Etappe 11 stellt die Dakar auf den Kopf

Skyler Howes holt in Stage 11 seinen ersten Etappensieg bei der Dakar 2026.

Skyler Howes holt in Stage 11 seinen ersten Etappensieg bei der Dakar 2026. / Foto: HRC

Die elfte Etappe der Dakar Rally lieferte genau das, wofür dieses Rennen seit jeher steht: taktische Manöver, verschobene Kräfteverhältnisse und Fahrer, die nicht nur mit dem Gasgriff, sondern auch mit dem Kopf arbeiten mussten. Auf dem Weg nach Al Henakiyah ging es weniger um pure Sekundenjagd als um Positionierung für den entscheidenden Schlag.

Skyler Howes feiert lange ersehnten Etappensieg

Im Mittelpunkt des Tages stand Skyler Howes. Der Kalifornier, bekannt für seinen Hang zur Show ebenso wie für seine Vielseitigkeit im Offroad-Sport, sicherte sich bei seinem achten Dakar-Start endlich seinen ersten Etappensieg. Damit ist er erst der neunte US-Amerikaner, dem ein Tageserfolg bei der Rallye gelungen ist.

Das schnelle, offene Terrain kam Howes entgegen – Bedingungen, wie er sie von Rennen in Nordamerika bestens kennt. Zwar wird der Tagessieg nichts mehr an seiner finalen Gesamtplatzierung ändern, doch emotional hatte der Erfolg enormes Gewicht. Entsprechend zufrieden zeigte sich der Honda-Pilot im Ziel:

„Ich bin sehr glücklich. Die Etappe war extrem schnell, und ich habe bei der Navigation einen richtig guten Job gemacht und bis zum Ende gepusht. Für mich war das eine perfekte Etappe. Der Sieg bedeutet mir viel, vor allem, weil ich damit dem Team etwas zurückgeben kann – sie haben Etappensiege wirklich verdient. Morgen ist meine Aufgabe klar: Ich muss erneut einen perfekten Job machen. Ich freue mich darauf, die Etappe zu eröffnen, mein Bestes zu geben, keinen einzigen Fehler zu machen und Ricky in eine möglichst gute Ausgangsposition zu bringen. Mehr kann ich nicht tun.“

Honda setzt auf Taktik statt Risiko

Während Howes seinen Moment feierte, wurde im Lager von Monster Energy Honda HRC strategisch gerechnet. Das große Ziel bleibt der dritte Gesamtsieg von Ricky Brabec – und dafür nahm man sogar in Kauf, die Führung abzugeben.

Adrien Van Beveren nutzte seine Rolle als Etappenöffner, um nach dem Tanken auf Brabec zu warten und die Bonussekunden zu teilen. Brabec selbst ging noch weiter: Gegen Ende der Etappe nahm er bewusst Tempo heraus, um für den Folgetag eine günstigere Startposition zu erhalten – direkt hinter seinem Hauptkonkurrenten.

Benavides übernimmt die Spitze – und den Druck

Der neue Gesamtführende heißt Luciano Benavides. Der KTM-Pilot liegt nun hauchdünn mit 23 Sekunden Vorsprung an der Spitze. Doch die Führung bringt auch eine schwierige Rolle mit sich: Als Etappen-Eröffner trägt Benavides die Navigationslast, während Brabec sechs Minuten später starten darf.

Die Ausgangslage verspricht ein hochspannendes Duell – mit offenem Ausgang.

Sanders angeschlagen, Canet rückt in Schlüsselrolle

Für Daniel Sanders gab es zumindest vorsichtige Entwarnung. Trotz Schulterverletzung erreichte er das Ziel, blieb mit der 13. Tageszeit jedoch deutlich unter seinen Möglichkeiten und kann im Titelkampf kaum eingreifen.

Dafür könnte Edgar Canet taktisch an Bedeutung gewinnen. Nach seinem dritten Platz startet er auf der kommenden Etappe drei Minuten vor Benavides – eine Position, die im Kampf um Sekunden und Navigation eine wichtige Rolle spielen könnte.

Vor dem Finale ist alles offen

Etappe 11 hat die Kräfteverhältnisse neu sortiert. Ein Etappensieger feiert seinen Durchbruch, der Favorit gibt bewusst die Führung ab, und der neue Leader steht unter maximalem Druck. Die Dakar 2026 steuert auf ein Finale zu, in dem Präzision, Taktik und Nervenstärke über Sieg oder Niederlage entscheiden werden.

Gesamtwertung der Dakar 2026 nach Stage 11 (Top 20)

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