Ken Roczen: Zum WSX-Abschied noch einen Sieg!

Eine letzte Champagner-Dusche für Ken Roczen beim WSX Lauf in Melbourne.

Eine letzte Champagner-Dusche für Ken Roczen beim WSX Lauf in Melbourne. / Foto: SX Global

Wenn man sich einen perfekten Abschied aus der WSX malen würde, dann sähe er ziemlich genau so aus wie der Samstagabend an der Gold Coast. Vor einer riesigen, pulsierenden Kulisse holt sich Ken Roczen mit den Platzierungen 1-4-3 den Gesamtsieg – kein sauberer Durchmarsch, aber ein Abend, der zeigt, was ihn seit Jahren ausmacht: Coolness im Chaos, Geduld, Präzision und ein Selbstverständnis, das nur absolute Topfahrer besitzen.

Und genau dieses Selbstverständnis hörte man in jedem seiner Worte nach dem Rennen. Roczen erzählte, wie viel Arbeit in diesem Wochenende steckte – und dass er sich „gerade wie ein kompletterer Racer denn je“ fühle. Die Starts seien schwierig gewesen, der Dirt extrem tückisch, und „manchmal sind die Leute einfach kreuz und quer gesprungen“. Aber anstatt sich darüber zu beschweren, zog er das Positive heraus. „Es war richtig gutes Training – Überholen, Ruhe bewahren, Entscheidungen treffen. Genau das mache ich das ganze Wochenende.“

Dieser Satz beschreibt seinen Abend perfekt. Während rund um ihn die Positionen fast im Minutentakt wechselten, brachte Roczen immer wieder genau die eine Aktion, die ihn im Ranking rettete oder nach vorne brachte. Kein Fahrfehler zu viel, kein Risiko zu wenig. Einfach Racecraft vom Feinsten.

Hinter ihm: viel Speed, wenig Konstanz

Auch Christian Craig und Cooper Webb hatten die Pace, um das Ding zu gewinnen – aber nicht die Konstanz. Craig ging mit 3-9-1 durchs Programm und holte im letzten Rennen eine absolute Glanzvorstellung raus. Man spürte, wie viel ihm dieser Abend bedeutete. Er meinte, dass es „tausend Gründe gegeben hätte, warum er gar nicht hier sein sollte“, aber er habe nun mal „ein paar der größten Namen im Sport geschlagen“. Das sagte er mit einem Mix aus Erleichterung und Trotz, nachdem er sich im zweiten Moto regelrecht durchkämpfen musste.

Webb wiederum war nach seinem Laufsieg im zweiten Durchgang voll im Titelrennen – bis der letzte Start daneben ging. Er erklärte, dass der Abend insgesamt „ein guter Tag“ gewesen sei, er aber „im Finale einfach nicht das gemacht habe, was möglich gewesen wäre“. Ehrlich, klar, typisch Webb.

Und dann war da noch Haiden Deegan…

Haiden Deegan sorgte im dritten Lauf für den emotionalsten Moment des Abends. Er kämpfte rundenlang mit Eli Tomac, überholte ihn – und konnte selbst kaum glauben, was da gerade passiert. Später sagte er lachend, er hätte sich während des Rennens mehrfach selbst zugerufen: „Ich kämpfe gerade mit Eli Tomac… ich hab Eli Tomac überholt!“

Pure Begeisterung. Pure Energie. Genau deshalb lieben Fans solche Events.

Das letzte Rennen: ein wilder Ritt

Tomac führte zunächst souverän, doch Craig machte Druck, schnappte sich Deegan, schloss auf Tomac auf und setzte schließlich einen harten, aber sauberen Blockpass. Von da an war klar: Wenn jemand dieses Finale gewinnt, dann er. Roczen arbeitete sich zeitgleich durch das Feld, überholte Savatgy, Aranda und später auch Tomac – und rettete sich so noch auf Platz drei.

Craig gewann mit über viereinhalb Sekunden Vorsprung, Deegan blieb dran, Roczen schloss das Lauf-Podium ab. Ein Finale, das die ganze Veranstaltung widerspiegelte: wild, laut, unberechenbar – und mit einem Deutschen, der bis zur letzten Runde fightete.

Ein Abschied mit Ausrufezeichen

Und damit endet Ken Roczens WSX-Kapitel genauso, wie es sich gehört: mit einem Sieg. Ohne Perfektion, aber mit Persönlichkeit. Ohne Routineprogramm, aber mit Renninstinkt. Ohne große Worte – obwohl selbst die saßen.

Es ist ein Abschied, der eine klare Botschaft sendet: Roczen geht ohne Drama, ohne Erklärung – aber mit einem Sieg, der für sich spricht.