FRHPhe-02 – Helmnorm ohne klare Linie?

Bell ist eine der zehn Marken, die einen FRHPhe-02 homologierten Helm vorweisen können.

Bell ist eine der zehn Marken, die einen FRHPhe-02 homologierten Helm vorweisen können.

Die Diskussion um die FRHPhe-02-Helmnorm nimmt inzwischen eine Richtung, die man nicht mehr einfach mit „Übergangsphase“ oder „Einzelfällen“ erklären kann. Offiziell gilt die Norm für die Weltmeisterschaftsklassen MXGP, MX2 und WMX seit dem 1. Januar 2026. Inoffiziell entsteht jedoch zunehmend der Eindruck, dass diese Regel zwar existiert – ihre Anwendung aber flexibel gehandhabt wird.

Denn parallel zu den Gerüchten, wonach die EMX-Klassen nicht an die FRHPhe-02 gebunden sein sollen, zeigt ein Blick auf andere Serien ein noch größeres Problem: Selbst in offiziell von der FIM als Weltmeisterschaft anerkannten Wettbewerben scheint die Regel nicht konsequent umgesetzt zu werden.

SuperEnduro als unbequemer Beleg

Ein besonders deutliches Beispiel liefert die FIM SuperEnduro World Championship. Dort starteten in Bilbao mehrere Fahrer mit Helmen, die nach aktuellem Stand nicht FRHPhe-02-konform sind. In der Youth- und Junior-Klasse waren unter anderem Modelle von ShoeiRaven, Shot oder sogar KYT zu sehen. Dem nicht genug, rollte Diogo Vieira mit einem Helm der Marke Kenny ans Gatter und das in der Prestige-Klasse, der höchsten Klasse der SuperEnduro Weltmeisterschaft.

Das ist keine Randnotiz. SuperEnduro ist keine nationale Serie, kein Show-Event, kein Sonderformat – sondern eine von der FIM offiziell geführte Weltmeisterschaft. Wenn dort Regeln gelten sollen, dann gelten sie dort zuerst. Oder sie gelten eben nicht.

Regeln ohne Durchsetzung sind keine Regeln

Genau hier liegt der Kern des Problems. Entweder ist die FRHPhe-02 eine verbindliche Sicherheitsnorm – oder sie ist ein Empfehlungskatalog mit Ausnahmen. Beides gleichzeitig funktioniert nicht. Wer eine Regel einführt, sie aber nicht sichtbar kontrolliert oder Ausnahmen nicht transparent kommuniziert, untergräbt ihre eigene Glaubwürdigkeit.

Besonders irritierend ist dabei die fehlende Kommunikation. Sollte es Übergangsregelungen geben, sollten bestimmte Klassen ausgenommen sein oder zeitlich gestaffelte Einführungen geplant sein – dann gehört das offen benannt. Alles andere wirkt wie Regelwerk nach Bedarf.

Nachwuchs, Budget, Realität

Natürlich lässt sich argumentieren, dass nicht jeder Fahrer sofort Zugriff auf einen FRHPhe-02-zertifizierten Helm hat. Verfügbarkeit, Kosten, Sponsorverträge – all das sind reale Faktoren. Aber dann muss man ehrlich sein und sagen: Diese Norm ist aktuell nicht flächendeckend durchsetzbar.

Ein weiterer Aspekt verschärft die Diskussion zusätzlich: Helme sind im professionellen Motorsport längst nicht nur Sicherheitsausrüstung, sondern ein zentraler Bestandteil von Sponsorenverträgen. Für viele Fahrer wird der Helm nicht frei gewählt, sondern ist vertraglich gebunden – oft über mehrere Jahre hinweg. Genau hier entsteht ein Problem, wenn Regelwerke zwar existieren, ihre Anwendung jedoch unklar bleibt.

Solange nicht eindeutig kommuniziert wird, in welchen Klassen und unter welchen Voraussetzungen die FRHPhe-02-Norm tatsächlich verbindlich ist, können sich Fahrer kaum festlegen. Die Gefahr, sich auf einen Hersteller zu verpflichten und diesen später nicht mehr einsetzen zu dürfen, ist real. Das sorgt für Zurückhaltung, Unsicherheit und letztlich für eine Grauzone, in der sportliche Praxis und formale Regeln nicht deckungsgleich sind.

Was nicht funktioniert, ist so zu tun, als gäbe es eine klare Linie, während die Praxis etwas völlig anderes zeigt. Gerade im Nachwuchsbereich, wo Eltern, Teams und Fahrer Orientierung brauchen, ist diese Grauzone problematisch.

Einheitlicher Anspruch oder Flickenteppich?

Wenn EMX-Fahrer von der Norm ausgenommen sein sollten, während WM-Fahrer sie zwingend erfüllen müssen, gleichzeitig aber in anderen WM-Formaten die Umsetzung nicht vollzogen wird, bleibt am Ende nur ein Eindruck zurück: Die FRHPhe-02 ist derzeit weniger ein verbindlicher Standard als ein selektiv angewendetes Regelwerk.

Das mag organisatorisch erklärbar sein – sportlich und sicherheitstechnisch ist es schwer vermittelbar.

Am Ende geht es nicht um Logos auf Helmen oder um Formalitäten. Es geht um Glaubwürdigkeit. Entweder man steht hinter einer Regel und setzt sie konsequent um – oder man muss den Mut haben, zu sagen, dass man noch nicht so weit ist. Alles dazwischen ist weder transparent noch fair.

Und genau deshalb ist die Diskussion um die FRHPhe-02 längst keine technische mehr. Sie ist eine Frage von Verantwortung.