Haiden Deegan: Chaos und Zweifel in Gold Coast
Haiden Deegan auf den Zuschauerrängen des WSX Melbourne 2025. / Foto: SX Global
Die dritte Runde der WSX 2025 in Gold Coast war alles, aber bestimmt keine normale Rennnacht. Für Haiden Deegan fühlte sie sich sogar an wie ein wilder Ritt zwischen Frust, Adrenalin und purem „Jetzt oder nie“. Was für die Zuschauer nach spektakulären Battles und engen Zweikämpfen aussah, war für ihn ein Abend, an dem gefühlt nichts richtig zusammenpasste.
Von den ersten Trainingsrunden an kämpfte Deegan mit einem Bike, das sich nicht so anfühlte, wie es sollte. Er sagte später, er habe den ganzen Tag versucht, damit klarzukommen – ohne irgendwelche Leute oder Setups öffentlich zu „bashen“. Aber man sah es sofort: seine Rhythm-Lines kamen nicht wie gewohnt, der Flow war weg, und an manchen Stellen wirkte er eher wie ein Passagier auf dem Motorrad als der Fahrer, der das Rennen kontrolliert.
Und ja – er gab zu: Er hatte ein schlechtes Gewissen den anderen Fahrern gegenüber, weil sich das Bike an manchen Stellen unberechenbar verhielt.
Kurz vor dem dritten Finale: Ein Junge allein mit seinen Gedanken
Der vielleicht ehrlichste Moment des Abends passierte abseits der Kameras: Deegan stand kurz davor, das letzte Finale gar nicht mehr zu fahren.
Er fühlte sich unsicher, frustriert und – ganz selten für ihn – nicht konkurrenzfähig. Doch während er darüber nachdachte, einfach hinüberzugehen und das Moto abzuschenken, erinnerte er sich an ein Zitat von Kobe Bryant. Kobe hasste es, wenn Profis einzelne Spiele ausließen. Fans bezahlen für genau diese Auftritte – und er fand es respektlos, wenn Sportler dann nicht liefern.
Dieser Gedanke packte Deegan. Er sagte sich sinngemäß: „Viele Leute hier haben nicht viel, aber sie haben bezahlt, um mich fahren zu sehen. Ich werde nicht der Typ sein, der dann einfach nicht fährt.“
Und genau da drehte der Abend.
Das letzte Moto: Technische Probleme? Ja. Aber Herz? 110 Prozent.
Obwohl das Team vor dem dritten Lauf noch einmal am Bike schraubte, war es weit weg von „perfekt“ – aber zumindest fahrbar. Und Deegan ging raus, als hätte er etwas zu beweisen.
Was folgte, war sein bestes Rennen des Abends. Nicht, weil plötzlich alles stimmte, sondern weil er die Situation einfach annahm und alles reinwarf, was er hatte. Und dann kam dieser Moment: Er fand sich im Kampf mit Eli Tomac wieder.
Nach dem Rennen sagte er mit breitem, halb ungläubigem Grinsen, er habe unterm Helm gedacht: „Ich battl’ gerade wirklich mit Eli Tomac… das fühlt sich nicht real an.“ Ein Traum-Moment für jeden jungen Fahrer. Und für Deegan wahrscheinlich der emotionalste der gesamten Saison.
Starts stark – Gatepick katastrophal
Dass er trotz aller Probleme vorne hätte mitfahren können, sah man schon an seinen Starts. Drei Mal hätte er fast den Holeshot gehabt – doch sein Gatepick lag zu weit außen. Jede Situation lief gleich: Top-Reaktion, Power bis zum Turn-in … und dann wurde einfach zugemacht. Er selbst sagte dazu: „Mit einer besseren Quali hätte ich drei Holeshots gehabt – safe.“
Warum war das Racing so eng? Die Strecke ließ kaum Spielraum
Deegan erklärte, dass die Gold Coast-Strecke extrem ausgeglichen war. Fast alle Fahrer sprangen dieselben Lines. Der einzige Unterschied, der wirklich zählte: Wer kontrollierte die Slick-Turns – und wer beherrschte die Whoops.
Deegan hatte genau dort zuletzt viel gearbeitet, vor allem daran, das Hinterrad besser zu spüren, wenn es rutschig wird. Und er fand: „Heute wurde ich darin echt besser.“
Ein schwieriger Abend
Gold Coast war kein sauberer Abend für Haiden Deegan. Kein perfekter. Kein dominanter. Aber: Es war einer der Abende, die Fahrer größer machen. Er hat gekämpft. Er hat sich durch Unsicherheit, Technikfrust und mentale Zweifel durchgebissen. Und am Ende fuhr er sein bestes Rennen – gegen einen der größten Namen des Sports.
Manchmal sind es genau die Nächte, in denen nichts funktioniert, die zeigen, was ein Fahrer wirklich in sich trägt. Für Haiden Deegan war Gold Coast genau so eine Nacht.
