KTM 2-Stroke Prototyp: Mehr als ein Facelift

KTM 2-Stroke Prototyp - Modelljahr 2027?

KTM 2-Stroke Prototyp - Modelljahr 2027? / Foto: Kai Brake

Entgegen Gerüchten, die vor gut zwei Jahren hartnäckig die Runde machten und KTM bereits vom Zweitakter Abschied nehmen sahen, passiert in Mattighofen aktuell ziemlich genau das Gegenteil. Hinter verschlossenen Türen – und inzwischen auch auf ersten Erlkönig-Aufnahmen – arbeiten die Ingenieure sichtbar an den 2-Takt-Bikes der kommenden Jahre. Und was dort entsteht, wirkt alles andere als nostalgisch.

Der aktuelle Prototyp zeigt klar: KTM denkt den Zweitakter neu. Technischer, kontrollierter, moderner. Und vor allem mit einem deutlich analytischeren Ansatz als noch vor wenigen Jahren.

Sensorik als Werkzeug – nicht als Serienversprechen

Das auffälligste Detail bleibt die Sonde im Krümmerbereich. Vieles spricht dafür, dass sie in erster Linie für den Testbetrieb montiert ist. Ziel dürfte sein, präzisere Daten über Abgastemperaturen, Druckverhältnisse oder Verbrennungsabläufe zu sammeln – also genau dort hinzuschauen, wo der Zweitakter traditionell stark vom Setup, den Bedingungen und dem Fahrstil abhängt.

Gerade im Entwicklungsstadium ist diese Art von Sensorik ein logischer Schritt. Sie erlaubt es, Zusammenhänge sichtbar zu machen, die bislang nur über Erfahrung und Gefühl interpretiert wurden. Ob diese Sonde tatsächlich den Weg in ein Serienbike findet, bleibt offen. Sollte das der Fall sein, würden genau jene Parameter abgegriffen, die aktuell im Testbetrieb im Fokus stehen – mit Blick auf Konstanz, Haltbarkeit und nicht zuletzt auch auf künftige Emissionsanforderungen.

Kurz gesagt: Hier geht es weniger um ein fertiges Serienfeature, sondern um ein Werkzeug, mit dem KTM den Zweitakter besser versteht.

Feinarbeit am Zylinder

Auch der Zylinder selbst wirkt überarbeitet. Die Unterschiede zu den 2026er Serienmotoren sind zwar subtil, aber erkennbar. Konturen und Übergänge wurden offenbar angepasst, dazu kommen zusätzliche Sensoren direkt am Bauteil. Das deutet auf eine feinere Überwachung der thermischen Belastung hin – ein sensibles Thema bei leistungsstarken Zweitaktern.

Auffällig ist dabei auch der Hubraum. Mehrere Indizien sprechen dafür, dass KTM nicht nur bestehende Konzepte weiterentwickelt, sondern parallel an einer hubraumstärkeren Variante arbeitet. Konkret scheint eine 360-ccm-Version der SX im Fokus zu stehen. Ein Schritt, der nostalgisch und technisch Sinn ergibt: Mehr Drehmoment, ein breiter nutzbares Leistungsband und zugleich die Möglichkeit, die Belastung pro Kubikzentimeter zu senken – gerade im Hinblick auf Haltbarkeit und kontrollierbare Leistungsabgabe.

Hier wird nicht radikal neu erfunden, sondern gezielt optimiert. Ziel scheint eine stabilere Arbeitsweise über ein breiteres Fenster hinweg zu sein, weniger Ausreißer, mehr Reproduzierbarkeit – gerade unter Rennbedingungen.

Schlanker, näher am Werk

Abseits des Motors setzt sich der Eindruck fort. Die Plastikteile rund um Airbox und Seitendeckel erinnern stark an die bereits gesichteten Viertakt-Prototypen. Größere Lufteinlässe, ein veränderter Zugang zum Luftfilter und insgesamt eine schlankere Silhouette sprechen für ein neues Ansaugkonzept.

Hinzu kommt eine überarbeitete Tank-Sitzbank-Linie, die flacher wirkt und dem Fahrer mehr Bewegungsfreiheit gibt. Alles wirkt durchdacht, funktional und klar auf aktives Fahren ausgelegt. Nicht verspielt, nicht nostalgisch – sondern sehr nah an dem, was man vom Werkssport kennt.

Der Zweitakter als Entwicklungsplattform

Entscheidend ist nicht ein einzelnes Detail, sondern das Gesamtbild. KTM behandelt den Zweitakter nicht als Randprodukt, sondern als ernsthafte Plattform mit Zukunft. Sensorik im Testbetrieb, überarbeitete Zylinderkonzepte sowie neue Ansaug- und Abgassysteme – das ist kein kosmetischer Eingriff, sondern ein echter Entwicklungsschritt.

Ob dabei auch künftige Abgaswerte eine Rolle spielen? Sehr wahrscheinlich. Doch aktuell wirkt der Ansatz nicht wie ein erzwungener Kompromiss, sondern wie eine bewusste, technisch saubere Neuausrichtung.

Noch ist nichts offiziell bestätigt. Aber eines lässt sich kaum leugnen: Der Zweitakter lebt – und KTM investiert sichtbar in seine nächste Evolutionsstufe.