Evgeny Bobryshev über das durch die FIM verhängte Startverbot

Evgeny Bobryshev über seine derzeitige Situation

Evgeny Bobryshev über das FIM Startverbot / Foto: Honda

Evgeny Bobryshev ist wohl Russlands bekanntester und auch beliebtester Motocross Pilot und seit gut einem Jahr quasi ohne Job. Anfang März hatte die FIM, aufgrund des russischen Einmarsches in der Ukraine, ein komplettes Verbot für Fahrer und Teams mit russischen und weißrussischen Lizenzen angekündigt, an von der Föderation unterstützten Veranstaltungen teilzunehmen, einschließlich der MXGP und ihrer Supportklassen. Nun teilte Evgeny Bobryshev seine Sichtweise zu diesem Startverbot mit.

Evgeny, wie geht es dir, im Moment? Lass uns deine Seite der Geschichte hören.

Weil ich den russischen Pass habe, verbietet mir die FIM seit März 2022 an Rennveranstaltungen teilzunehmen, dabei lebe ich seit ich 16 bin in den Niederlanden. Meine Kinder sind dort geboren, haben den niederländischen Pass, auch meine Frau ist Niederländerin. Selbst eine Aufenthaltsgenehmigung besitze ich, also ist mein komplettes Leben dort.

Ich kann nirgendwo Rennen fahren. Auch in Kanada, Brasilien und Südafrika habe ich es versucht, aber selbst in dem Land, in dem ich mehr als die Hälfte meines Lebens verbracht habe, nämlich in den Niederlanden, kann ich nicht an lokalen Rennen teilnehmen. Mein Plan 2022 war es, an der Britischen Motocross Meisterschaft und den AMA Pro Motocross teilzunehmen, doch ich kann weiterhin nur trainieren. Aber das ist nicht das, was ich gerne mache.

Wenn ich trainiere, versuche ich einfach, Zeit auf dem Bike zu verbringen, das ist alles. Ich habe mir Ziele gesetzt, aber im Moment ist alles sehr verschwommen. Leider weiß ich nicht, wie lange die Sperre sein wird, denn die FIM gibt mir keinerlei Antworten.

Ja ich weiß, dass Russland in die Ukraine einmarschiert ist und die FIM alle russischen Sportler mit dieser Sperre belegt hat. Sie sagen einfach, dass Russen nicht fahren dürfen, ohne die individuelle Situation zu berücksichtigen. Vielen Menschen geht es so wie mir, sie haben die meiste Zeit ihres Lebens in Europa gelebt und Steuern gezahlt usw. Aber das ist ihnen egal, denn ich habe einen russischen Pass und das war’s, du kannst nicht fahren!

Das Problem ist, dass man nicht einmal lokale Rennen fahren kann, wie z.B. eine nationale Meisterschaft, wo auch immer, weil alles mit der FIM zusammenhängt und viele Verbände mit der FIM verbunden sind. Wie gesagt, ich stand in Kontakt mit dem niederländischen Verband, doch auch der muss die FIM-Regeln befolgen. Es ist hart, wenn man nur trainiert, aber keine Rennen fahren darf.

Deine Geschichte, scheint verrückt. Ukrainische als auch russische Fahrer sollten Rennen fahren können, und nicht für politische Auseinandersetzungen bestraft werden, zu denen sie keinen Kontakt haben. Die FIM und die AMA sollten hier eine Möglichkeit finden den Sportlern offen entgegen zu treten. In der UFC oder beim Tennis gibt es schließlich auch russische Spitzensportler.

Ja, da stimme ich voll zu. Es gibt andere Sportarten, in denen Russen antreten dürfen. Sagen wir Tennis bei den Australian Open, eine der größten Sportveranstaltungen. Die ist nichts im Vergleich zum Motocross, aber zum Glück nicht. Die FIM hat diese Position auch in der AMA eingenommen, um ehrlich zu sein, habe ich erwartet, dass die AMA, wie ich schon sagte, nicht mit der FIM gleichzieht. Aber ich habe mich geirrt. Es ist nicht meine Schuld, was hier passiert und warum wir uns mit der politischen Situation dort herumschlagen müssen. Wir haben nicht die Macht, etwas zu ändern, verstehst du?

Ob wir Evgeny Bobryshev irgendwann wieder in einem Rennen sehen werden hängt von vielen Faktoren ab, doch eine Bereicherung für die Paddocks der Welt wäre er allemal.

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