Journalistenleben: 24 Stunden unterwegs für zwei Tage MXGP

Reiseroute zum MXGP of China 2026

Reiseroute zum MXGP of China 2026. / Bild: AI

Wie viel Reise steckt eigentlich hinter einem MXGP-Wochenende auf der anderen Seite der Welt? Ja, ich reise mit der Motocross-Weltmeisterschaft um die Welt. Nicht zu jedem Grand Prix, aber regelmäßig genug, um zu wissen, dass die Arbeit an der Strecke oft nur der kleinere Teil der Geschichte ist.

2026 sollte trotzdem noch einmal etwas Besonderes werden. Mit China und Australien standen zum Saisonende zwei Überseerennen im Kalender, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Zwei Grands Prix, zwei Kontinente und dazwischen eine Woche, bei der schon während der Planung die nächste Frage auftauchte: Was mache ich eigentlich zwischen Shanghai und Australien?

Nach Hause fliegen? Macht wenig Sinn. Eine Woche in China bleiben? Möglich. Am Ende fiel die Entscheidung auf Singapur. Wenn man ohnehin schon auf dieser Seite der Erde unterwegs ist, kann man sich schließlich auch noch ein bisschen umsehen.

Doch bevor es so weit ist, muss ich erst einmal nach Shanghai kommen.

Bremen, Amsterdam, Paris, Shanghai

Los geht die Reise in Bremen. Von dort führt mich der erste Flug nach Amsterdam, anschließend weiter nach Paris und erst dann beginnt der wirklich lange Teil in Richtung Shanghai.

Auf der Karte sieht das alles recht übersichtlich aus. In der Realität bedeutet es Flughäfen, Sicherheitskontrollen, Gates suchen, umsteigen, warten, wieder einsteigen und irgendwann komplett das Gefühl dafür verlieren, wie spät es eigentlich ist.

Am Ende stehen rund 24 Stunden Reisezeit. Für eine Veranstaltung, die gerade einmal zwei Tage dauert. Das klingt zunächst ziemlich bescheuert. Und wenn man nur Aufwand und tatsächliche Zeit an der Rennstrecke gegeneinanderstellt, ist es das vermutlich auch ein bisschen.

Aber genau das gehört zu diesem coolen Job.

Ein MXGP in Europa ist vergleichsweise einfach. Auto packen, einige Stunden fahren, Akkreditierung, sofern nötig, abholen und ab ins Paddock. Bei einem Übersee-GP sieht die Sache anders aus. Kameras, Objektive, Laptop und alles, was man für ein komplettes Rennwochenende benötigt, muss mit ins Flugzeug. Dazu kommt die normale Reisetasche für knapp drei Wochen unterwegs.

Und vergessen sollte man möglichst nichts. Ein fehlendes Ladekabel lässt sich noch irgendwie ersetzen. Bei Kameraequipment wird es schon schwieriger.

Zwei Tage Rennen, aber viel mehr als zwei Tage Arbeit

Von außen sieht man später die Bilder, Artikel und Interviews vom Wochenende. Was man nicht sieht, sind die Stunden davor und danach.

Für Shanghai bedeutet das diesmal: einen kompletten Tag unterwegs sein, irgendwo zwischen Amsterdam und Paris schon nicht mehr genau wissen, welcher Kaffee gerade der wievielte war, und nach mehreren Flügen möglichst halbwegs brauchbar in China ankommen.

Denn der Zeitplan wartet nicht darauf, dass ich Jetlag habe.

Genau das macht diese Reise aber auch interessant. Ich fliege nicht für zwei Wochen Urlaub nach China, sondern für einen Motocross-Grand-Prix. Trotzdem führt mich dieser Job an Orte, an die ich sonst wahrscheinlich nie gekommen wäre.

Shanghai ist dabei nur der Anfang.

Nach dem China-GP geht es nicht zurück nach Deutschland, sondern weiter nach Singapur. Ein paar Tage raus aus dem Paddock, bevor mit Australien der nächste und letzte Übersee-GP dieser Reise wartet.

Knapp drei Wochen unterwegs für zwei Rennwochenenden.

Ob sich dieser ganze Aufwand lohnt?

Das werde ich vermutlich spätestens nach dem dritten Flughafen nicht mehr ganz so euphorisch beantworten. Aber genau deshalb möchte ich diese Reise diesmal etwas ausführlicher festhalten – nicht nur das, was am Samstag und Sonntag auf der Strecke passiert.

Sondern auch das ganze Zeug drumherum.

Denn 24 Stunden Anreise für zwei Tage Motocross sind eigentlich schon eine ziemlich passende erste Folge meiner Reise zu den beiden letzten Überseerennen.