas ein weiterer Nachwuchsfahrer ums Leben – diesmal bei einem Training in Spanien.
Keine Anklage aus Emotion, sondern aus Verantwortung
Die Familie Zingg fordert keine schnellen Schuldzuweisungen. Sie fordert Antworten. Antworten darauf, warum ein Sturz nicht gesehen wurde. Warum ein Rennen weiterlief. Und ob das System an diesem Tag versagt hat.
Was ein Gericht daraus macht, bleibt abzuwarten. Klar ist nur: Diese Klage ist mehr als ein juristischer Schritt. Sie ist ein Versuch, aus einem Verlust Konsequenzen zu ziehen – für einen Sport, der für viele Leidenschaft ist, aber für manche einen zu hohen Preis fordert.
