KTM-Mutter firmiert endgültig als Bajaj Mobility AG
KTM und Husqvarna sind nun Marken der Bajaj Mobility AG. / Foto: KTM
Der österreichische Motorradkonzern KTM steht vor einem tiefgreifenden Einschnitt: Die bisherige PIERER Mobility AG firmiert seit dieser Woche offiziell als Bajaj Mobility AG. Mit der Eintragung der Namensänderung ins Firmenbuch ist die vollständige Übernahme der Kontrolle durch den indischen Mehrheitsaktionär Bajaj nun auch formell abgeschlossen. Gleichzeitig wurde der Sitz der Holding von Wels nach Mattighofen verlegt – ins Herz des KTM-Standorts im Innviertel.
Der Schritt markiert das Ende einer Ära: Über Jahre hinweg war die Holding eng mit dem Namen Pierer verbunden, nun tritt der Konzern unter der Marke seines strategischen und finanziellen Rückhalts auf. Bajaj ist bereits seit 2007 Partner von KTM, hatte aber bislang nicht die alleinige Kontrolle.
Finanzielle Rettung und Machtverschiebung
Die vollständige Übernahme ist eng mit der wirtschaftlichen Krise bei KTM verknüpft. Im Frühjahr sicherte Bajaj mit einer finanziellen Unterstützung das Fortbestehen des angeschlagenen Motorradherstellers. Im Gegenzug wurde vereinbart, das bislang gemeinsam geführte Unternehmen Pierer Bajaj vollständig zu übernehmen. Damit erlangte der indische Konzern die Kontrollmehrheit an der KTM-Mutter – inklusive der Entscheidungshoheit über Struktur, Sitz und Markenauftritt der Holding.
Mit der Umfirmierung und der Sitzverlegung nach Mattighofen wird diese neue Machtverteilung nun auch nach außen sichtbar gemacht.
Neuer Name, neues Führungsteam
Parallel zur Neuordnung auf Holding-Ebene stellt sich auch KTM personell neu auf. Ab dem 1. April übernimmt Stephan Reiff die neu geschaffene Position des Chief Commercial Officer (CCO). Reiff war zuletzt Top-Manager bei BMW Motorrad, wo er seit 2022 als Vice President Customer, Brand & Sales weltweit für Vertrieb, Marketing und Aftersales verantwortlich war.
Bei KTM wird Reiff künftig zentrale Bereiche bündeln: Vertrieb, Marketing, Markenstrategie, Händlernetz sowie das Aftersales-Geschäft. Ziel ist es, die kommerzielle Schlagkraft der Marke in einem zunehmend kompetitiven und preislich unter Druck stehenden Motorradmarkt zu stärken.
Vorstand wächst auf vier Mitglieder
Mit dem Einstieg Reiffs erweitert sich das Führungsteam von KTM auf vier Personen. Dem Vorstand gehören künftig an:
- Gottfried Neumeister (CEO),
- Petra Preining (Finanzen),
- Verena Schneglberger-Grossmann (Personal und Recht),
- sowie Stephan Reiff (CCO).
Vorstandschef Neumeister spricht von einem „strategisch wichtigen Zugewinn“ und verweist auf Reiffs internationale Erfahrung und seine Erfolge im Premium-Zweiradsegment.
Signalwirkung über KTM hinaus
Der Namenswechsel der Holding ist mehr als ein formaler Akt. Er unterstreicht den wachsenden Einfluss Bajajs auf die strategische Ausrichtung der gesamten Gruppe – zu der neben KTM auch Marken wie Husqvarna und GASGASgehören. Gleichzeitig soll der Schritt Vertrauen bei Investoren, Partnern und Märkten schaffen, dass KTM nach der Krise finanziell stabilisiert und langfristig international positioniert ist.
Für den traditionsreichen österreichischen Motorradhersteller beginnt damit ein neues Kapitel – mit indischem Mehrheitsaktionär, neuem Namen an der Konzernspitze und frischen Impulsen im Management.
