Levi Kitchen: Ein Titeltraum der früh zerbricht

Levi Kitchen ist bereits nach drei Rennen im Titelkampf abgeschlagen

Levi Kitchen liegt nach drei Rennen im Titelkampf bereits abgeschlagen zurück. / Foto: Kawasaki

Der Start in die Saison 2026 der Monster Energy AMA Supercross Championship hätte für Levi Kitchen kaum bitterer verlaufen können. Drei Rennen, drei Main Events – und jedes Mal endete sein Abend praktisch auf den ersten Metern. Noch bevor sich das Feld sortiert hatte, lagen Kitchens Titelhoffnungen bereits im Dreck. Für einen Fahrer, der vor Saisonbeginn als einer der großen Favoriten der 250SX West Division galt, ist das ein sportlicher Scherbenhaufen.

Der rote Faden: Probleme im wichtigsten Moment

Was die Situation so brisant macht, ist nicht ein einzelner Ausrutscher, sondern das Muster. In allen drei Main Events kam Kitchen nicht erfolgreich durch die erste Kurve. Einmal kann man von Pech sprechen, vielleicht auch zweimal. Doch drei identische Szenarien zu Saisonbeginn werfen unweigerlich Fragen auf – vor allem an einen Fahrer, der seit Jahren als eines der größten Talente im US-Supercross gilt.

Dabei ist die Geschwindigkeit unbestritten. In Anaheim 1 fuhr Kitchen trotz Startcrash von ganz hinten noch auf Rang sechs, in San Diego arbeitete er sich vom Ende des Feldes bis auf Platz vier nach vorne. Das Problem ist nicht der Speed, sondern der Moment, in dem er ihn abrufen muss: genau dann, wenn es zählt.

Titelambitionen schon im Januar verspielt

Nach den Resultaten 6–4–21 liegt Kitchen früh abgeschlagen in der Meisterschaft. In einer kurzen, gnadenlosen 250SX-Saison ist das praktisch gleichbedeutend mit dem Aus im Titelkampf. Wer dreimal in Folge im Main Event stürzt, bevor sich das Rennen überhaupt entfalten kann, hat kaum noch Spielraum – selbst wenn danach starke Aufholjagden folgen.

Damit stellt sich zwangsläufig die Frage, ob Kitchens Problem weniger technischer Natur ist, sondern vielmehr im Kopf beginnt.

Hat Haiden Deegan einen Nerv getroffen?

Schon vor Saisonbeginn sorgte Haiden Deegan mit einer Aussage für Gesprächsstoff, als er erklärte, er sehe Levi Kitchen nicht als echten Gegner. Normalerweise perlt so etwas an Profis ab. Doch je länger Kitchens Fehlstarts anhalten, desto mehr drängt sich ein unbequemer Gedanke auf: Hat diese Einschätzung möglicherweise mehr ausgelöst, als man zunächst vermutet hat?

Ob bewusst oder unbewusst – der Druck, es allen beweisen zu wollen, kann lähmen. Gerade bei Starts, wenn Entscheidungen in Sekundenbruchteilen fallen, reicht ein Hauch Unsicherheit. Und genau dort passieren Kitchens Fehler: nicht im offenen Feld, sondern in den Situationen, die über Rennen und Titel entscheiden.

Anaheim 2: Ausnahmsweise Technik statt Kopf

Beim Anaheim-2-Supercross kam jedoch eine neue Komponente hinzu. Nach allem, was bekannt wurde, war es diesmal kein klassischer Fahrfehler. Die Starthilfe löste offenbar nicht aus, das Motorrad blieb vorne tief, ließ sich nicht wie gewünscht einlenken – und der Sturz war kaum noch zu verhindern. In der Folge wurde Kitchen im Getümmel getroffen und musste das Rennen vorzeitig beenden.

Das ändert jedoch wenig am Gesamtbild. Selbst wenn Anaheim 2 technisch bedingt war, bleibt die Bilanz der ersten drei Rennen verheerend – vor allem für einen Fahrer mit Meisterschaftsanspruch.

Speed ohne Kontrolle bringt keine Titel

Levi Kitchen hat alles, was ein Champion braucht: Tempo, Technik, Mut. Doch Titel gewinnt man nicht mit Einzelaktionen, sondern mit Konstanz – und vor allem mit Kontrolle in den entscheidenden Momenten. Drei Startstürze in drei Main Events sind kein Zufall mehr, sondern ein klares Alarmsignal.

Ob mentaler Druck, zu viel Wollen oder eine Verkettung unglücklicher Umstände: Der Saisonstart 2026 zeigt gnadenlos, dass Talent allein nicht reicht. Für den Titel ist der Zug vermutlich bereits abgefahren. Jetzt geht es für Kitchen darum, die Kurve zu kriegen – sportlich wie mental. Houston wird dafür zum nächsten Prüfstein.