FRHPhe-02 – ein Jahr zu früh: Warum Shoei erst 2027 liefern kann
Jeremy Seewer setzte über 10 Jahre auf Shoei-Helme
Diese Trennung hatte nichts mit Leistung, Vertrauen oder sportlicher Ausrichtung zu tun. Sie war eine Frage des Timings. Die Zusammenarbeit zwischen Jeremy Seewer und Shoei endete nicht, weil eine Seite es wollte – sondern weil neue Regularien keine Übergangslösung zulassen.
Wie wir schon mehrfach berichteten, schreib ab der Saison 2026 die Fédération Internationale de Motocyclisme (FIM) bei allen von ihr sanktionierten Offroad-Wettbewerben verpflichtend die Helmnorm FRHPhe-02 vor. Ohne diese Homologation gibt es keine Startberechtigung mehr – weder in der MXGP noch auf internationaler Bühne.
Shoei: Lösung ja – aber nicht rechtzeitig
Auf unsere Presseanfrage bestätigte die Shoei Distribution GmbH, dass man einen entsprechend zertifizierten Motocross-Helm erst ab der Saison 2027 anbieten wird. In der Antwort heißt es, dass zahlreiche globale Homologationsänderungen einen erheblichen Entwicklungsaufwand erfordert hätten. Die FIM-02-Prüfung habe deshalb für 2026 nicht realisiert werden können. Gleichzeitig betont Shoei, dass man intensiv an einer Lösung arbeite.
Für die Saison 2026 bedeutet das jedoch eindeutig: Shoei wird keinen MX-Helm mit gültiger FRHPhe-02-Zulassung im Programm führen.
Keine Übergangslösung, kein Interpretationsspielraum
Der legendäre VFX-WR, über Jahre hinweg fester Bestandteil des Grand-Prix-Paddocks, wird für 2026 nicht nachhomologiert. Aus Herstellersicht ist das nachvollziehbar. Das Modell wird kaum noch von Fahrern eingesetzt, die regelmäßig an FIM-sanktionierten Wettbewerben teilnehmen. Der Aufwand einer Nachprüfung steht wirtschaftlich in keinem sinnvollen Verhältnis.
Für Fahrer auf WM-Niveau bleibt damit kein Spielraum. Wer 2026 starten will, braucht einen zugelassenen Helm – unabhängig von Historie oder Partnerschaft.
Seewer musste reagieren
Damit war klar, dass Jeremy Seewer handeln musste. Die über viele Jahre gewachsene Zusammenarbeit mit Shoei konnte unter diesen Voraussetzungen nicht fortgeführt werden. Nicht, weil es an Vertrauen oder gegenseitigem Respekt gefehlt hätte – sondern weil das Reglement keine Ausnahmen kennt.
Kein Abschied für immer
Wichtig ist die Einordnung: Shoei zieht sich nicht aus dem Motocross zurück. Der Hersteller plant die Rückkehr mit einem FIM-02-konformen MX-Helm ab 2027. Ebenso wenig ist Seewers Wechsel eine Abkehr aus Überzeugung. Es ist eine Übergangslösung, erzwungen durch neue technische Standards.
Der Fall zeigt, wie stark Regularien inzwischen in den Profisport eingreifen. Ein Jahr Unterschied reicht aus, um selbst langjährige Partnerschaften unhaltbar zu machen. Für 2026 war die Trennung unausweichlich. Ab 2027 könnte die Situation bereits wieder eine andere sein.
