Hunter Lawrence dreht Denver – und macht Salt Lake zum Endspiel

Hunter Lawrence holte in Denver den Sieg und verkürzte den Rückstand in der Meisterschaft auf nur einen Punkt

Hunter Lawrence holte in Denver den Sieg und verkürzte den Rückstand in der Meisterschaft auf nur einen Punkt. / Foto: Feld Entertainment

Denver war kein normales Rennen mehr. Vorletzte Runde der Monster Energy AMA Supercross Saison 2026, dünne Luft im Empower Field at Mile High, harter Boden, wenig Grip – und ein Titelkampf, der längst auf Messers Schneide steht.

Genau an diesem Abend liefert Hunter Lawrence sein vielleicht wichtigstes Rennen des Jahres.

Der Honda-HRC-Pilot gewinnt in Denver nicht einfach nur ein Main Event. Er nimmt Ken Roczen Momentum ab, verkürzt den Rückstand in der Meisterschaft auf einen einzigen Punkt und sorgt dafür, dass Salt Lake City zum echten Endspiel wird.

Früh vorne – und dann weg

Der Start geht zunächst an Jorge Prado. Lawrence ist aber sofort dran. Kein Abwarten, kein Rechnen. Bereits in der zweiten Runde übernimmt er die Führung – und ab diesem Moment verändert sich das Rennen.

Mit freier Strecke vor sich kann Lawrence genau das fahren, was an diesem Abend nötig ist: sauber, kontrolliert, ohne Fehler. Die Strecke ist hart, rutschig und verlangt viel Gefühl. Lawrence beschreibt es nach dem Rennen selbst als einen Kurs, auf dem man genau wählen musste, wo man Druck aufbaut und wo man das Bike eher laufen lässt.

„Das Bike hat mir gegeben, was ich gebraucht habe“, sagt er nach dem Rennen. „Es war eine sehr schwierige Strecke mit wenig Traktion. Man musste sich genau aussuchen, wo man die Kurven fährt und wo man Halt findet.“

Das klingt nüchtern. War aber die Grundlage für einen dominanten Abend.

Roczen hält Schadensbegrenzung

Hinter Lawrence muss Ken Roczen arbeiten. Der Deutsche startet nicht schlecht, steckt aber zunächst hinter Cooper Webb und Prado fest. Erst nach einigen Runden kämpft er sich auf Platz zwei nach vorne. Zu diesem Zeitpunkt ist Lawrence bereits mehrere Sekunden weg.

Roczen versucht kurz, die Lücke zu schließen, entscheidet sich dann aber gegen unnötiges Risiko. Verständlich. Die Strecke kann jederzeit zurückschlagen, wie er später selbst sagt. Platz zwei hält ihn weiter im roten Bereich der Meisterschaft – aber nur noch hauchdünn.

Aus vier Punkten Vorsprung wird einer – dennoch, das Red Plate wird auch in Salt Lake an der Suzuki sein.

Lawrence unter Druck? Genau dann funktioniert er

Spannend ist, wie Lawrence diesen Abend einordnet. Für ihn war klar, was passieren musste. Zwei Rennen vor Schluss durfte er sich keinen Fehler mehr erlauben. Und genau diese Situation scheint ihm eher zu helfen als zu schaden.

„Ich liebe es, wenn man sich durch den Tag arbeiten muss“, sagt Lawrence in der Pressekonferenz. Gemeinsam mit dem Team habe man Schritt für Schritt Verbesserungen gesucht. Kein perfekter Start in den Tag, aber ein perfekter Abschluss.

Noch deutlicher wird er beim Blick auf den Titelkampf: „Das ist mein Titel, den ich verlieren kann“, sagt er. Unter Druck sei er in diesem Jahr der Fahrer gewesen, der liefern könne. Denver war der Beweis dafür.

Tomac zurück – und sofort wieder auf dem Podium

Ein weiterer großer Punkt des Abends: Eli Tomac. Der Lokalmatador kehrt nach seiner Verletzungspause zurück und landet direkt auf dem Podium. Ganz sauber läuft sein Rennen nicht. Nachdem er sein Bike früh ausbremste fällt er zurück und verliert den Kontakt zur Spitze. Danach arbeitet er sich aber Stück für Stück nach vorne und holt Platz drei.

Für Tomac ist das mehr als nur ein Ergebnis. Nach Cleveland, Verletzungssorgen und verpassten Rennen ist dieses Podium vor heimischem Publikum ein klares Signal: Er ist wieder da.

Salt Lake wird zum direkten Duell

Nach Denver ist die Rechnung einfach. Roczen führt weiter – aber nur noch mit einem Punkt. Beide haben fünf Siege. Beide haben zwölf Podestplätze. Webb ist nach seinem schwierigen Abend mathematisch raus.

Damit bleibt nur noch Roczen gegen Lawrence.

Ein Rennen. Ein Titel. Kein Raum mehr für Rechenspiele. Denver hat den Titelkampf nicht entschieden. Aber es hat ihn auf den Punkt gebracht. Lawrence hat genau dann geliefert, als er liefern musste. Roczen hat überlebt. Und Salt Lake City bekommt jetzt das Finale, das diese Saison verdient.

Meisterschaftsstand nach 16 von 17 Runden der 450SX Meisterschaft 2026

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