Dortmund startet mit Drama, Stürzen und Gänsehaut-Momenten

Das ADAC Supercross Dortmund bot spannende Rennen, aber auch den ein oder anderen Zwischenfall

Das ADAC Supercross Dortmund bot spannende Rennen, aber auch den ein oder anderen Zwischenfall. / Foto: ADAC

Der Freitagabend in der Westfalenhalle Dortmund war vieles – nur kein sanfter Saisonauftakt. Zum Start der 41. Ausgabe des ADAC Supercross Dortmund bekamen Fahrer und Fans gleichermaßen zu spüren, dass hier nichts geschenkt wird. Enge Rennen, späte Wendungen, große Emotionen – und auffällig viele Stürze prägten einen ersten Abend. Sportlich war der Abend hochklassig, aber auch fordernd.

Schwierige Bedingungen als stiller Hauptdarsteller

Schon früh zeichnete sich ab, dass der Untergrund eine zentrale Rolle spielen würde. Der eigentlich griffige Lehmboden präsentierte sich ungewöhnlich feucht. Er entwickelte im Laufe des Abends tiefe Spurrillen und tückische Kanten, was zu zahlreichen Stürzen führte. Ein Umstand, der weniger mit fahrerischem Können als vielmehr mit den speziellen Gegebenheiten zusammenhängt. Dieser Boden wird über rund 360 Tage im Jahr nicht genutzt und unter einer Plane gelagert. Offenbar gibt es mit zu wenig Möglichkeit, vollständig abzulüften. Die Folge waren starke Rillenbildung, unberechenbare Grip und zahlreiche Abflüge selbst bei ausgewiesenen Supercross-Spezialisten.

Wie schon im Vorjahr wird den Verantwortlichen im Verlauf des Wochenendes nur der Griff zum bewährten Kalk bleiben. So könnte dem Boden Feuchtigkeit entzogen werden. Eine nachhaltige Anpassung für die kommenden Jahre wird intern bereits diskutiert.

SX1: Drama bis zur letzten Runde

In der Königsklasse SX1 entwickelte sich das Finale zu einem echten Nervenspiel. Nach dem Holeshot von Luke Clout setzte sich zunächst ein enges Führungstrio ab. Gregory Aranda kämpfte sich nach einem Sturz im Qualifying über den Hoffnungslauf ins Finale. Er schien das Rennen trotz aller Widrigkeiten unter Kontrolle zu haben. Mit zunehmender Renndauer baute er seinen Vorsprung aus. Ein Sturz im Waschbrett in der vorletzten Runde stellte jedoch alles auf den Kopf.
Maxime Desprey nutzte die Gelegenheit, übernahm die Führung und brachte den Sieg ins Ziel. Dahinter rettete Aranda trotz des Rückschlags Rang zwei, während Jordi Tixier sich mit einem späten Manöver noch Platz drei sicherte. Die Szene stand sinnbildlich für diesen Abend. Tempo war vorhanden, aber Fehler verzieh die Strecke kaum.

SX2: Kontrolle und Geschichte

In der SX2-Klasse setzte Calvin Fonvieille ein klares Zeichen. Nach dem Start ließ der Franzose keinen Zweifel aufkommen. Er kontrollierte das Rennen von der Spitze aus und fuhr einen souveränen Start-Ziel-Sieg ein. Hinter ihm sorgte Hardy Muñoz für einen historischen Moment. Als erster chilenischer Fahrer überhaupt schaffte er es beim ADAC Supercross Dortmund auf das Podium. Auch hier zeigte sich, wie anspruchsvoll die Strecke war. Mehrere Fahrer verloren in den Spurrillen Zeit oder Boden. Das begünstigte Aufholjagden und Positionswechsel. Allerdings geschah dies oft zu Lasten der Sicherheit.

SX NEXT: Lokalmatador nutzt das Chaos

Besonders emotional wurde es in der neu eingeführten Nachwuchsklasse SX NEXT. Lokalmatador Oskar Romberg erwischte im ersten Rennen des Wochenendes einen schlechten Start. Dennoch blieb er ruhig und arbeitete sich Runde für Runde nach vorne. Während andere Fahrer mit den Bedingungen kämpften, fand Romberg Linien, wo kaum noch welche zu sehen waren. Am Ende stand ein Premierensieg vor heimischem Publikum. Dazu kam die schnellste Rennrunde. Ein Auftritt, der zeigte, dass nicht nur Speed, sondern vor allem Anpassungsfähigkeit gefragt war.

Nachwuchs und eKids: Mut auf kleinem Raum

Auch in den Nachwuchsklassen wurde nichts verschenkt. In der SX4 setzte sich Eddi Haustein mit einem kontrollierten Auftritt durch. Währenddessen sorgte bei den eKids ein enges Duell bis zur Ziellinie für Begeisterung. Gerade bei den jüngsten Fahrern wurde deutlich, wie anspruchsvoll der Kurs selbst für erfahrene Piloten war.

Verletzter Fotograf – Entwarnung

Leider blieb der Abend nicht frei von Zwischenfällen abseits der Strecke. Infolge eines Sturzes wurde ein Fotograf bei der Ausübung seiner Arbeit von einem Motorrad getroffen und verletzt. Das gesamte Fahrerlager wünscht eine schnelle und vollständige Genesung.

Ausblick

Der Auftakt zum 41. ADAC Supercross Dortmund hat gezeigt, wie schmal der Grat zwischen Kontrolle und Kontrollverlust in der Westfalenhalle ist. Sportlich ist alles angerichtet für ein hochspannendes Wochenende. Gleichzeitig wird der Fokus auf die Streckenbedingungen und mögliche Anpassungen weiter zunehmen. Am Samstag und Sonntag wird sich zeigen, wer mit den Bedingungen lernt zu leben – und wer daran scheitert.