Jett Lawrence kritisiert US MX-Amateur-System: Richtige Beobachtung?

Jett Lawrence kritisiert das amerikanische Motocross Nachwuchssystem.

Jett Lawrence kritisiert das amerikanische Motocross Nachwuchssystem.

Also gut. Jett Lawrence schmeißt mal wieder eine Aussage in den Raum, die das halbe Internet auseinander nimmt: Europäische Amateure „smoken“ die amerikanischen. Und ja, seine Begründung klingt erstmal logisch – längere Motos, weniger Chaos-Klassen, echte GP-Strecken, alles ein bisschen mehr „aus einem Guss“. Kann man so sehen.

Aber wenn man sich die Reaktionen anschaut, merkt man schnell: Die Sache ist deutlich komplizierter als Jett sie darstellt.

Europa: Gut organisiert, aber sicher nicht die Zauberformel

Kein Zweifel: EMX-Serien und die gesamte Nachwuchsstruktur in Europa haben Qualität. Da geht’s früh zur Sache, technisch anspruchsvoll, körperlich fordernd – und viele Fahrer sagen, genau das hilft ihnen später enorm.

Aber dann taucht da die berechtigte Frage auf: Wenn Europa so überlegen ist – wo sind all diese Wunderkinder später im Profi-Sport?

MXGP-Felder werden kleiner, viele Talente verschwinden im Nirgendwo, und selbst ein Jorge Prado wirkte in den USA nicht immer wie der Über-Europäer, der aus dem perfektesten System überhaupt kommt. Also „automatischer Erfolg“? Eher nicht.

USA: Viel Kritik – aber die Resultate sprechen auch für sich

Sicher, das amerikanische Amateur-System hat Baustellen. Manche Events haben mehr Klassen als Zuschauer, Moto-Längen wirken manchmal wie Sprint-Trainings und ja, viele Promoter denken eher ans Geld als an die nächste Tomac-Generation.

Trotzdem sollte man nicht so tun, als käme aus den USA nur unfertiges Blockpass-Gehoppel. Tomac. Webb. Sexton. Deegan. Alles Produkte genau dieses kritisierten Systems – und trotzdem absolute Weltspitze.

Außerdem stimmt’s schlicht nicht, dass überall nur 6-Runden-Motos gefahren werden. Loretta’s und viele Regionals fahren längst 20 Minuten. Einige Insider sagen sogar: Jett redet über Zustände von „vor ein paar Jahren“.

Jett’s Sicht: Wertvoll, aber nicht unantastbar

Viele Fans sagen zu Recht: Er war in beiden Systemen – er darf darüber reden. Andere finden seinen Ton unnötig herablassend. Wenn man Sätze wie „brain-dead Rennen“ oder „die Amateure hier suckn“ raushaut, wirkt das schnell wie ein Seitenhieb auf genau das Land, in dem man gerade gut verdient und superstarmäßig gefeiert wird.

Muss man nicht überbewerten, aber wegdiskutieren kann man’s auch nicht.

Und dann: die unangenehme Frage

Wenn in Europa alles so perfekt läuft – warum dominieren dann nicht viel mehr Europäer Supercross und AMA Motocross? Denn das tun sie nicht. Punkt.

Das ehrliche Fazit

Jett hat absolut valide Punkte. Seine Kritik ist nicht aus der Luft gegriffen. Das europäische System hat Vorteile, die man in den USA ruhig mal ernster nehmen könnte.

Aber:

  • Die USA produzieren trotz aller Schwächen immer wieder absolute Weltstars.
  • Europa hat keinen Selbstläufer, der automatisch Champions ausspuckt.
  • Erfolg hängt am Ende an Talent, Mindset, Umfeld und harter Arbeit – nicht am Kontinent.

Kurz gesagt: Jett Lawrence hat eine Meinung. Sie ist interessant. Aber sie ist nicht die ganze Wahrheit.

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