Helmfrage 2026: Was darf ich im DACH-Raum fahren?

LS2 ist einer der wenigen Hersteller mit einem FRHPhe-02-Helm.

LS2 ist einer der wenigen Hersteller mit einem FRHPhe-02-Helm.

Kaum ein Ausrüstungsthema sorgt derzeit für so viele Fragezeichen wie die richtige Helmnorm. Kein Wunder: Nationale Regelwerke, internationale Vorgaben und disziplinspezifische Sonderfälle greifen ineinander – und nicht immer dort, wo man es intuitiv erwarten würde. Für Fahrer mit DMSB-Lizenz bildet das DMSB-Handbuch, genauer gesagt der Orange Teil, die maßgebliche Grundlage. Dort ist festgelegt, welche Schutzhelme bei Motocross-Veranstaltungen die im Rahmen des DMSB ausgetragen werden zulässig sind.

Was auf dem Papier klar wirkt, wird in der Praxis schnell komplex – vor allem dann, wenn Fahrer serienübergreifend unterwegs sind oder internationale Einsätze planen.

Nicht die Marke zählt – sondern das Label

Eine der wichtigsten Klarstellungen vorweg: Entscheidend ist nicht der Helmhersteller, sondern die gültige Zertifizierung. DMSB-Lizenznehmer dürfen bei Motorradsport-Veranstaltungen ausschließlich Helme einsetzen, die einer offiziell anerkannten Prüfnorm entsprechen. Alles andere ist nicht zulässig – unabhängig davon, wie hochwertig oder bekannt ein Modell sein mag.

Deutschland: Diese Helmnormen gelten im Motocross

Für Motocross-Veranstaltungen in Deutschland sind laut den aktuellen DMSB-Schutzhelmbestimmungen folgende Normen zugelassen:

  • Europa: ECE 22-06 (Typ „P“)
  • Japan: JIS T 8133:2015 (Typ 2)
  • USA: SNELL M2015, SNELL M2020D / M2020R, SNELL M2025D / M2025R
  • FIM: FRHPhe-02

Damit ist klar: FRHPhe-02 ist erlaubt, aber nicht automatisch die einzige Option. Auch ECE-, SNELL- oder JIS-zertifizierte Helme bleiben im nationalen Motocross-Reglement zulässig, sofern keine weitergehenden Serienvorgaben greifen.

Blick nach Österreich: Übergangsfristen inklusive

Ein Blick zur AMF zeigt, wie unterschiedlich nationale Verbände mit dem Thema umgehen. In Österreich sind ECE 22-05 sowie SNELL M2015 im Rennsport noch bis einschließlich 31.12.2026 zugelassen. Ergänzend gelten für die Saison 2026 folgende Normen:

  • Europa: ECE 22-05 & ECE 22-06 (nur Typ „P“)
  • Japan: JIS T 8133:2015 (nur Type 2 Full Face)
  • USA: SNELL M2015, M2020D, M2020R, M2025D, M2025R
  • FIM: FRHPhe-02

Das zeigt: Übergangsregelungen sind keine Ausnahme, sondern Teil der Realität – und sie unterscheiden sich von Land zu Land.

Was sagen die Eidgenossen?

Swiss Moto verfolgt bei der Einführung neuer Helmnormen einen bewusst pragmatischen Ansatz. In einer Übergangsphase wird abgewartet, bis die Mehrheit der Hersteller die neue Norm FRHPhb-02 flächendeckend umsetzt und entsprechend marktgängige, breit verfügbare Modelle angeboten werden.

Bis zu diesem Zeitpunkt gelten für die Schweizer Meisterschaften aller Sportarten und Disziplinen weiterhin die im Motocross-Reglement 2026 festgelegten Bestimmungen zu Schutzhelmen (Ziffer 4.9.1 Helme / Helmnormen).

Demnach sind Helme zulässig, die mindestens einer der folgenden Normen entsprechen:

  • Europa: ECE 22.06 (ausschließlich Typ „P“)
  • USA: SNELL M2015, SNELL M2020
  • Japan: JIS T 8133:2015
  • FIM: FRHPhb-02

Eine verpflichtende Zertifizierung nach FRHPhb-02 ist damit derzeit nicht exklusiv vorgeschrieben. Die Norm ist als zusätzliche, zulässige Option aufgeführt und steht gleichberechtigt neben den genannten internationalen Standards.

Welt- und Europameisterschaften

Fahrer und Fahrerinnen die sich den Strapazen und finanziellen Kosten der Teilnahme an Läufen zur Motocross Welt- oder Europameisterschaft aussetzen, unterliegen im Normalfall dem Regelwerk der FIM. Hier gilt, wenn auch mit einigen Einschränkungen (SuperEnduro), seit dem 1.1.2026, zumindest für die Prädikate WMX, MX2 und MXGP verpflichtend die Norm FRHPhe-02.

Und jetzt kommt es: Die EMX-Serien werden nicht direkt unter der FIM, sondern unter dem Dach der FIM Europe ausgetragen. Damit fallen sie formal nicht unter das FIM-Reglement, auch wenn sich die FIM Europe in ihrer Ausrichtung eng an den Vorgaben der FIM orientiert.

Diese Angleichung soll nach aktuellem Stand auch in der Saison 2026 gelten und den verpflichtenden Einsatz von Helmen mit der Norm FRHPhe-02 vorsehen. Spricht man jedoch mit Teams und Fahrern, hört man zunehmend, dass offenbar an einer Änderung dieser Regelung gearbeitet wird und künftig auch Helme ohne FRHPhe-02-Zertifizierung zugelassen werden könnten. Entsprechende Anfragen an die FIM Europe sind bislang unbeantwortet geblieben.

Lesen lohnt sich – Nachfragen auch

Wer Motocross fährt, sollte sich nicht auf Hörensagen verlassen. Das jeweilige Serienreglement, nationale Übergangsfristen und internationale Vorgaben können sich unterscheiden – teilweise deutlich. Sicherheit beginnt nicht erst auf der Strecke, sondern bei der klaren Einordnung der Regeln. Und im Zweifel gilt: lieber einmal mehr ins Reglement schauen oder direkt beim Verband nachfragen, als später mit dem falschen Helm am Vorstart zu stehen.