Josep Garcia wollte mehr – und holte sich in Riesa das Podium

Josep Garcia bei der zweiten Runde der SuperEnduro WM in Riesa.

Josep Garcia bei der zweiten Runde der SuperEnduro WM in Riesa. / Foto: Future7Media

Platz sechs beim Auftakt in Gliwice war ordentlich. Aber eben nicht das, wofür Josep Garcia den Weg vom klassischen Enduro in die Welt des SuperEnduro antritt. Der Spanier wusste selbst, dass da mehr drin ist – und genau das wollte er bei der zweiten Runde der FIM SuperEnduro World Championship in Riesa zeigen.

Schon früh am Abend war klar: Garcia fühlt sich wohl. Die Strecke in der WT Energiesysteme Arena kam seinem Stil entgegen – viele Hindernisse, wenig Verschnaufpausen, aber genug Flow, um Geschwindigkeit aufzubauen. „Die Strecke passt einfach besser zu mir“, erklärte er später. „Viele Hindernisse, aber ich habe meinen Weg gefunden, hier schnell zu sein.“

Das bestätigte sich spätestens in der SuperPole. Zweitschnellste Zeit im One-Lap-Shootout – ein klares Zeichen, dass Garcia nicht nur zum Lernen da war.

Nicht alles lief glatt – aber genau das machte den Unterschied

Die Rennen selbst verliefen nicht fehlerfrei. Im ersten Lauf verlor Garcia nach dem Start im Getümmel der ersten Kurve wichtige Positionen. Kein Drama, kein Risiko – stattdessen ein kontrollierter Vorstoß nach vorne und Platz vier im Ziel.

Der zweite Lauf wurde dann richtig zäh. Ein Sturz, verlorene Zeit, wieder viel Verkehr. „Der zweite Lauf war nicht einfach, ich hatte einen Crash“, sagte Garcia offen. „Aber manchmal, wenn alles unerwartet kommt, erlebt man die Dinge intensiver.“ Platz sechs – nicht das Highlight des Abends, aber wichtig fürs Gesamtbild.

Der dritte Lauf: genau das, was er sich vorgenommen hatte

Im entscheidenden dritten Durchgang machte Garcia dann genau das, was er sich vorgenommen hatte: guter Start, vorne reinfahren, keinen unnötigen Fehler machen. Kurzzeitig rutschte er zurück, konterte sofort – und brachte Rang zwei sicher ins Ziel. Es war dieser Lauf, der den Abend drehte.

„Ich wollte einfach ruhig bleiben, meinen Rhythmus fahren und 100 Prozent geben“, erklärte er. „Dass es am Ende fürs Podium reicht, war ehrlich gesagt nicht der Plan.“ Und genau das macht diesen Moment besonders. Garcia kam nicht mit dem Ziel Podium nach Riesa. Er kam, um Erfahrung zu sammeln. Um zu verstehen, wie SuperEnduro funktioniert. Dass dabei schon beim zweiten Auftritt ein dritter Gesamtrang herausspringt, überrascht ihn selbst.

„Ich bin stolz auf mich, auf mein Team, auf meine Familie – auf alle, die mich unterstützt haben“, sagte er. „Das ist ein Traum. Ich erinnere mich noch, wie ich als Kind nach Barcelona gefahren bin, um SuperEnduro zu schauen. Und jetzt selbst auf dem Podium der Prestige-Klasse zu stehen, ist etwas ganz Besonderes.“

Lernen statt rechnen

Trotz des Erfolgs bleibt Garcia realistisch. Titelträume? Noch nicht. „Das ist erst mein zweites SuperEnduro-Rennen. Das Motorrad ist ein Enduro-Bike, ja – aber der Sport ist komplett anders. Der Ablauf, das Tempo, alles.“ Zwischen Polen und Deutschland habe das Team zudem einige Anpassungen am Motorrad vorgenommen. Kleine Details, große Wirkung. „Das hat mir hier definitiv geholfen“, so Garcia.

Der Blick geht nun weiter nach Bilbao, wo Garcia seine letzte Wildcard der Saison fährt – vor heimischem Publikum. Mit neuem Selbstvertrauen, aber ohne Erwartungsdruck. „In Bilbao gebe ich wieder 100 Prozent“, sagt er. „Aber jetzt genieße ich diesen Moment. Ehrlich – damit habe ich beim zweiten Rennen wirklich nicht gerechnet.“

Und genau das merkt man ihm an.