Max Anstie über den Zwischenfall mit Haiden Deegan

Max Anstie und Haiden Deegan gerieten beim Supercross in San Diego aneinander

Max Anstie (#61) und Haiden Deegan (#1) gerieten beim Supercross in San Diego aneinander. / Foto: Feld Entertainment

Der Zwischenfall zwischen Max Anstie und Haiden Deegan war kaum vorbei, da wurde schon diskutiert. Zu offensichtlich war der Moment, zu entscheidend die Szene für den Rennverlauf der 250SX Western Division.

Anstie lag in Führung, kontrollierte das Rennen, während Deegan von hinten Druck machte. Als der junge Amerikaner schließlich attackierte, kam es in einer Linkskurve zur Berührung. Anstie ging zu Boden, Deegan konnte weiterfahren. Für den einen war das Rennen damit praktisch gelaufen, für den anderen öffnete sich der Weg nach vorne.

Was folgte, war sportlich schnell erzählt. Doch interessanter als das Ergebnis war die Reaktion danach.

Gelassenheit statt großer Gesten

Max Anstie verzichtete bewusst auf große Worte. Keine Schuldzuweisungen, keine versteckten Spitzen. Stattdessen sprach er ruhig darüber, dass er genau wisse, gegen wen er fährt. Deegan sei schnell, entschlossen, immer bereit, die Lücke zu nutzen. Damit müsse man rechnen – auch wenn man sich wünscht, dass bestimmte Situationen anders ausgehen.

„Das gehört dazu“, ließ Anstie durchblicken. Es war kein Satz der Resignation, sondern einer der Akzeptanz. Ein Moment, der wehtut, ja. Aber keiner, der den Blick nach vorne verstellt.

Verantwortung dort, wo sie beginnt

Auffällig war vor allem eines: Anstie suchte den Fehler zuerst bei sich. Er sprach davon, nicht ganz scharf genug gewesen zu sein, davon, dass sich das Bike aufgestellt habe und alles sehr schnell gegangen sei. Statt Ärger blieb Anerkennung. „Fair play“, sagte er – und meinte es so.

Dass der Kontakt ausgerechnet mit einem Teamkollegen zustande kam, änderte für ihn wenig. Racing bleibt Racing. Wer vorne fährt, weiß, dass er angegriffen wird. Und wer das Red Plate trägt, fährt mit einem Ziel auf dem Rücken.

Der Blick bleibt weit

Trotz des Rückschlags blieb Anstie erstaunlich ruhig. In der Meisterschaft liegt er nun nur einen Punkt hinter Deegan. Nichts ist verloren, noch ist alles offen. Die Starts passen, das Tempo stimmt, das Vertrauen ins eigene Paket ist da. Genau daran will er anknüpfen.

Diese Ruhe kommt nicht von ungefähr. Mit 32 Jahren spricht Anstie nicht mehr wie jemand, der sich von jedem Zwischenfall treiben lässt. Er ordnet ein, nimmt mit, was er lernen kann – und geht weiter. Die Jahre im GP- und Supercross-Zirkus haben Spuren hinterlassen. Gute.

Kein Konflikt, sondern ein Moment

Am Ende blieb kein böses Wort zurück. Im Gegenteil. Anstie würdigte Deegans Tempo und Entschlossenheit. Entscheidungen am Limit gehören zu diesem Sport. Manchmal gehen sie gut aus, manchmal nicht.

So bleibt von diesem Zwischenfall weniger ein Streit als ein Lehrmoment. Einer, den Max Anstie offenbar schneller abhakt, als viele es ihm zutrauen würden. Und genau darin liegt vielleicht seine größte Stärke.