Giuseppe Luongo tritt ab: Was kommt nach dem Don der letzten 40 Jahre?
Giuseppe Luongo mit Sohn David. / Foto: IMR
So. Da ist es also: Der Abschied von Giuseppe Luongo, der Mann, der im Motocross ungefähr so allgegenwärtig war wie Startgeräusche am Rennsonntag. Bei der Infront-Moto-Racing-Sitzung am 10. Dezember 2025 hat er seinen Rücktritt erklärt – mit 65, nach über 50 Jahren im Sport und 42 Jahren als Promoter, der praktisch jede Schraube der MXGP einmal in der Hand hatte.
Und jetzt? Jetzt übernimmt sein Sohn David. Ein klarer Übergang, eine saubere Staffelstab-Übergabe – und natürlich viel Stoff für Diskussionen.
Der Mann, der den MX-Sport groß machte – im Guten wie im… naja, Sagen wir: weniger einfachen Teil der Geschichte.
Luongo war nicht einfach nur Promoter. Er war der Architekt. Der Typ, der sagte: „Warum nicht Livestreaming?“ – und plötzlich hatte Motocross 2011 als erste WM-Sportserie ihre eigene Streamingplattform. Er hat Serien gegründet, Paddocks modernisiert, Sicherheit hochgeschraubt, über 800 Events organisiert und gefühlt jede Legende dieses Sports auf irgendeine Weise begleitet.
Kurz: Ohne Luongo würden wir Motocross heute wahrscheinlich in pixeligen YouTube-Resten schauen, statt in einer globalen Show.
Aber hey – wenn jemand so lange am Steuer sitzt, sammelt er nicht nur Rekorde, sondern auch Gegenwind. Stichwort: Machtkonzentration. Viele fanden’s großartig, dass einer den Laden zusammenhält. Andere fanden’s… sagen wir: etwas zu viel „Vaterfigur“ für einen ganzen Sport.
Ein Abschied mit Emotionen – und der Erkenntnis: Motocross war sein Lebenswerk
In seiner Abschiedsrede wurde Luongo ungewohnt weich. Er spricht über Träume, über seine Zeit als Fahrer, über die Leute, die ihn getragen – und die, die ihn kritisch begleitet haben. Er bedankt sich bei gefühlt jedem, der schon mal ein Motorrad berührt hat. Und natürlich bei seiner Familie, die er nun endlich öfter sieht als nur im Race-Office.
Die FIM verneigt sich, Infront ebenfalls. „Visionär“, „Pionier“, „Herz des Sports“ – alles dabei. Und ja, verdient ist das. Der Mann hat den Sport globalisiert, poliert, digitalisiert und für Sponsoren salonfähig gemacht.
David übernimmt – frischer Wind oder weiter wie bisher?
Jetzt kommt David Luongo. Er ist jung, medienaffin, digital drauf und kennt die MXGP von klein auf – was sowohl ein Vorteil als auch ein „Na gut, wir bleiben also in der Familie“-Moment ist.
Die Szene fragt sich zurecht: Wird das jetzt ein echtes neues KapitelOder eine Fortsetzung – nur mit einem frischeren Instagram-Feed? Keiner weiß es, aber alle schauen genau hin.
Das Vermächtnis: riesig, komplex, prägend
Egal, ob man ihn gefeiert oder manchmal geflucht hat: Giuseppe Luongo hat den modernen Motocross-Sport geschaffen. Punkt. Er hat ihn groß gemacht, sichtbar gemacht und strukturiert – manchmal streng, aber fast immer visionär. Seine Entscheidungen haben nicht nur Events, sondern Denkweisen verändert.
Jetzt verabschiedet sich der vielleicht einflussreichste Mann der Szene – und der Sport steht an einer Weggabelung, die spannend werden könnte.
Luongo geht – die MXGP bleibt.
Nur die Frage, wie sie sich weiterentwickelt, ist plötzlich wieder richtig offen. Und mal ehrlich: Genau das macht den Sport doch lebendig.
