Honda übernimmt die Kontrolle – Marathon-Etappe setzt erste Zeichen bei der Dakar 2026
Tosha Schareina ist der Gejagte nach vier Etappen der Dakar 2026. / Foto: HRC
Die Dakar Rallye 2026 ist endgültig in ihrer entscheidenden Phase angekommen. Mit der vierten Etappe stand die erste Hälfte der Marathonprüfung auf dem Programm – ein Abschnitt, der traditionell weniger durch blanke Geschwindigkeit als durch Strategie, Übersicht und mechanische Disziplin entschieden wird. Genau hier setzte Monster Energy Honda HRC ein deutliches Ausrufezeichen.
Schareina siegt erneut – Gesamtführung für Honda
Auf der 417 Kilometer langen Wertungsprüfung von AlUla zum Marathon-Refugium zeigte Tosha Schareina eine Vorstellung, wie sie bei der Dakar nur selten zu sehen ist. Der Spanier gewann die Etappe von der Spitze aus, hielt über weite Strecken allein die Führung und sicherte sich damit seinen vierten Tagessieg der laufenden Rallye. Gleichzeitig übernahm er die Gesamtführung – wenn auch hauchdünn.
Denn direkt hinter ihm liegt Teamkollege Ricky Brabec, der mit nur 2:17 Minuten Rückstand Zweiter der Etappe wurde und nun zeitgleich mit Schareina im Gesamtklassement steht. Den Ausschlag zugunsten des Spaniers gibt aktuell lediglich die bessere Tagesplatzierung. Komplettiert wurde das starke Honda-Ergebnis durch Skyler Howes, der Rang drei belegte und damit ein eindrucksvolles Honda-Triple perfekt machte.
KTM bleibt in Schlagdistanz
Während Honda an der Spitze den Ton angibt, agiert Red Bull KTM Factory Racing bewusst abwartend. Auf der ersten Hälfte der Marathon-Etappe ging es weniger darum, Zeit zu erzwingen, sondern vielmehr darum, Material und Reifen für den assistenzfreien Abend zu schonen.
Daniel Sanders erreichte das Marathon-Refugium als Fünfter. Zwei kleinere Navigationsfehler kosteten ihn früh Zeit, doch der Australier steigerte sich im zweiten Teil der Prüfung und bleibt im Gesamtklassement weiter voll im Titelrennen. Der Rückstand auf die Honda-Spitze beträgt lediglich 1:24 Minuten – bei noch zahlreichen anspruchsvollen Etappen ein absolut überschaubarer Abstand.
Auch Luciano Benavides setzte auf Kontrolle statt Risiko. Der Argentinier kam als Siebter ins Ziel und hält weiterhin Rang fünf in der Gesamtwertung. Edgar Canet, der bis vor Kurzem noch die Rallye angeführt hatte, beendete den Tag als Achter und liegt nun auf Gesamtrang vier. Für den Dakar-Debütanten steht weiterhin das sichere Durchkommen im Vordergrund – Erfahrung sammeln statt All-in.
Marathon-Regeln verändern die Dynamik
Die Besonderheit der Etappe: Am Abend war keine externe Hilfe erlaubt. Wartung, Reparaturen und Entscheidungen mussten die Fahrer selbst treffen. Genau hier trennt sich bei der Dakar oft früh die Spreu vom Weizen. Kleine Fehler oder Materialprobleme können sich über Nacht potenzieren – oder den Grundstein für einen entscheidenden Zeitverlust legen.
Deutscher Blick: Maxi Schek solide im Dakar-Alltag
Aus deutscher Sicht bleibt Maxi Schek weiterhin positiv zu bewerten. Nach vier absolvierten Etappen liegt der Deutsche auf Gesamtrang 33 und ist damit aktuell siebtbester Rookie im Feld. Schek fährt bislang sehr kontrolliert, vermeidet unnötige Risiken und bringt sein Material zuverlässig ins Ziel – eine Herangehensweise, die bei der Dakar oft entscheidender ist als einzelne schnelle Etappenzeiten.
Gerade im Marathon-Abschnitt zeigt sich, wie wertvoll ein kühler Kopf und sauberes Arbeiten sind. Für Schek geht es weiterhin darum, Erfahrung zu sammeln und konstant durchzukommen – mit dem Wissen, dass sich viele Platzierungen erst in der zweiten Rallyehälfte entscheiden.
Ausblick
Mit dem zweiten Teil der Marathon-Etappe steht nun ein weiterer Schlüsselmoment bevor. Die Startpositionen versprechen Bewegung im Klassement, insbesondere für die KTM-Fahrer. Gleichzeitig wird sich zeigen, wer die Nacht ohne fremde Hilfe wirklich gut überstanden hat. Die Dakar 2026 bleibt offen – aber Honda hat nach vier Tagen klar das Zepter in der Hand.
